Nick Jäger vom TSV Penzberg (links, daneben der spätere Sieger, Istvan Palkovits aus Ungarn) bei seinem Finallauf in Tallinn bei der U23-Europameisterschaft über 3000 Meter Hindernis.
+
Da war das Feld noch dicht zusammen: Nick Jäger (links, daneben der spätere Sieger, Istvan Palkovits aus Ungarn) bei seinem Finallauf über 3000 Meter Hindernis.

Leichtathletik: Penzberger zieht positives Fazit

Nick Jäger kann mit Platz elf bei EM in Tallinn gut leben - irgendwie

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
    schließen

Mit der Vergabe der Medaillen über 3000 Meter Hindernis hatte er nichts zu tun. Dennoch wird Nick Jäger die EM-Tage von Tallinn (Estland) in guter Erinnerung behalten.

Penzberg – Nick Jäger ist dieser Tage ein Wandler zwischen den Welten. An diesem Wochenende fährt er nach Erding. Auf dem Programm steht die Bayerische Meisterschaft, und er läuft unter anderem gegen seine Studienkollegen, mit denen er in Erlangen eine Trainingsgruppe bildet. Es geht um nicht weniger als die Hackordnung innerhalb dieses Zirkels. „Zwei spaßige Rennen“ erwartet der Penzberger.

Ich hab’ mir ein bisserl mehr erhofft und erträumt.

Nick Jäger

Die vorige Woche hat er in Tallinn, der Hauptstadt von Estland, verbracht, bei der U23-Europameisterschaft, seiner ersten internationalen Bahnmeisterschaft. Man kann so ein Kontinentalrennen natürlich mit der Deutschen Meisterschaft vergleichen, um festzustellen, dass es doch „was ganz anderes ist“, wie Nick Jäger feststellt. Die Anreise im Flugzeug, die Teambesprechungen, die drei freien Tage vor dem Wettbewerbsstart: „Es fühlt sich viel wichtiger an“, sagt Jäger. Sein Rennen über 3000 Meter Hindernis beendete der Leichtathlet des TSV Penzberg als Elfter in 8:50,77 Minuten. Einerseits ist das ein ordentliches Ergebnis auf der zweitgrößten Bühne für Nachwuchssportler. Andererseits hat ihn dieses Gefühl vereinnahmt, das sich nicht einfach verjagen lässt: „Ich hab’ mir ein bisserl mehr erhofft und erträumt.“

Leichtathletik: Als die Führungsgruppe das Tempo anzieht, kommt Nick Jäger im Verfolgerpulk nicht vorwärts

Im Rennen allerdings sei nicht mehr drin gewesen, was weniger an Nick Jäger und mehr an der Beschaffenheit dieses Bewerbs lag, die sich nicht immer planen lässt. Gut, der 20-Jährige wusste, dass sie bei so einem großen Finale eher ruhig und behutsam anfahren und nicht direkt losdriften würden. Entsprechend hielt er sich auf dem ersten Kilometer zurück. Blöderweise tat sich beim anschließenden Gedrängel und Geschubse kein Pfad an die Spitze auf. Überholen ging einfach nicht. Und als die Führungsgruppe in die höheren Gänge schaltete, blieb Nick Jäger dahinter im Stau stecken. Er beschreibt die Szenen so: „Man merkt, dass die anderen noch einen drauflegen, während man selbst am kämpfen ist. Dann wird’s schwer.“ Mit einem etwas schnelleren Schlusskilometer hätte es Jäger sogar unter die besten Fünf geschafft. Sieger Istvan Palkovits aus Ungarn lief ohnehin unbedrängt über die Ziellinie. Das war zu erwarten, weil er als Favorit zur EM geflogen war. „Was der mit so einem langsamen ersten Kilometer für eine Zeit gelaufen ist, war richtig stark“, lobte der Penzberger. Bei 8:34,05 Minuten stoppte die Uhr.

Leichtathletik: In den Tagen vor dem Rennen machte Nick Jäger eine kleine Tour durch Tallinn

Der Pulk dahinter bewegte sich in etwa auf einem Level entlang der Tribüne auf der Zielgeraden. Im Stadion war einiges los, da ein Großteil der Athleten bereits seine Wettkämpfe abgeschlossen und auf den Sitzen Platz genommen hatte. Darunter auch Jägers Mutter Melanie, die ihren Sohn gemeinsam mit dem Bundestrainer coachte. Die Stimmung, sagt Nick Jäger, „war gut, da hat Laufen schon Spaß gemacht“. Die Tage zuvor in Tallinn hatte er für eine kleine Tour durch die Stadt genutzt, anstatt sich für drei Tage zu verschanzen. „Wenn man nur im Hotel rumsitzt, würde man sich nur verrückt machen.“ Estland hat die Corona-Maßnahmen zu großen Teilen gelockert, entsprechend fühlte sich der EM-Trip an wie „ein Schritt Richtung Normalität“. Der Leichtathletik-Verband hingegen nahm die Virusgefahr ziemlich ernst. Im Stadion herrschte Maskenpflicht, während der Veranstaltung testete man Nick Jäger zweimal. Überwiegend bewegte sich der Läufer in einer Blase – bis hin zum Saisonhöhepunkt am Sonntag. Wie es nun nach der Bayerischen Meisterschaft in diesem Sommer weitergeht, steht noch nicht fest. Ein paar Wettkämpfe will Nick Jäger laufen. Konkretes ist aber noch nicht dabei.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare