"Ein einfacher Mann, aber ein freier Sänger"

- Und d`Leit, de hat`s gfreit dass` bei uns so weit feit aba d`Leit wissen an Dreck bei uns feits so weit net. <BR>

Der Name Kraudn Sepp sagt einem was in Weilheim und Umgebung, natürlich. Alljährlich gibt`s in der Hochlandhalle ein "Gedächtnissingen" unter dem Bildnis des 1896 geborenen Volkssängers aus Gaißach. Aber ihn selbst hat man als Jüngerer nicht mehr gehört. 1977 ist der Kraudn Sepp, der eigentlich Josef Bauer hieß und auch Bauer war, gestorben. Und seine Aufnahmen (am Ende gab es tatsächlich drei LPs, entstanden alle im letzten Lebensjahr) - in welchem Radio etwa würden sie denn gespielt?<P>Es dauerte bis 2005 und es mussten die ins feine Schräge verliebten Musikfexe der Münchner Plattenfirma Trikont ran, damit man den Kraudn Sepp, der nach seinem Tod zum viel zitierten, aber wohl auch überinterpretierten Volksmusikmythos wurde, wieder direkt und selbst entdecken kann. "Sonntag" heißt die so liebevoll wie kenntnisreich gestaltete Doppel-CD, die den Sänger und Zitherspieler in 32 Liedern (solo, im Duett oder im Trio, aufgenommen zwischen 1967 und `76), in ein paar Ansagen, Witzen und Gesprächsfetzen und sogar in drei Videos "live" vorstellt.<P>Der Grafiker und DJ Hias Schaschko ist Herausgeber; der Autor Franz Dobler, in Schongau aufgewachsen und als Johnny-Cash-Biograf sowie Plattenaufleger auf rauere Countrymusic spezialisiert, schrieb fürs 28-seitige Booklet einen informativen, kraftvollen Text - den viele rare Fotos vom Kraudn Sepp illustrieren, darunter eines, ein besonders süßes, mit den Dietrich Madln in Weilheim. "Er war ein einfacher Mann, der allerdings ein freier Sänger war", schreibt Dobler, "der seine Lieder hatte, ohne überlegen zu müssen. Sie gehörten zu seinem Leben und seinem Empfinden, ganz einfach."<P>Freilich hatte der Kraudn im Grunde zwei Musikerleben: Im ersten bildete er 40 Jahre lang mit seiner Frau Anna und deren Geschwistern Maria und Benedikt Trischberger das Gaißacher Sänger- und Zitherquartett.<P>"Er war kein Rebell, aber<P>die Rebellen mögen ihn."<P>Franz Dobler <P>Das zweite Leben, das des Volkssängers und Wirtshausunterhalters, der ausgiebig solo unterwegs war, begann erst mit fast 70 Jahren. "Praktisch jeden Tag spielte er", so Dobler, "vielleicht sogar süchtig nach Publikum und Applaus". Und: "Es sprach sich schnell herum, dass da einer war, wie sie anscheinend nicht mehr gebaut wurden."<P>Was die Leute so faszinierte, das lassen diese CDs durchaus verstehen. Denn was immer der Kraudn Sepp da sagt und singt, ob braver Landler oder freches Gstanzl: Es ist authentisch - das Lied vom "Schützengraben" oder jenes vom "Kartenspiel", das vom "Murnauer Markt" oder die Heimatschnulze "Es muss ein Sonntag gwesn sein", angeblich eines von Kraudns Lieblingsliedern. Wahrscheinlich war der Musikant Josef Bauer unpolitischer, als es mancher gern hätte, und sicher stimmt, was Dobler am Ende schreibt: "Josef Bauer war kein Rebell, aber die Rebellen mögen ihn." Auch das lässt dieses CD-Paket nachvollziehen. Ob Biermösl Blosn oder Willy Michl, ob Hans Söllner oder sogar Blueser Williams Wetsox aus Huglfing: Die "Wilden" sind viel näher am Kraudn Sepp als all der öde Kommerz, den Fernsehen und Radio als "Volksmusik" verkaufen. Und vielleicht sogar näher als mancher, der heute vorgeblich zu Kraudn Sepps "Ehren" singt.<P>Magnus Reitinger Kraudn Sepp: "Sonntag" (Doppel-CD), erschienen bei Trikont/Indigo. Information im Internet: www.trikont.de<P>ÆAlles authentisch: Das Titelbild der Doppel-CD "Sonntag".

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