"Ein Knall - dann war alles vorbei"

Zeitzeugen erinnern sich an Bombenangriff auf Olching: - Olching - Der 22. Februar 1944 war ein klarer Spätwintertag. Es lag 30 Zentimeter Schnee, und die Sonne am strahlend blauen Himmel hatte ihren höchsten Stand erreicht, als eine schwarze Wolke aufzog. Die Wolke machte Lärm, es waren Kampfflugzeuge: "Ein tiefes, aber gleichmäßiges Brummen", erinnert sich Anneliese Zimmermann an die Bombardierung Olchings. Sie war damals gerade 14 Jahre alt. Gemeinderat Georg Steer war ein zehnjähriger Bub, als es Bomben auf die Ampergemeinde hagelte. Auch Steer hat den Luftangriff noch genau in Erinnerung. Der persönliche Bericht der beiden Olchinger über den Katastrophentag mit zahlreichen Toten liefert eine aufschlussreiche Ergänzung zur Ortschronik.

"Die vielen Toten, das waren Menschen, die ich gekannt habe. Das hat das Geschehen besonders sinnlos gemacht", blickt Anneliese Zimmermann auf den Kriegstag zurück. Als sich, wie die Chronik aufzählt, um die 25 amerikanische Bomber Olching näherten, befand sich Zimmermann in einem Fahrradgeschäft auf der Westseite der Hauptstraße kurz vor der Bahnunterführung.

Feindliche Flugzeuge am Brummton erkannt

Dass es feindliche Flugzeuge sind, erkennt das Mädchen am leisen Brummton: "Bei den deutschen Maschinen war es ein Dröhnen, da ham die Gläser im Schrank g±scheppert." Die 14-Jährige sieht die Flieger aus München kommen. Die Maschinen flogen nicht besonders hoch und waren deshalb gut zu sehen. "Ich hab` 16, 17 Flugzeuge gezählt."

Das Mädchen erkennt noch, wie die Kampfmaschinen nach einer Schlaufe in entgegengesetzter Richtung zurückfliegen. Dann geht alles ganz schnell: Im Garten des Nachbarhauses schlagen erste Bomben ein. Der Druck der Explosion reißt die Haustür auf und das Stiegengeländer weg. Es ist der erste Fliegerangriff, den Anneliese Zimmermann erlebt. "Wir sind in den Keller, der nicht besonders abgesichert war, und haben dort ungefähr eine Dreiviertelstunde lang Schutz gesucht."

Nach dem Angriff geht Anneliese Zimmermann durch den Ort, sieht sich die zertrümmerten Häuser an und hört von den Toten. Die Chronik zählt 75 Spreng- und 150 bis 200 Brandbomben. Bei dem um 12 Uhr 47 Ortszeit geflogenen Angriff wurden 22 Menschen getötet, 16 Personen waren schwer, 40 erheblich verletzt, 140 Menschen wurden obdachlos. Schwer getroffen wurden das Pfarrhaus, das Umspannwerk und die damalige Mädchenschule. Insgesamt wurden elf Gebäude völlig, zwölf schwer und 35 leicht beschädigt.

Bombenfeuer hat wohl Militärflughafen gegolten

"Wenn alle Geschosse den Ort getroffen hätten, die in den Amperauen heruntergegangen sind, dann wäre Olching in Schutt und Asche gelegt worden", stimmt Zimmermann mit Georg Steer überein. Beide Olchinger glauben, dass das Bombenfeuer der Alliierten eigentlich dem Brucker Militärflughafen gegolten hat und dass die Amerikaner wegen drohender Luftabwehr vorzeitig abgedreht wären: Dann hätten sie die Bombenlast ihrer Flugzeuge ersatzweise über Olching entladen. "Wenn Olching ausgemachtes Ziel gewesen wäre, dann wäre der Ort auch voll getroffen worden", sagt Steer. "Die Bomben waren eine Art Notentladung nach dem Umkehren." Die erwähnte Kehrtwende, die die Kampfmaschinen nach erstmaligem Überfliegen des Ortes machten, erklärt, warum Steer die Kampfbomber anders als Zimmermann von Westen her hat kommen sehen.

Der damals zehnjährige Georg Steer sitzt gerade in der Sakristei der Pfarrkirche St. Peter und Paul beim Kommunionunterricht, als Luftalarm gegeben wird. "Wir sind alle heimgeschickt worden." Auf dem Weg ins Elternhaus an der Hauptstraße 61 bleibt er stehen und zählt die Flieger: "Das waren jede Menge Flugzeuge. Ein schwarzer Haufen." Beim Zählen begegnet Steer der Gemeindeschreiber Karl Kaiser, der den Buben ermahnt, schleunigst nach Hause zu gehen. Kaum erreicht Steer wohlbehalten das Elternhaus, schlagen die Bomben ein. "Es hat einen furchtbaren Knall getan und dann war alles vorbei."

Seiner Erinnerung nach müssen die Bombenladungen gleichzeitig an verschiedenen Stellen heruntergekommen sein. Die Chronik berichtet, zwei Drittel hätten die Amperauen, ein Drittel den Ort getroffen. Einen mannstiefen Krater könne man heute noch im Fabrikerhölzl nahe des Birkenweges sehen. Steer: "Ich bin mit dem Leben davongekommen. Auch die Sakristei wurde beim Fliegerangriff völlig zerstört."

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