Eine Oase für Rinder-Raritäten

- Peiting-Kreut - Was auf dem Hof von Dr. Volker Zahn kreucht, fleucht, gackert, bellt und muht, das ist eine Rarität - darunter auch die vom Aussterben bedrohte bayerische Rinderrasse Murnau-Werdenfelser. Der Bestand im Freistaat umfasst gerade mal noch 1200 Tiere, sieben davon lassen sich das Gras auf den Weiden in Peiting-Kreut schmecken. Dort hat Dr. Volker Zahn - bis vor kurzem hat er eine Frauenklinik in Straubing geleitet und am Lehrkrankenhaus der TU München unterrichtet - ein Refugium für das Raritäten-Rind geschaffen.

Mit gefilzter Jacke, Schlapphut und Gummistiefeln schiebt Dr. Volker Zahn den Schubkarren mit einem Berg von Heu auf die Weide, wo der Stier "Bärli" mit sechs "Damen" und vier Kälbchen Winter und Sommer verbringt. Die Tiere schnuppern an dem Mediziner, fressen ihm das Heu aus der Hand. "Sogar meine Nachbarn hier wundern sich, wie friedlich und zutraulich diese Tiere doch sind", sagt Dr. Volker Zahn.

Überhaupt gerät Zahn, jetzt Landwirt im Nebenerwerb, ins Schwärmen, wenn er von der Murnau-Werdenfelser Rasse spricht. Harte Klauen, sehr trittsicher, robust, nicht auffällig und sehr fruchtbar sei sie. "Noch im fortgeschrittenen Alter bekommen die Kühe dieser Rasse Kälbchen", so Dr. Volker Zahn. Die Lebensdauer der Murnau-Werdenfelser liegt außerdem weit über der Zeit, die eine reine Milchkuh heute erlebt.

Doch warum ist dieses treue, zähe Tier bei so vielen Vorteilen vom Aussterben bedroht? "Sie gibt zu wenig Milch und ist zu klein", sagt Dr. Volker Zahn über das Tier, das es nach dem zweiten Weltkrieg noch zu Hauf gegeben hat. "Dieses Tier können Bauern nur im Sinne der Nebenerwerbslandwirtschaft halten." Kälbchen der seltenen Rasse verkauft Dr. Volker Zahn an Liebhaber.

Dass alle vier Murnau-Werdenfelser Kälbchen in diesem Jahr schon verkauft sind, dürfte daran liegen, dass die "Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen" (GEH) jetzt das Murnau-Werdenfelser zur "Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2007" ernannt hat. Ein Boom für das seltene Exemplar Kuh?

Dem Freistaat Bayern würde es gefallen. Seit Jahren unterstützt er alle, die das seltene Rind halten. "Das bayerische Landwirtschaftsministerium ist sehr interessiert an dieser Rasse, um die Gene zu erhalten", weiß Dr. Volker Zahn.

So interessiert, dass der Freistaat selbst bei Schwaiganger (Gugelhör) eine landeseigene Herde mit 20 Mutterkühen hält. "So kann man eine Rückzüchtung von den guten alten Genen garantieren." Eine Thematik, mit der sich der Umweltmediziner und Gynäkologe gerne befasst. "Als Geburtshelfer habe ich mich natürlich viel mit Genetik beschäftigt."

Überhaupt ist die Landwirtschaft und das Leben in der Einsamkeit -nicht mehr als acht Familien leben in Kreut -für den ehemaligen Chefarzt eine Ergänzung zu seinem früheren Leben. "Manchmal komme ich mir vor, als müsste ich neue Patienten behandeln -früher habe ich Visite bei meinen Patientinnen gemacht, heute bei den Tieren." Ein verstauchter Huf, Appetitlosigkeit, überfüllter Magen -die "Krankenakten" sind vielfältig.

Und Dr. Volker Zahn ist in seinem Element. Für ihn hat sich in Kreut ein Traum erfüllt, und auch für ein paar Murnau-Werdenfelser dürfte die Zukunft bald rosiger aussehen. Zahn will seinen biologischen Betrieb aufstocken und die Herde auf 30 bis 40 Tiere erweitern -auch wenn das Murnau-Werdenfelser nicht mehr "Gefährdete Nutztierrasse des Jahres" ist.

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