Viele schöne Auszeichnungen und Pokale hat Christoph Berauer noch von seinem Vater, der Legende Gustl Berauer. Fein säuberlich hat der Schlierseer alles aufgehoben. Foto: Plettenberg

Eine Sprunglauf-Legende mit Höhenangst

Schliersee - Olympische Erinnerungen: Der Schlierseer Gustl Berauer startete 1936 in Garmisch noch für die Tschechoslowakei.

Bei den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen trat Gustl Berauer noch für die Tschechoslowakei in der Nordischen Kombination und im Langlauf an, zur Legende wurde er erst drei Jahre später. „Über Olympia hat er nie viel erzählt, er hat nur gesagt, dass er damals noch zu jung war“, erinnert sich sein Sohn Christoph Berauer, der das Schlierseer Sportgeschäft inzwischen in zweiter Generation leitet.

Berauer wurde 1912 in Petzer im Riesengebirge geboren. Dort stand der junge Gustl schon früh auf Brettern, allerdings hatte er zum Anfang seiner Karriere große Probleme mit dem Skispringen. Später war er dann der erste Deutsche, der einen Sprung über 100 Meter schaffte.

In Garmisch-Partenkirchen zeigte Berauer erstmals sein Talent. In der Nordischen Kombination landete er auf dem 14. Platz. Wie heute bestand der „Sprunglauf“, wie die Disziplin damals genannt wurde, aus Skispringen und Langlaufen. „Mein Vater war nicht schwindelfrei und konnte nicht beim Turm herunterschauen“, erzählt Berauer. Gustl Berauer lief auch in der Langlaufstaffel der Tschechoslowakei mit. Dabei brachte er die beste Zeit aller Teilnehmer ins Ziel. Am Ende landete er mit der Mannschaft auf dem fünften Rang. Den Langlaufwettbewerb über 18 Kilometer beendete er mit dem 21. Platz.

„Das war schon fast selbstmörderisch, wie die damals von den Schanzen gesprungen sind. Die Skier waren ja nichts anderes als einfache Holzbretter“, erzählt Berauer junior. Bei den Weltmeisterschaften 1939 in Zakopane durchbrach Gustl Berauer als erster Westeuropäer die Dominanz der Skandinavier. Er gewann den Titel für Deutschland, das die Tschechoslowakei inzwischen eingenommen hatte. Zwei Jahre später konnte er den ersten Platz in Cortina d’Ampezzo sogar wiederholen, allerdings wurde der Wettbewerb von der FIS später offiziell annulliert.

Allerdings musste er seine Karriere aufgrund einer schweren Verwundung aus dem Zweiten Weltkrieg bald beenden. Er war damals als Feldwebel der Gebirgsjäger an der Ostfront eingesetzt. 1951 eröffnete Berauer das gleichnamige Sporthaus in Schliersee. Von 1963 bis 1975 war er Vorsitzender des FIS-Komitees Nordische Kombination. Zudem war er von 1962 bis 1970 Vizepräsident des Deutschen Skiverbands und gehörte fünf Jahre lang dem Präsidium des Deutschen Sportbundes an.

1986 verstarb Gustl Berauer in Schliersee. „Er war einer, der den Langlauf in Deutschland groß gemacht hat. Er hat einen Großhandel mit Skiern und Wachsen aus Skandinavien eröffnet“, weiß Berauer junior. ca

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