Enge als Keimzelle von Aggression

- Zu viele Schüler - Volle Züge - Gleisüberquerung stellt Gefahr dar

VON HANS MORITZ Ohlstadt/Murnau - Jeden Mittag dürfte Wartenden am Ohlstädter Bahnhof das Blut in den Adern gefrieren. Um 12.38 und um 13.38 Uhr kreuzen sich dort zwei Züge. Voller Bewegungsdrang nach stundenlangem Sitzen stürmen die Kinder aus dem Zug über das zweite Gleis, auf dem Sekunden später der Gegenzug Richtung Garmisch-Partenkirchen einfährt. Doch das ist nicht das einzige Sorgenkind. Beklagt werden die übervollen Züge, wenn die Jugendlichen zur Schule oder nach Hause fahren.

Nach Protesten der Schulleitungen und zahlreicher Eltern sind jetzt die Bürgermeister initiativ geworden: Dr. Michael Rapp (Murnau), Ingrid Bässler (Ohlstadt) und Peter Stahr (Eschenlohe) trugen unlängst ihre Bedenken der Bahn vor.

Bässler erklärte, beim - soeben gewonnenen - Kampf ihrer Gemeinde um den Erhalt des zweiten Gleises sei es niemals darum gegangen, aus Ohlstadt einen Kreuzungsbahnhof zu machen. Die Bahn argumentiert, dies sei wegen des geplanten elektronischen Stellwerks zu bestimmten Zeiten nicht anders zu machen. Immerhin hat der Konzern "seine Absicht erklärt", eine Unterführung zu bauen, um Kinder und andere Bahnfahrer von den Schienen zu bekommen. "Es ist allerdings überhaupt noch nicht absehbar, wann die Unterführung kommt", so Bässler, die mit mehr Sicherheit nicht lange warten möchte und bislang nur von einer Augenscheinnahme der Situation durch einen Bahn-Mitarbeiter zu berichten weiß. Von Hedwig Schubert von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft hat die Bürgermeisterin vorige Woche erfahren, es werde geprüft, inwieweit man zum alten Stundentakt zurückkehren könne, was den Kreuzungspunkt entflechte. In den Stoßzeiten müssten dann zusätzliche Züge fahren.

Mehr Service auch für Schüler fordert Bässlers Murnauer Kollege Rapp: "Mir ist von unhaltbaren Zuständen berichtet worden." Die Züge seien so voll, dass Kinder kurze Standzeiten auf freier Strecke nutzten, um auszusteigen und frische Luft zu schnappen." Doch das sei lebensgefährlich. Gerade die Kleinen würden regelrecht erdrückt. "Es gilt das Recht des Stärkeren. Da steckt dann sehr schnell sehr viel Aggressions-Potenzial drin", so Rapp, der die Probleme in den Abschnitten Richtung Kreisort sowie ins Ammertal sieht.

Die Garnituren beliebig zu verlängern, schließt die Bahn aus, schließlich sei man an die Längen der Bahnsteigkanten gebunden. Ab neun Waggons sei zudem ein zweiter Schaffner erforderlich. Bässler will mitunter aber schon Züge entdeckt haben, "die länger waren als wir bisher gesehen haben".

Der neue Fahrplan lässt viele Schüler nicht nur hetzen, sondern bringt auch die Schulen in Bedrängnis. So werden in Oberau wegen der Unwägbarkeiten mit den Fahrschülern in der ersten Stunde keine Klassenarbeiten mehr angesetzt. Dort wurden überdies die Anfangs- und Schlusszeiten geändert, damit die Kinder ihre Züge gerade noch rechtzeitig erreichen.

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