Ermordet, weil er Iffeldorf schützen wollte

- Iffeldorf - "Geliebt, beweint und unvergessen" ist in den Stein gemeißelt. Gleich neben dem Eingang der Iffeldorfer Kirche liegt das Grab von Erwin Steiger. Der hochdekorierte Hauptmann und Fabrikant war, wie berichtet, am 28. April 1945 von SS-Schergen ermordet worden, weil er mit Einheimischen Schaden von Iffeldorf abwenden wollte. Es war an jenem Tag, an dem im benachbarten Penzberg 16 Menschen starben.<BR>

Franz Schesser, damals elf Jahre alt, erinnert sich an den beinamputierten Schokoladenfabrikanten, der mit seiner Frau in München ausgebombt worden war. "Er war öfter bei meinem Vater, sie haben Schach gespielt." Steiger habe zu seinem Vater gesagt, man müsse verhindern, dass es in Iffeldorf Gegenwehr gegen die Amerikaner gibt. Er fürchtete, dass sie das Feuer erwidern würden.<P>Als die Radiodurchsage der "Freiheitsaktion Bayern" lief, kam es zu den Entwaffnungsaktionen. Laut Schesser ("Mein Vater war damals im Krankenhaus") waren neben Erwin Steiger und dem Gastwirt Karl Fischer auch der Schreiner Lorenz Lenz, der Spengler Sepp Reitberger und ein Mann namens Schürer beteiligt - nach ihnen allen suchte später die SS.<P>Schürer war laut Schesser gerade in der Gemeindekanzlei (im heutigen Schulhaus) bei Bürgermeister Andreas Reinhardt, als dort die SS erschien. Die SS habe nach Schürer gefragt, und der Bürgermeister habe sie in Richtung Bodenbach geschickt. "Er hat Steigers Leben gerettet und sein eigenes aufs Spiel gesetzt."<P>Flüchten konnten damals auch Reitberger, der laut Schesser mit dem Rad nach Ponholz fuhr und sich auf einem Baum versteckte, sowie Lenz, der sich nach Arnried rettete. Gastwirt Fischer - er hatte ein Gespräch von SS-Leuten im Gasthof Post mitbekommen - habe sich in einem Stadl im Heu vergraben. Bürgermeister Albert Strauß, damals knapp zehn Jahre alt, glaubt, dass es andernfalls wie in Penzberg viele Tote hätte geben können.<P>Erwin Steiger floh nicht. Er wurde tags darauf zwischen Iffeldorf und Seeshaupt wie ein zweiter Mann, ein Pole namens Kowalzik, tot aufgefunden. Zur Identität des Polen ist wenig bekannt. Vermutet wird laut Strauß, dass er aus dem kleinen Gefangenenlager nahe des Heuwinklbergs geflohen war.<P>Unter Panzerbeschuss<P><P>Franz Schesser erinnert sich, wie amerikanische Panzer am 30. April aus Richtung Seeshaupt in Iffeldorf einrückten - und sich Steigers Befürchtung bewahrheitete. "Wo sich die SS verschanzt hatte und rausgeschossen wurde wie in Rettenberg, schossen die Panzer rein", so Schesser, der von drei Bränden als Folge spricht.<P>Erwin Steiger ruht seither auf dem Iffeldorfer Friedhof: "Von der SS ermordet", steht auf dem Grabstein. Seine Frau Nelly Ida ist dort seit November 2001 begraben. Beider Schokoladenfabrik wurde nach dem Krieg in Iffeldorf nahe des Staltacher Hofs weiterbetrieben, bis die Firma in München wieder aufgebaut war.wos<P>

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