Für den Ernstfall gut gerüstet

- Unter der TSV-Sporthalle befand sich lange das Hilfskrankenhaus

VON STEPHAN PENNING Schongau - Dieter Kneißl dürften schon fast nostalgische Gefühle beschlichen haben. Als ich den Hausmeister der TSV-Sporthalle an der Marktoberdorfer Straße treffe, um mit ihm in die Niederungen des Gebäudes hinabzusteigen, deutet nämlich nur noch vergleichsweise wenig darauf hin, dass sich hier einst ein Hilfskrankenhaus befunden hat.

"Vor zwei Jahren war Zapfenstreich", erinnert sich Kneißl zurück, erzählt, dass "seinerzeit alle Betten, Matratzen, Röntgen-Geräte, über 1000 Wolldecken und fünf Sterilisatoren in den Osten verschenkt worden sind".

Der Hausmeister vermutet zwei Gründe für die Entscheidung. "Zum einen war der sogenannte Kalte Krieg endgültig zuende, zum anderen musste die Regierung sparen." Und weil die Wartungsarbeiten letztlich teurer gekommen wären, entschlossen sich die Oberen aus München, das Inventar kurzentschlossen in den Osten zu verschenken, wo der Bedarf an Krankenhausartikeln naturgemäß immer groß war und ist.

Begonnen hatte alles in den 60 er Jahren. 1965 wurde die Halle gebaut, zwei bis drei Jahre später entstand im Untergrund das Hilfskrankenhaus. "Seinerzeit wurden solche Projekte staatlich bezuschusst (auch Weilheim erhielt ein Hilfskrankenhaus)", erinnert sich Kneißl. Die Stadt Schongau indes war stets nur Verwalter, gehört hat die Klinik, die im Ernstfall binnen kürzester Zeit voll funktionsfähig hätte genutzt werden können, stets der Regierung von Oberbayern. 260 Menschen konnten seinerzeit in der unmittelbar unter der Sporthalle gelegenen Klinik im Bedarfsfall untergebracht werden.

Die Ausstattung war vorzüglich

Und die war bestens ausgestattet - mit OP- und Röntgenraum, Duschen zum Abspritzen bei eventuell auftretender Radioaktivität sowie mit drei Notstromaggregaten a 60 Kilowatt. Modern auch die Reinigung der Luft, die zunächst durch einen Sand-, dann durch einen Roll- und am Ende durch einen Waschfilter erfolgte, bevor das gesäuberte Gemisch in der Umluft des Krankenhauses landete. Eine Küche sowie WC-Anlagen komplettierten das Angebot.

Bereits zwei Jahre nach Eröffnung der Klinik kam`s laut Kneißl dann zur ersten Zweckentfremdung, als im Keller drei Kegelbahnen eingerichtet wurden.

Die hätten im Notfall aber vergleichsweise rasch wieder umfunktioniert werden können, denn: fahrbare Betten waren im hinteren Teil aufgestellt, und auch ambulante Waschbecken hätten jederzeit spontan angebracht werden können. Die Großküche, die sich ebenfalls im Keller befand, kam sogar mal zu besonderer Ehre, als das THW Ende der 60er Jahre anlässlich eines Tags der offenen Tür die Gäste aus der Gulaschkanone speiste.

Heute sind es weitgehend leere Räume, die sich dem Betrachter beim Blick in den "Untergrund" eröffnen. "Das Einzige, was heute noch funktioniert, sind die Notstromaggregate. Selbst die Luft lässt sich nicht mehr kühlen, sondern nur mehr umwälzen", erklärt Kneißl mit Wehmut in der Stimme. Schließlich hatte auch er zu "Lebzeiten" der Klinik einiges an Mehrarbeit zu leisten. "Da galt es einmal monatlich, einen Probelauf zu starten, um im Ernstfall gewappnet zu sein. Dazu gehörte aber auch der Ölwechsel der Aggregate und die Sauberkeit im Keller, für die ich zuständig war." Das alles ist heute nur noch Schnee von gestern.

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