Ex-Staatsanwalt als Geldwäscher

- München - Betrug und Geldwäsche ­ das sind nur zwei der Punkte, die die Münchner Staatsanwaltschaft ihrem früheren Kollegen Uwe Huchel zur Last legt. Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Christian Schmidt-Sommerfeld ist gegen den früheren, hoch geschätzten Augsburger Wirtschaftsstaatsanwalt vor dem Landgericht München I Anklage erhoben worden.

Der 46-Jährige hatte bereits vor einem Jahr unter dem Druck der Ermittlungen den Staatsdienst quittiert. Im September wurde er aufgrund neuer Vorwürfe verhaftet. Seither sitzt Huchel im Stadelheimer Gefängnis. Was Staatsanwalt Andreas Harz und Beamte des bayerischen Landeskriminalamtes ans Tageslicht brachten, würde manchem Ganoven zur Ehre gereichen: Die 35-seitige Anklageschrift beschuldigt den Ex-Staatsanwalt unter anderem des Betrugs, der Geldwäsche, der Vorteilsannahme und des Verwahrungsbruchs.

Die Vorwürfe gehen zurück auf einen spektakulären Betrugsfall. In 64 Ländern hatten Geldanleger seit 1998 in wertlose Firmenanteile investierten und dabei an die 100 Millionen Euro verloren. Sie waren auf ein Trio hereingefallen, dass von Spanien aus agiert hatte. Die zwei US-Bürger und ein Brite wurden 2005 in Augsburg zu Haftstrafen von bis zu dreieinhalb Jahren verurteilt. Da Deutsche zu den Geschädigten gehören, war auch in Bayern nach den Tätern gefahndet worden. Federführend der Augsburger Starankläger Uwe Huchel. Nach Verurteilung der Täter war Merkwürdiges passiert.

Ein Betrüger spendet für den Staatsanwalt

Der inhaftierte Frank P. spendete einer bis dato unbekannten "Initiative Menschen in Not, Augsburg" 165\x0f000 Euro. Warum, blieb unklar. "Wir hatten keine Ahnung, wer sich dahinter verbirgt", versicherten seine beiden Münchner Anwälte, Steffen und Florian Ufer. Ihre Kanzlei hatte die Summe auf das von Huchel benannte Konto überwiesen ­ das dieser kurz zuvor für seine Oma eröffnet hatte.

Fahnder des LKA wollen noch mehr Strafwürdiges entdeckt haben. Nach Recherchen unserer Zeitung soll Huchel, entgegen den Vorschriften, mit vertraulichen Dokumenten im Aktenkoffer seine Dienststelle verlassen haben. Was schon deshalb Brisanz bekommt, weil der Staatsanwalt auch noch unter Korruptionsverdacht steht. Der Staatsanwalt hatte sich von dem umstrittenen Laborunternehmer Bernd Schottdorf im Jahr 2000 privat 160\x0f000 Mark zu bank\-unüblichen Konditionen geliehen. Wenige Wochen, bevor der Multimillionär selbst wegen Verdachts von Abrechnungsbetrügereien vor Gericht stand ­ und freigesprochen wurde.

Überraschend sind vor dem Münchner Landgericht Schottdorf und sein Berliner Anwalt ­ beide sollen den Darlehensfluss mit Hilfe von Treuhändern und Auslandskonten verschleiert haben - nicht angeklagt. Oberstaatsanwalt Schmidt Sommerfeld bestätigte, dass mit beiden Beschuldigten noch "Gespräche" laufen. Für sie könnte es glimpflich mit einem Strafbefehl enden.

Dies allerdings vor dem Hintergrund weitaus schwerwiegender Beschuldigungen. Der Augsburger Staatsanwalt soll das ortsansässige Laborunternehmen in den Jahren 2004 und 2005 zweimal vor Hausdurchsuchungen gewarnt haben. Schmidt-Sommerfeld rechnet mit komplizierten Ermittlungen.

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