Experte in Glaubensfragen

- Wessobrunn - Irgendwie ist Dr. Adalbert Mayer in den Ruf gekommen, ein Filmexperte zu sein. Immer wieder mal melden sich Filmproduzenten bei ihm und fragen ihn um Rat und Tat. Angefangen hat alles vor drei Jahren. "2001 im Sommer", erinnert sich der Pfarrer, sei er gefragt worden, ob er nicht bei einer Filmproduktion mitwirken wolle. In drei der 13 Folgen einer Staffel von "Um Gottes Willen" suchte man für die Aufnahmen einer Taufe, einer Kommunionfeier und einer Beichte einen Geistlichen. Mayer sagte zu. 2002 stand er erneut vor der Kamera - natürlich wieder in der Rolle des Pfarrers. Diesmal wurden in Forst und Wessobrunn einige Szenen für die Neuverfilmung des Romans "So weit die Füße tragen" gedreht. Seine Erinnerung an den Dreh ist profaner Natur: "Ich bin bei den Außenaufnahmen viel rumgestanden und es war ziemlich kalt."<BR>

Inzwischen ist die Serie "Um Gottes Willen" zum ARD-Erfolg schlechthin geworden, Mayer hat aber keine Starallüren: "Es war ja ganz nett, mal Jutta Speidel und Fritz Wepper zu treffen", fasst er seine Erfahrungen zusammen. Vor die Kamera treten will er aber nicht mehr. Als ihn die Produktionsgesellschaft im vergangenen Jahr noch einmal ansprach, erklärte er sich aber bereit, einem Schauspieler beizubringen, worauf er bei einer Taufe und einer Trauung zu achten habe. Dass er "irgendwie in den Ruf gekommen" sei, "ein Experte für Film zu sein", verdankt Mayer seiner eigenen Einschätzung nach eher einer Mitteilung einer kirchlichen Presseagentur, die über seine Aktivitäten berichtete, als seinen schauspielerischen Qualitäten.<P>Mayers Lebenslauf belegt allerdings deutlich, dass er Experte in Glaubensfragen ist und nicht Schauspieler. So hat der heute 70-Jährige nach der Schule gleich das Theologiestudium aufgenommen. Am ältesten Priesterseminar der Welt, dem herzoglichen Georgianum in München begann er seine Laufbahn. Eine Woche nach der Priesterweihe am 22. Juli 1962 in der benachbarten Ludwigskirche feierte er Primiz in Häder bei Dinkelscherben. In zwei Richtungen ging es für Mayer weiter. Einerseits zog es ihn zur Wissenschaft, andererseits war da die praktische Arbeit vor Ort: Zwei Jahre Kaplan in Augsburg, dann Freistellung für das Studium des Kirchenrechts in München. Aus der Art, wie Mayer die Zeit am Priesterseminar schildert, ist sein Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten herauszuhören. Als wissenschaftlicher Assistent setzte er seine Laufbahn "in einer kritischen Zeit" fort. Mit der "kritischen Zeit" meint er 1968, das Jahr, das einer ganzen Generation von Studenten seinen Stempel aufgedrückt hat. Etwas Wehmut klingt in der Stimme von Mayer mit, als er sagt, dass ihn die Diözese 1972 als Pfarrer nach Wessobrunn berufen habe.<P>Auch wenn die Arbeit als Pfarrer seinen Terminkalender mit Alltagsaufgaben wie der Renovierung der Kirche und des Pfarrhofs gut ausfüllte, ein bisschen mehr wollte er immer. So schloss er 1974 seine wissenschaftliche Arbeit über das "Meßstipendium" mit der Promotion ab. Nach einem kurzen Einschub zur Rechtschreibreform - Mayer bemerkt mit einem Kopfschütteln, dass man das Wort heute mit "sss" schreiben müsse - kommt er zum Inhalt. In der rechtsgeschichtlichen Arbeit habe er untersucht, wie der Brauch aufkam, Messen für Verstorbene gegen eine kleine Spende lesen zu lassen. Noch im selben Jahr begann Mayer, Vorlesungen in Kirchenrecht an der theologischen Hochschule der Salesianer in Benediktbeuern zu halten.<P>"Wenn ich etwas mehr Zeit gehabt hätte." Diesen Satz sagt Mayer, der sich als "eher konservativer Pfarrer" bezeichnet und dies mit dunkelgrauem Anzug, weißem Hemd und schwarzer Krawatte auch äußerlich belegt, mehrmals und fügt an, dass es noch zahlreiche Themen im Kirchenrecht gibt, die eine nähere Untersuchung wert wären. Dann wechselt er das Thema. "Aber die Arbeit in der Pfarrei" sei für ihn die Hauptaufgabe gewesen, und die sei immer mehr geworden. Birkland habe noch einen eigenen Pfarrer gehabt, als er nach Wessobrunn kam, bis in die 80er Jahre, dann habe er dessen Aufgabe mit übernommen.<P>Was seine persönlichen Interessen angeht, ist der kräftig gebaute Mann mit dem schon etwas lichten Haar nicht sehr auskunftsfreudig. Es gebe kaum welche, und wenn, dann seien diese wohl kaum für jemand interessant. Radfahren und Wandern nennt er schließlich als ehemalige Hobbys, auch jetzt gehe er noch gerne spazieren. Ansonsten führe er "ein einfaches Leben". Seine Haushälterin, die gerade Fruchtsaft kredenzt, wird indes konkret, was des Pfarrers kulinarische Vorlieben angeht: "Dampfnudeln und Kässpatzen" rangieren nach ihrer zweifellos kompetenten Aussage unter seinen Leibspeisen ganz oben. Ein Lieblingsgetränk gebe es nicht, zu groß sei die Vielfalt an Fruchtsäften. Aber "bei besonderen Anlässen gibt`s auch einmal ein Glas guten Wein", ergänzt Mayer mit einem Lächeln.<P>So nebenbei lese und reise er auch ganz gerne, er war schon im Heiligen Land, in Santiago de Compostela, in Lourdes und mehrmals in Rom. Natürlich beschäftige ihn auch die Geschichte des Klosters. So hat er zum Beispiel eine deutsche Übersetzung der 1753 in Latein verfassten Klostergeschichte von Cölestin Leutner für die Veröffentlichung redigiert. Und er war einer der Wiederbegründer der Wessobrunner Marienbruderschaft "Mutter der schönen Liebe".<P>"Altersbedingt", so Mayer, habe er die Lehrtätigkeit in Benediktbeuern aufgegeben. Jetzt habe er dafür mehr Zeit für die alltägliche Arbeit in der Pfarrei, die ihm ebenso viel Freude mache, wie die Tatsache, dass er im "schönsten Pfarrhof in der Diözese Augsburg" leben dürfe. Erst vor kurzem habe er mit 120 Gästen seinen Geburtstag "im Hausgang" gefeiert. Damit meint er den riesigen Flur mit seiner reich mit Stuck verzierten Decke, der gelegentlich auch den würdigen Rahmen für Konzerte abgibt.<P>Neben der Alltagsarbeit stehe aber auch eine große Aufgabe an: Die Pfarrkirche muss renoviert werden. Und dann gebe es noch jede Menge interessante Themen . . . Und vom Film habe heuer auch schon wieder einer angerufen . . .<P>Alfred Schubert<P>

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