Faltlhausers kühne Schlossträume

- VON DIRK WALTER Egglkofen - Wenn die Rede auf sein Schloss kommt, gerät Besitzer Rudolf-Konrad Graf Montgelas ins Schwelgen: "Eines der best erhaltenen Schlösser Bayerns" sei das Gebäude, und "ein Kulturgut allerersten Ranges".<BR>

Doch der Ankauf des als Kleinod gepriesenen Schlosses Egglkofen (Kreis Mühldorf) durch den Freistaat ist politisch ein heißes Eisen. Im Haushaltsausschuss des Landtags wurde der Kauf in nicht-öffentlicher Sitzung von Finanzminister Kurt Faltlhauser und der CSU-Mehrheit gegen den heftigen Protest der Opposition durchgepaukt. "Der kulturhistorische Wert ist zweifelhaft", erklärte SPD-Haushaltsexperte Heinz Kaiser.

Rechnungshof: Schloss ist viel zu abgelegen

Der Haushälter der Grünen, Eike Hallitzky, sagt: "Wir haben kein Geld, um ein Schloss zu kaufen." In der CSU-Fraktion regt sich Unmut. Nachdem der CSU-Abgeordnete Alexander König kritisch nachgefragt hatte, entspann sich in der vergangenen Fraktionssitzung eine Debatte um den Sinn des Ankaufs. "Es stellte sich die Frage, ob man in Zeiten des Sparens ein Schloss kaufen kann", fasst der CSU-Fraktionssprecher die Debatte zusammen. Ergebnis: Faltlhauser soll am Dienstag in der Fraktion den Kauf erläutern.

Dass es sich hier um einen heiklen Fall handelt, hatte der Finanzminister selbst angedeutet, da er zu dem Ankauf eine Pressemitteilung veröffentlichte. Normalerweise gibt sich sein Haus bei Immobiliengeschäften vornehm-zurückhaltend. Diesmal betonte Faltlhauser, es sei zu befürchten gewesen, "dass das Schloss in fremde Hände fällt und persönliche Erinnerungsstücke weit verstreut werden". In einer solchen Situation muss der Staat handeln." Die Andeutung, dass Montgelas das Schloss auf jeden Fall veräußern will, lenkt auf die finanzielle Seite des Ankaufs. Der Kaufpreis für Gebäude, Schlosspark und Ökonomiegebäude liegt bei etwa zwei Millionen Euro, bestätigte der Rechtsanwalt von Graf Montgelas, Peter Müller. Nutznießer des Verkaufs soll nicht zuletzt die halbstaatliche Bayerische Landesbank sein, die Gläubiger der jetzigen Besitzer ist.

Der Bayerische Oberste Rechnungshof hat nach Informationen unserer Zeitung strikt gegen den Kauf plädiert. Ein Abteilungsleiter meldete in der Sitzung Zweifel an einer sinnvollen Nachfolgenutzung an. Das 1830 erbaute Schloss im nördlichen Landkreis Mühldorf sei viel zu abgelegen, um dort ein Museum einzurichten. Auch handele es sich nicht um den offiziellen Wohnsitz von Montgelas.

Tatsächlich hat der engste Berater des Kurfürsten und späteren Königs Max Joseph Egglkofen nur in seinen letzten Lebensjahren bewohnt - lange nach Ausscheiden aus dem Staatsdienst. Im Ausschuss wurde auch der lange Zeitraum für die Erstellung eines Nachfolge-Nutzungskonzepts moniert. In dem Kaufvertrag soll dem Verkäufer noch ein Nutzungsrecht von fünf Jahren eingeräumt werden.

Erst danach könnte die von Faltlhauser ins Gespräch gebrachte "lebendige Erinnerungsstätte an den Gründer des modernen Bayerns" verwirklicht werden. Das Konzept dafür soll ein Expertengremium erstellen.

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