Schöne Erinnerungen: Christel Laprell war als 17-Jährige bei den Olympischen Spielen in Grenoble. Foto: Plettenberg

Ein Fernseher war der tollste Preis

Tegernsee - Olympische Erinnerungen: Mit 17 Jahren erlebt Christine Laprell 1968 in Grenoble ihren sportlichen Höhepunkt - und beendet ihre Karriere.

Jetzt kaufen oder mitbieten? Für 1,60 Euro gibt es die Autogrammkarte von Viktoria Rebensburg bei einem großen Internetauktionshaus zum Sofortkauf. Bei 1 Euro geht die Versteigerung los. Was also tun? Wenn Rebensburg bei ihrem zweiten olympischen Auftritt im Riesenslalom gewohnt souverän den Hang in Whistler hinabrast, werden die Gebote sofort in die Höhe schnellen. Also besser doch gleich zuschlagen? „Viktoria Rebensburg ist ein ganz großes Talent“, sagt Christine Laprell. Und sie muss es wissen. Die 20-jährige Kreutherin und die 59-Jährige aus Tegernsee verbindet nicht nur, dass es von beiden eine Autogrammkarte gibt. Die eine ist eine der besten deutschen Skiläuferinnen, die andere war es mal.

Mit 13 Jahren war Laprell bei den Deutschen Jugendmeisterschaften ganz vorne in den Ergebnislisten zu finden. Einfach so, ohne viel Training, weil sie einfach gerne Ski gefahren ist, wie sie sagt. Mit 14 gehörte sie bereits zum Kader der Nationalmannschaft, als 16-Jährige gewann sie in Mayrhofen ihr erstes FIS-Rennen. Die Olympischen Winterspiele 1968 in Grenoble bedeuteten dann allerdings schon Höhepunkt und Abschluss ihrer Karriere. Mit 17. Nicht mangels Erfolg – ein zehnter Platz im Slalom, Rang 15. im Riesenslalom und in den Top 30 in der Abfahrt können sich durchaus sehen lassen – doch der „blonden Christel“ war die berufliche Ausbildung wichtiger. „Damals konnte noch keiner mit dem Skifahren kein Geld verdienen. Beim Nachtslalom am Sonnenbichl, wo die gesamte Weltelite am Start war, gab es immer den tollsten Preis: einen Fernseher“, erzählt Laprell.

Nach den Spielen rückteen deshalb erst das Abitur und dann das Medizinstudium in den Vordergrund. Heute hat die Ärztin eine Praxis in Tegernsee, ist zweifache Mutter und engagiert sich im Gemeinderat. Dem Sport ist sie immer noch tief verbunden. Sobald die erste weiße Pracht vom Himmel fällt, sieht man Laprell, vorzugsweise am Wallberg, wie sie noch immer gekonnt ihre Spuren im Schnee hinterlässt. Sie genießt das, so ganz ohne Druck. „In Deutschland wird viel zu früh auf Leistung getrimmt.“ Man solle das Ganze besser spielerisch angehen, damit auch bei den elf- bis 13-Jährigen die Lust erhalten bleibt. Ihr Sohn Alexander zum Beispiel, der wollte nach zwei Wochen nicht mehr, weil er keinen Sinn darin sah, um Stangen zu fahren.

Ihre aktive Zeit möchte Laprell dennoch nicht missen. Viel fürs Leben hätte sie gelernt. „Bist du gut, dann haben sich alle auf dich gestürzt, Fotografen, Journalisten, Trainer und Betreuer. Wenn nicht, dann standest du alleine im Zielraum.“ Die olympischen Spiele waren dabei nicht unbedingt das, was besonders in Erinnerung blieb. Damals war Chamrousse Austragungsort sämtlicher alpiner Skirennen, ein Wintersportort 30 Kilometer östlich von Grenoble. Nur beim Einmarsch konnten sie eine Stunde das olympische Flair genießen, ehe es mit dem Bus wieder zurück ging. „Wir waren dort, um Höchstleistungen zu bringen. Als Zuschauer war das sicherlich ein schöneres Erlebnis als für die Teilnehmer.“ Zuschauen wird Christine Laprell dieses Mal auch – vor dem Fernseher – und Viktoria Rebensburg die Daumen drücken.

Ein Original-Autogramm von Laprell gibt es übrigens für 4,75 Euro. „Dank Internet geht man in die Geschichte ein“, sagt die Ärztin. Das will auch die junge Rebensburg bei ihrem zweiten Versuch in Whistler. Und dann wird sich zeigen, wie sich die Preise für ihr Autogramm entwickeln werden. bk

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