Ära Frieda Müller zu Ende - Fielmann kommt

- Dachau - Es sieht schon traurig aus: dunkle Einbauschränke aus Holz an allen Wänden, doch sie sind alle leer. Lediglich in der Mitte des Ladens hängen auf einigen Ständern noch die letzten Kleidungsstücke, und in einem kleinen Regal sind Strumpfhosen nach Größe sortiert. "Ich finde es schon sehr schade, dass sie aufhören", sagt eine Dame, die gerade bezahlt, zu einer Verkäuferin.<BR>

<P>Im kommenden Jahr wären es 60 Jahre gewesen, dass das Bekleidungsgeschäft Frieda Müller in Dachau ist. Doch Ende Januar ist alles vorbei. Christa Haumont, die Tochter der Geschäftsgründerin, geht in den Ruhestand. Leider hat sie keinen Nachfolger für das Geschäft finden können. Nun wird der Optiker Fielmann in der Münchner Straße neben Tengelmann und Stern-Apotheke einziehen.<P>"Das ist schon sehr hart für mich", sagt Haumont. Schließlich stand sie seit ihrer Jugend fast täglich in dem Bekleidungsgeschäft. Seit 1983, nach dem Tod ihrer Mutter Frieda Müller, leitete sie das Unternehmen. Einkauf, Verkauf, die Dekoration der vielen großen Schaufenster, bei allem hat Christa Haumont mitgewirkt.<P>Familie Müller stammt ursprünglich aus Buchau im Sudetenland. Dort eröffnete Frieda Müller bereits 1935 ihr erstes Geschäft: ein Mode- und Wäschehaus. Der Laden lief gut, und so musste sie bald in größere Räume umziehen: 1938 wurde in Karlsbad das eigentliche Stammhaus eröffnet.<P>1947 kam Frieda Müller mit Familie nach Dachau. Zunächst hatte sie ihr Geschäft im Haus der Bäckerei Wörmann, heute Bäckerei Denk. Doch auch dieser Laden wurde für das Textilgeschäft bald zu klein. Deswegen baute Frieda Müller 1955 das Haus in der Münchner Straße 42 a, wo sich der Laden bis heute befindet. Im Erdgeschoss sind die Verkaufs- und Büroräume, darüber wohnt Christa Haumont.<P>Seit Mitte des vergangenen Jahres stand fest, dass Haumont das Geschäft aufgeben wird - und dass es keinen Nachfolger gibt. Seitdem konnten sich die zehn Mitarbeiter, die teilweise auch schon seit über 30 Jahren bei Frieda Müller arbeiten, darauf vorbereiten. Auch viele Kunden äußerten im Laden ihr Bedauern über die Geschäftsaufgabe. "Aber der zweite Satz war auch immer, dass sie Verständnis dafür haben", sagt Christa Haumont. Bereits vor Weihnachten begann sie mit dem Ausverkauf, inzwischen ist fast alles weg.<P>Wenn nun im März die Ladenkette Fielmann mit den Umbaumaßnahmen beginnt, wird Christa Haumont das alles verfolgen können. "Das wird nochmal eine schwere Zeit", sagt sie leise. Aber dann hat Haumont auch viel mehr Zeit für ihre Hobbys, die bislang immer zu kurz kamen: in die Oper gehen und sich um den Garten kümmern.Conny Süß<P>

Auch interessant

Kommentare