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Wie Führung Frauensache wurde

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- Der jüngste Coup der zielstrebigen Frauen gelang Maria Knauer, früher in der städtischen Sozialverwaltung hoch geschätzt und danach im Klinik-Management. seit Jahrsbeginn ist sie Vorstand der städtischen Wohnungsgesellschaft Gewofag.

Gordona Sommer wird in einem Jahr an der Seite von Knauer die Aktiengesellschaft führen. Die gelernte Architektin war vom Planungsreferat in den engsten Beraterkreis von OB Christian Ude (SPD) vorgestoßen. Erst 1991 war Sommer in den Dienst der Stadt getreten. Trotz Blitz-Karriere mit Einbruch in das nahezu reinrassige Männer-Biotop der Bau- und Immobilienwirtschaft sagt Sommer: "Es ist immer noch was dran, dass man das Gefühl hat, man muss als Frau seine Qualifikation beweisen; bei Männern setzt man sie voraus."

Da muss ein OB lange stricken

Den beiden wird ein städtisches Unternehmen mit rund 550 Mitarbeitern und über 26000 Wohnungen anvertraut. Maria Knauer kam für den bisherigen kaufmännischen Chef Gernot Riedl. Wenn Co-Vorstand Otmar Petz Ende des Jahres in den Ruhestand geht, übernimmt Gordona Sommer das Ruder.

Die Positionen sind jeweils mit Jahresgehältern von gut 161000 Euro dotiert, wofür ein Münchner Oberbürgermeister länger stricken müsste - insgesamt knapp 15 Monate.

Seit 1818, als das königliche Bayern die erste moderne Kommunalverfassung erließ, kamen und gingen 34 Bürgermeister, ehe mit Sabine Csampai 1990 die erste Frau in ein solches Amt gewählt wurde.

1992 kam Gertraud Burkert (SPD) dazu. Seit Neujahr ist Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) nachgerückt.

Vorboten der Frauen-Power machte Ude schon zu Beginn der 70er-Jahre aus. 1978 folgte der Slogan, "Frauen wählen Frauen". Doch die gehobenen Positionen blieben in männlicher Hand. Der OB lobt: Die Frauen hätten sich zumeist "hervorragend qualifiziert". Mittlerweile habe sich auch im weiblichen Lager "die Fähigkeit entwickelt, in Seilschaften zu kämpfen".

"Um an einen Punkt zu kommen, an dem man wahrgenommen wird, müssen die Frauen noch immer wesentlich besser sein." Das ist das Urteil von Christiane Thalgott (parteilos), die 1992 als erste Frau ins mächtige Referentenamt gewählt wurde. Die Selbstdarstellung von Frauen, die nach oben wollen, weiche oft von den männlichen Mustern ab. Also: "Die Frauen müssen anders auftreten" - gerade "im Männer-dominierten Bayern".

"München steht sehr gut da", sagt Personalreferent Thomas Böhle. Als Vorsitzender der kommunalen Arbeitgeber hat er Einblick bei vielen Kommunen und rühmt die Frauenquote seines Hauses umso mehr: 42 Prozent seien bundesweit Spitzenklasse. Höhere Quoten kennt Thalgott nur aus der Politik in Skandinavien, wo die Top-Frau im Beruf schon eine sehr viel längere Tradition hat.

Neben Christiane Thalgott sitzen auf der Referenten-Bank (auch Kabinett der Stadt genannt) vier weitere Frauen (in alphabetischer Folge): Gabriele Friderich (parteilos, Kommunales), Dr. Dr. Lydia Hartl (parteilos, Kultur), Rosemarie Hingerl (parteilos, Bau), Elisabeth Weiß-Söllner (SPD, Schule). Dem fünfköpfigen Kränzchen stehen sechs männliche Kollegen gegenüber. Ihre Gehälter nach Besoldungsgruppe B7: 96000 Euro brutto im Jahr inklusive Weihnachtsgeld.

Die 80 Sessel im Stadtrat sind nahezu paritätisch besetzt: 38 Ratsdamen stehen 42 Herren gegenüber, die nur deshalb die Oberhand behalten haben, weil das CSU-Patriarchat noch tapfer hochgehalten wird.

Die FDP dagegen hat es 2002 geschafft, eine komplette Fraktion ausschließlich mit Frauen zu besetzen - drei an der Zahl.

Stadtdirektoren sind die höchsten Laufbahn-Beamten im Rathaus. Sie sind oft besser mit der Materie vertraut als ihre auf sechs Jahre gewählten Chefs. Je nach Einstufung verdienen Stadtdirektoren (inkl. Weihnachtsgeld) 6750 oder 6000 Euro brutto.

Für Gertraud Lösewitz ging es 1976 los. Zunächst bei den Verkehrsbetrieben wo die Juristin die Felder Arbeitsrecht und Schwarzfahrer beharkte. Sie erinnert sich auch in der weiteren Folge an gelegentliche Versuche von Männern, vom hohen Ross herab zu schwadronieren, im Gespräch den Blickkontakt zu verweigern und dem Gegenüber immer wieder ins Wort zu fallen.

"Nicht warten, Initiative zeigen"

Lösewitz lässt Nachsicht mit diesen Armen erkennen.

Was kann man ambitionierten jungen Frauen raten? "Sie müssen initiativ und mutig sein, und dürfen nicht warten, bis sie vielleicht einmal gebeten werden."

Dr. Angelika Beyerle, ebenfalls Juristin, hatte 1983 beim Umweltschutz der Stadt begonnen. Die Kiesl-Ära neigte sich gerade ihrem Ende zu. Sie sehe es "nur bedingt" noch so, dass sich Frauen nur mit Kompetenz-Vorsprung gegenüber Männern aufwärts bewegen könnten. Inzwischen führt sie als Stellvertreterin das Personalreferat. Am oberen Ende der Beamten-Laufbahn angelangt - reizt da nicht manchmal ein Übertritt ins politische Fach? Beyerle: "Ach wo, ich habe einen Superjob und eine große Familie."

Eberhard Geiger

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