"Um a Fünferl a Ibidum"

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Der Aprilaff steht vor der Tür. Aber herein lassen wir den nicht, er soll draußen bleiben, der Lalli!<P>Was der vorhat, wissen wir ganz genau. Dieser Aprilaff ist von hinterlistigen Leuten, die wir nicht näher kennen, in den April geschickt worden. Und jetzt ist er stocksauer und will versuchen, uns ebenfalls in denselben zu schicken. Damit auch wir zu einem Aprilaffen werden!<P>Als der Maßschneider noch klein, gutgläubig und vertrauensselig war, kurz gesagt ein Patscherl, ist er schon zum ersten Mal in den April geschickt worden. Bereits schulpflichtige Hinterhof-Mafiosi haben ihm ein Fünferl in die Hand gedrückt und ihm gesagt, er dürfe sich dafür im Kramerladen ein Ibidum kaufen. Von der Tücke des 1. April noch völlig ahnungslos, ist er freudig losgetigert. Und dann diese Enttäuschung: "Um a Fünferl a Ibidum?", hat die Kramerin mitleidig lächelnd sein Verlangen wiederholt - "hamma net und kriagn ma aa net rei, du kloana Dubistdumm!"<P>Da ist es dem Hereingelegten wie Schuppen von den Augen gefallen und er hat sofort Ibidum in "bin i bläd" übersetzt. Und das Allergemeinste: Die schadenfrohe Bande hat ihn bereits vor der Tür erwartet, ist in ein höhnisches "Apruiaff, Maiaff, gstinkerter Holzaff" ausgebrochen und hat ihm sogar das Fünferl wieder abgenommen.<P>Was übrigens der nachgeschobene Mai- und der gstinkerte Holzaff hinter dem Aprilaffen zu suchen hatten, kann sich der Maßschneider bis heute nicht so recht erklären, obwohl er diese Dreierbande als Schimpfwörter-Verbund im Flegelalter auch öfter gebraucht hatte. Als geballte Ladung abgefeuert, verfehlte sie im Vorstadt-Milieu kaum jemals ihre Wirkung!<P>Selten ein Schaden ohne Nutzen: Dem Maßschneider ist es durch dieses Kindheits-Trauma gelungen, den 1. April als Warnsignal zu begreifen und (fast) allen Versuchen, ihn an diesem Tag aufs Kreuz zu legen, zu trotzen. Selbst dem Fräulein Angermeier, dieser bildhübschen Chefsekretärin, hat er widerstanden, die ihn an diesem Datum ins Lohnbüro schicken wollte, weil eine Gehaltserhöhung anstünde. Auch der freche Versuch der eigenen Familie, ihn an einem 1. April in die nahe Lotto-Annahmestelle eilen zu lassen, weil laut Telefonanruf dort eine fünfstellige Überraschung auf ihn warte, hatte er sofort durchschaut.<P>Warum der Maßschneider dieses alles kundtut? Aus reiner Nächstenliebe! Denn am Dienstag ist es wieder so weit, und die Aprilschickenwoller stehen schon hämisch grinsend in den Startlöchern! Seid also auf der Hut, ihr arglosen Gutmenschen! Weder werden im Supermarkt kostenlos von Anni Friesinger und Sven Hannawald signierte Klorollen verteilt, noch an der Säbenerstraße mit dem edlen Schweiß der Bayern-Stars behaftete Trikots zu Flohmarktpreisen verscherbelt.<P>Habt also ein misstrauisches Ohr, auch am Telefon, und ein wachsames Auge am Sehschlitz der Haustür und beim Aufmachen der Briefpost. Es sei denn, ihr wollt unter allen Umständen ein Aprilaff werden nach dem Motto "besser wia nix". Dann freilich sei schon einmal ein Doppelzentner Ibidum vor eurem trauten Heim abgeladen.<P></P>

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