"Funktionäre haben gern gegängelt"

- Die Schwimmerin Gabriele Askamp war 1976 bei Olympia in Montreal am Start und belegte über 100 Meter Brust den fünften Platz.<BR>

<P>GTEXT=Von ihrem fünften Platz im Endlauf erfuhr Gabriele Askamp erst mit Verspätung. Aufgrund ihrer Kurzsichtigkeit hatte die damals 21-Jährige "immer Schwierigkeiten, die Anzeigetafel zu sehen". Die Nachricht überbrachte ihr Teamkollege Klaus Steinbach (heute NOK-Präsident), "der kam gerade vorbei, den hab` ich gefragt".<P>Enttäuschung über die verpasste Medaille? Nicht die Spur. "Ich bin froh, dass sie mich überhaupt mitgenommen haben. Dass ich den Zwischen- und Endlauf erreiche, war gar nicht abzusehen", erzählt Askamp, die im März 1976 mit 1:13,61 Minuten über 100 Meter übrigens deutschen Rekord schwamm. Besonders gern erinnert sich die dreifache deutsche Meisterin und WM-Sechste von 1975 an das "großartige Kulturprogramm" im olympischen Dorf und einen Team-Ausflug zu den Niagara-Fällen. Darüber hinaus verfolgte Askamp die Leichtathletik- und Turnwettbewerbe auf extra für Sportler reservierten Plätzen.<P>Speziell ihre Konzertbesuche hätten die Funktionäre allerdings nicht gern gesehen. "Die haben gern gegängelt, aber ich hab` mich nicht gängeln lassen." Als die gebürtige Bremerhavenerin einmal mit einigen Wasserballern bei einem Bier zusammensaß, habe sie ein Funktionär "beiseite genommen und gefragt, ob ich das hier alles ernst nehme". Dass Askamp es durchaus ernst meinte, bewies sie eben über die 100 Meter Brust. Ihr fünfter Rang in 1:14,15 Minuten - Erste wurde Hannelore Anke aus der DDR (1:11,16) - bedeutete die beste Platzierung einer westdeutschen Schwimmerin bei diesen Spielen.<P>Nach Olympia `76 zog sich Askamp bald zurück vom Leistungssport. "Die Leistungskurve nahm ab." Auch habe sie sich um ihre Ausbildung kümmern müssen. "Ich habe nach dem Abitur ja zwei Jahre von der Sporthilfe und den Eltern gelebt", erzählt sie. Die Olympia-Urkunde und andere Auszeichnungen sind in einer Schublade oder auf dem Speicher verstaut. Was ihr der Sport und die Spiele fürs Leben mitgegeben haben, war vor allem: Optimismus und Willenskraft. Beides beweist sie heute noch. 2001 erlitt Gabriele Askamp einen Schlaganfall und sitzt seither mit einer Halbseitenlähmung im Rollstuhl. Mit der Krankheit hat sie sich - so gut es geht - arrangiert und "zu keinem Zeitpunkt den Mut verloren", wie Wilfried Askamp, ihr Ehemann, sagt. Olympia, besonders Schwimmen und Leichtathletik, verfolgt Gabriele Askamp am Fernseher. Immer noch geht die heute 49-Jährige Schwimmen. "Rücken geht", wie sie sagt, auch wenn sie da Hilfe braucht. Und mit einem Arm ist Gabriele Askamp weiterhin "schneller als viele andere", so ihr Mann.Paul Hopp<P><P>Gabriele Askamp (verheiratet, zwei Kinder) ist heute 49 Jahre alt und wohnt seit 1985 in Weilheim. Als Folge eines Schlaganfalls vor drei Jahren ist sie halbseitig gelähmt und an den Rollstuhl gebunden. Zur Tagespflege ist Askamp, die als medizinisch-technische Assistentin gearbeitet hat, in der ökumenischen Sozialstation in Peißenberg untergebracht.<P><P>

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