Es galt nur zu überleben

- Dachau - Sie verbrachte drei Monate in Auschwitz-Birkenau, verlor dort bis auf eine Schwester und eine Tante ihre gesamte Familie, wurde später in einem Viehwaggon nach Kaufering in ein Außenlager des KZ Dachau gekarrt und schließlich auf den so genannten Todesmarsch geschickt. Ihre ständigen Begleiter: Todesangst und unendliches Leid. Bei der Gedenkfeier zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus sprach sie im Thoma-Haus vor 200 Zuhörern über ihre schrecklichen Erlebnisse. Eine starke, beeindruckende, fesselnde Frau, ihr Name: Hanna Birnfeld.<BR>

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Mit fester Stimme berichtete Hanna Birnfeld über den Wahnsinn, der ihr und ihren Angehörigen in der NS-Zeit widerfahren war und den sie nur durch sehr viel Glück und Durchhaltevermögen überlebt hatte: "Ich habe einige Schutzengel gehabt." Und: "Unser Gedanke war nur: Jetzt und die nächsten fünf Minuten." Auf eine bessere Zukunft habe sie nicht gehofft, damals habe nur gegolten, zu überleben.

Eindringlich schilderte Birnfeld jene Situation in Auschwitz, als sie ihre Mutter zum letzten Mal sah. Diese habe einen SS-Mann gefragt, warum sie von ihren Kindern getrennt werde. Seine Antwort: "Morgen wirst du sie wiedersehen." Ein Wiedersehen gab es freilich nicht, die Mutter wurde in die Gaskammer geschickt.

Nach drei Monaten in Auschwitz wurden Hanna Birnfeld, ihre Schwester und ihre Tante ins Lager nach Kaufering gebracht. Weil sie mit ihren roten Haaren nicht wie eine Jüdin aussah, bekam sie die weniger beschwerliche Aufgabe der Lagerschreiberin zugewiesen: "Die dachten, es kann nicht sein, dass jemand Jüdin ist und keine schwarzen Haare hat und keine Hakennase. Das hat mir das Leben gerettet." Als die US-Truppen immer näher rückten, wurde das Lager aufgelöst, und für Birnfeld und ihre Leidensgenossen begann der Todesmarsch Richtung Süden - ohne Verpflegung, ohne ausreichende Kleidung, ohne Hoffnung, nur die Todesangst war immer dabei, denn "wer sitzen blieb, der wurde niedergeschossen."

Hanna Birnfeld, ihre Schwester und ihre Tante hielten durch, bis eines Morgens bei Wolfratshausen die Aufseher plötzlich weg waren. Wenig später trafen die ersten amerikanischen Soldaten ein: "Sie waren für uns wie Himmelsboten. Es war eine Erleichterung, aber wir haben nicht gejubelt, nicht gesungen, nicht getanzt."

Nach dem, was Hanna Birnfeld durchleben musste, ist das nur zu verständlich. Umso wichtiger ist, dass sie heute über ihre Erlebnisse spricht. Mit fester Stimme. Eine starke, beeindruckende, fesselnde Frau.

Florian Göttler

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