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Die Loisachhalle war am Sonntag bei der Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung restlos ausverkauft. Der Benefizabend war eine Kooperation des Vereins "Bürger fürs Badehaus", des Historischen Vereins Isar Loisach und des Historischen Vereins. Die Schirmherrschaft hatte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Charlotte Knobloch, Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler sowie Prälat Dr. Ludwig Wolf.

Der Stab der Erinnerung

Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung

Wolfratshausen –  Die Loisachhalle war restlos ausverkauft. Bei der Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung zeigten Schüler, wie intensiv sie sich mit der NS-Zeit befasst haben. Damit machten sie auch bei den prominenten Gästen Eindruck

Es ist erst ein paar Tage her, da hat der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald offiziell den Schlüssel entgegen genommen. Das bedeutet: Jetzt geht die Arbeit richtig los. Die Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung am Sonntag in der ausverkauften Loisachhalle hat die Vorsitzende Dr. Sybille Krafft unbedingt als Ermutigung verstanden. „Ich bin überwältigt“, sagte sie am Ende des vierstündigen Abends, den sie selbst moderiert hatte. Vor allem die Auftritte der Schüler machten Eindruck. „Das zeigt mir, dass die junge Generation bereit ist, den Stab der Erinnerung weiterzutragen.“

Zum ersten Mal wirkten Schüler mit. So stellte Michael Sebald Oskar Maria Graf vor...

Zwei Änderungen gab es im Vergleich zu den bisherigen Gedenkveranstaltungen anlässlich der Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933. Erstens: Der Veranstaltungsort hatte gewechselt, man war vom Geltinger Hinterhalt in die größere Loisachhalle umgezogen. Zur Erleichterung der Macher zeigte sich, dass das Interesse gewaltig war, die 650 Plätze in Galerie und Parkett waren ausverkauft, ja am Rande saßen noch weitere Gäste auf Bierbänken. Und: Zum ersten Mal machten die Schüler aller weiterführenden Schulen im Nordlandkreis mit. Sie legten bemerkenswert coole und originelle Auftritte hin. Und bestens vorbereitet waren sie außerdem. Sie waren die heimlichen Helden des Abends.

Da war etwa Michael Sebald von der Realschule Wolfratshausen, der in Lederhose Oskar Maria Graf vorstellte, und zwar witziger Weise in Form eines Rätsel. In schönstem Bayerisch fing er an: „Ich bin geboren am 22. Juli 1984 in Berg...“ Da wusste man im Auditorium schon, um wen es geht. Das machte aber nichts, man hörte dem Buben bei seiner selbstbewusst-launigen Ansage gerne zu. Und Claus Steigenberger sagte verblüfft: „Das hätte dem Graf sicher gut gefallen, was Du hier gemacht hast.“

Oder Sebastian d’Huc, Maximilian Schulz und Kilian Adolf vom Ickinger Rilke-Gymnasium. Um etwas über den vergessenen österreichischen Dichter Theodor Kramer zu erfahren, waren sie zwei Tage nach Wien gefahren. Das Ergebnis dieser Spurensuche: ein dreiminütiger Video-Clip, der so professionell anmutete, dass das Publikum „Ah“ und „Oh“ rief.

Oder Lisa Napiletzki und Mira Samhammer vom Geretsrieder Gymnasium. Sie hatten sich mit dem homosexuellen Textdichter Bruno Balz befasst, der von den Nazis nur deswegen verschont wurde, weil sie sich von seinen Texten wie „Davon geht die Welt nicht unter“ propagandistische Wirkung erhofft hatten. Im Wechsel sangen sie Lieder, rezitierten aus Balz’ und schilderten Balz’ Verzweiflung aus der Ich-Perspektive. Da hat sich jemand richtig Gedanken gemacht.

Die Künstler selbst hatten teils viele Autostunden in Kauf genommen hatten, um zum Besten des Badehauses einen fünfminütigen Auftritt hinzulegen – so groß ist die Strahlkraft des Projekts mittlerweile. Dem Publikum stockte der Atem, als Klaus Doldinger auf seinem Saxophon das wohl berühmteste Stück von Kurt Weill interpretierte, Mackie Messer aus der „Dreigroschenoper“. Ganz nebenbei erzählte der Altmeister, dass er zum Jazz nur gekommen ist, weil er in Schrobenhausen, wo er als Bub das Kriegsende erlebte, eine amerikanische Combo spielen hört. „Das hat mein Leben verändert.“

Nicht ganz so berühmt wie Kurt Weill ist die Dichterin Mascha Kaleko, die vor den Nazis in die USA fliehen musste. Diese traumatische Erfahrung hat sie in große Verse gebracht, etwa in dem Gedicht „Kein Kinderlied“, in dem es unter anderem heißt: „Und als der fremde Vogel schrie, bin ich davongerannt.“ Mucksmäuschenstill war es in der Loisachhalle, als Marcus H. Rosenmüller und Gerd Baumann in düsterstem Moll die Vertonung dieser Verse vortrugen.

Josef Brustmann interpretierte auf der Zither zwei Gedichte von Theodor Kramer, jenes Mannes, dem sich die Ickinger Gymnasiasten an die Fersen geheftet hatten. Das eine war ein rührendes Liebeslied mit dem Refrain „Liebe Liebste, das ist gut“. Was Brustmann zu der Bemerkung veranlasste: „Theodor Kramer hatte ein beschissenes Leben, aber er hat geliebt, das ist ein gewisser Ausgleich.“ Und ein schockierendes Gedicht über das KZ Majdanek, wo sich vollzog, was sich 1933 schon angedeutet hatte. Dort waren nur Bücher verbrannt worden. Hier waren es Menschen.

Für den Schlussakkord sorgte Hinterhalt-Wirtin Assunta Tammelleo, die im Hintergrund unermüdlich für das Gelingen des Abends gearbeitet hatte. Sie sang ein humorvolles Lied, Max Hansens: „Warn Sie schon mal in mich verliebt?“, in dem ein gewisser Adolf Hitler verulkt wird. Der freche Text stammt aus den 1920er Jahren. Doch wie vielen anderen verging auch Hansen das Lachen. Er emigierte nach Skandinavien.

Das Schlusswort war Max Mannheimer (95) vorbehalten, jenem Holocaust-Überlebenden, der wie durch ein Wunder fünf Konzentrationslager überlebt hat. Weil das Ehrenmitglied des Vereins früher nach Hause musste, sprach er nach der Pause zum Publikum. Sein Fazit: „So lange es solche Veranstaltungen gibt, ist mir um die Zukunft nicht bange.“ Volker Ufertinger

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