Gelb oder grau: "richtige" Farbe für die Theatinerkirche gesucht - Stimmen Sie ab

München - Steingrau oder ockergelb - um die "richtige" Farbe für die Münchner Theatinerkirche ist eine Debatte entbrannt. Denn Historiker haben Hinweise, dass das in freundlichem Ocker gehaltene barocke Gotteshaus ursprünglich grau war. Derzeit wird die Fassade untersucht, um weiteren Aufschluss über die frühere Farbe zu bekommen.

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Ob die erste im Stil des italienischen Spätbarock erbaute Kirche nördlich der Alpen bei der anstehenden Sanierung ihren ursprünglichen Anstrich wiederbekommen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. "Ich persönlich votiere für gelb", sagt Kultusminister Siegfried Schneider (CSU).

Die Frage wurde am vergangenen Dienstag im Kabinett besprochen, und dort herrscht die Meinung: Die Kirche, ein wichtiger Touristenmagnet, soll bleiben, wie sie ist.

Die Farbgebung des Ensembles ist im Bewusstsein der Bevölkerung tief verankert. "Selbstverständlich bleibt die Farbe der Theatinerkirche, wie sie ist", sagte auch Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) auf Anfrage. Für sein Ministerium am Odeonsplatz in Sichtweite der Theatinerkirche war ebenfalls schon einmal die Farbe Grau im Gespräch - doch der Minister lehnte den Farbwechsel strikt ab. "Das Ocker am Odeonsplatz ist ein Markenzeichen Münchens", befand Faltlhauser.

"Ich denke, dass Grau sehr vornehm aussehen würde", sagt hingegen der Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats München und Freising, Winfried Röhmel. Das Ordinariat habe bei der Fassadenfarbe nicht mitzuentscheiden, die Theatinerkirche als solche werde stets die gleiche bleiben. "Wir mischen uns nicht in den Streit ein", betont Röhmel. Aber: "Etwas Ungewohntes schadet uns allen nicht."

Allerdings erwecke das Wort Grau eine falsche Vorstellung. "Bei Grau denkt man an November, Nebel und Regenwände - es ist aber eigentlich ein sandsteinfarbener Ton. Das Wort Grau entspricht keineswegs dem Erscheinungsbild für die schöne noble Farbgebung", sagt Röhmel. Die früher ockerfarbene Dreifaltigkeitskirche in der Pacellistraße habe den Farbwechsel schon vollzogen - "und sehr zum Vorteil der Kirche. Sie ist schöner und filigraner geworden, Licht und Schatten bekommen ein ganz andere Bedeutung, die Architektur ist viel plastischer." Ähnlich sei es bei der Heilig Geist-Kirche am Viktualienmarkt, die früher in einem etwas "seltsamen Grün" gehalten war und nunmehr ebenfalls den Sandsteinton habe.

Noch ist die genaue frühere Farbgebung der im 17. Jahrhundert erbauten und im 18. Jahrhundert fertiggestellten Theatinerkirche nicht geklärt. Vor einigen Jahren wurden laut Bayerischem Landesamt für Denkmalpflege Farbmuster von acht Grautönen gefunden, nach denen Leo von Klenze die gesamte Ludwigstraße gestalten wollte. Seitdem habe sich die Straße vielfach verändert. "Ein Gebäude kann seine Farbe wechseln wie ein Chamäleon", erläutert Generalkonservator Egon Greipl. Der Gebäudeanstrich schütze das Mauerwerk vor Nässe und Frost, sei aber zugleich Ausdruck ästhetischer Vorstellungen. "Die Theatinerkirche war im 18. Jahrhundert gelb gestrichen, in der Klenze-Zeit grau und danach wieder gelb."

Für die Sanierung der Theatinerkirche haben Histoiker nun Gemälde, Zeichnungen und Schriftstücke geprüft. "Es deutet Einiges darauf hin, dass die Fassade einmal weiß oder hellgrau war", sagt Kurt Bachmann, Leiter des staatlichen Hochbauamtes München I, das zuständig für die Sanierung staatlicher Gebäude in München ist. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts habe die Fassade eine gelbe Färbung gehabt. Derzeit sei wieder eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten: Ende der 90er seien viele Gebäude an Odeonsplatz und Ludwigstraße gelb gewesen, die mittlerweile in weniger intensiven Farbtönen gestrichen seien.

Gerade wurde die Theatinerkirche eingerüstet, um die sanierungswürdige Fassade zu untersuchen und die historische Farbe herauszufinden. Bachmann: "Das machen wir aber nicht, um irgendwann zu sagen: Das ist der richtige Anstrich, der jetzt draufkommt." München hat noch genug Zeit für eine lange Debatte. Denn allein die Untersuchung wird sich bis in den Herbst hinziehen, danach muss der Landtag über die Sanierung entscheiden. Erst dann können die zuständigen Behörden die künftige Farbe festlegen. Vor 2009, so Bachmann, wird die Sanierung voraussichtlich nicht beginnen können.

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