Vor genau 60 Jahren: US-Bomber stürzt ab

- Vaterstetten - Peter Linner, 17-jähriger Jugendlicher, der kurz vor seiner Einberufung zum Reichsarbeitsdienst stand, war Augenzeuge eines für Vaterstetten glimpflich verlaufenen Kriegsereignisses. Kennzeichnend waren im Juli 1944 die Angriffe amerikanischer Flieger auf München. Während eines Fliegeralarms am Vormittag des 19. Juli suchten Frauen und Kinder Schutz in Kellerräumen und Erdbunkern. <BR>

Peter Linner beobachtete das Kampfgeschehen am wolkenfreien Himmel. Ebenso wie viele Vaterstettener war auch er der Meinung, dass dem kleinen Dorf Vaterstetten mit 300 Einwohnern keine Gefahr aus der Luft drohte. Das plötzliche Aufheulen der Sirenen, Flugzeugmotorengeräusche, Flakfeuer und Detonationen waren zu hören, Druckwellen Vier oder fünf Mann sprangen aus dem Wrack zu spüren. Die Angriffe galten dem Rangierbahnhof München-Ost. Plötzlich raste eine offensichtlich angeschossene B 52 aus Süden kommend auf Vaterstetten zu. <P>"Eine Tragfläche löste sich und fegte rotierend und mit unheimlichem Geräusch über ein Waldstück an der heutigen Zeisigstraße", erinnert sich Linner. Mächtige Bäume wurden abrasiert. Ein abgerissener Motor bohrte sich westlich von Vaterstetten in einen Acker. Die Maschine selbst schlug einen Kilometer vom Ort entfernt, nahe der Ottendichler Straße auf und brannte. Vier oder fünf Mann sprangen während des Sturzes mit ihren Fallschirmen ab. Wie aus größerer Entfernung zu beobachten war, nahm sie später die herbei geeilte Flughafenwache München Riem in Gewahrsam.<P>Zwischenzeitlich machten sich bereits Dorfbewohner auf den Weg zur Absturzstelle. Angesichts der verheerenden Verwüstungen, des unsagbaren Leides und vielfachen Todes, die diese Bomber über München brachten, wurden sogar Rachegelüste geäußert. <P>Letztendlich obsiegte jedoch die Vernunft. Der Sohn des Dorflehrers, Hannes Gruber, war Leutnant und gerade auf Heimaturlaub, er mahnte zu Disziplin. Ein Mitglied der Flugzeugbesatzung hatte sich mit seinem Fallschirm in einem Baum verfangen. Er wurde aus seiner misslichen Lage befreit und erhielt erste Hilfe von einer Krankenschwester.<P>Die Absturzstelle konnte Peter Linner und sein Begleiter Hannes Gruber zu einem späteren Zeitpunkt in Augenschein nehmen. Der Rumpf der Maschine war völlig ausgebrannt. In den Trümmern lagen vier oder fünf verkohlte Leichen, die von Soldaten und Angehörigen der Luftwaffe zusammen mit den Resten des Flugzeuges am nächsten Tag abtransportiert wurden. <P>Nach gut einer Woche wurde Landwirt Hans Greißer durch starken Verwesungsgeruch auf einen weiteren Toten aufmerksam. Dieser lag in voller Ausrüstung und mit ungeöffnetem Fallschirm im Dickicht. "Die sichtbaren Körperteile waren völlig mit Maden übersät", erinnert sich Linner. Josef Hartl, Ortsobmann von Vaterstetten, ordnete an, dass Peter Linner gemeinsam mit anderen Feuerwehrmitgliedern den Leichnam bis zu seinem Abtransport am nächsten Morgen zu bewachen hatten.<P>Über den Flugzeugabsturz wird weiter berichtet, dass auf moosigem Waldboden pfützenweise Benzin stand. Der mutige Gärtnermeister Josef Hölz nutzte die Gunst der Stunde. Ausgerüstet mit Fässern und Odelschöpfer eilte er zum Unfallort und sicherte sich wertvollen Benzinvorrat. Peter Linner fand ein Schlauchboot mit Notausrüstung, das er auf abenteuerliche Weise in Verwahrung nehmen konnte. ez<P>

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