Die Gerd-Show gastiert in München

- Als sich die Menschentraube aufmacht, vom Rathaus aus den Marienplatz zu überqueren, wird das Mädchen mit dem rosa T-Shirt ganz hektisch. Den Fotoapparat in der Hand, läuft die kleine Engländerin neben dem Tross breitschultriger Männer mit Knopf im Ohr her und ruft immerzu: "Who is it?" Dass es Bundeskanzler Gerhard Schröder ist, der da im Pulk der Leibwächter steckt, weiß sie nicht. Ähnlich ergeht es einer Frau, die wenig später freudig auf den Kanzler zuläuft und ruft: "Hermann!"<BR>

"Die Übereinstimmung ist groß wie nie"

Schröder in München, fünfeinhalb Wochen vor der Bundestagswahl - zu Besuch bei Oberbürgermeister Christian Ude. Vor drei Jahren wäre dies noch undenkbar gewesen. Ude war damals auf seinen SPD-Parteifreund sauer, weil die Berliner Gesetzgebung die Gewerbesteuer-Quelle für die Städte versiegen ließ. Nicht mal bei Schröders Münchner Wahlkampf-Kundgebung war Ude 2002 zugegen, weilte lieber auf Mykonos.

Doch heute, im Jahr 2005, ist wieder alles gut. "Das Maß der Übereinstimmung war noch nie so groß wie jetzt", verkündet Ude vor der Presse. Hartz IV? Die Gesetze seien besser als ihr Ruf, sagt der OB. Schröder nickt. Gewerbesteuer? "Voll befriedigend" sei die Antwort der Bundesregierung, betont Ude. Die Steuer werde bei einer rot-grünen Regierung weiter fließen. Schröder lächelt.

Sogar wahlkämpfen will Schröder in München, obwohl die SPD das zunächst gar nicht eingeplant hatte. "Ich habe dem Oberbürgermeister und auch dem Landesvorsitzenden der SPD versprochen, dass ich die wirklich endgültige abschließende Veranstaltung dieses Wahlkampfs natürlich in München mache", sagt Schröder - mit weiß-blau gestreifter Krawatte zudem passend gekleidet. Der 17. September wäre ihm am liebsten, scherzt Schröder. Da fange das Oktoberfest an. Auch der 11. September sei möglich. Da sei ein Termin frei geworden, flachst er. An diesem Tag sollte ursprünglich das zweite Fernsehduell mit Angela Merkel stattfinden, das die Kanzlerkandidatin der Union aber ablehnte. Voraussichtlich am 10. September wird Schröder nun auf den Marienplatz kommen.

Dass Showman Schröder es verstehen wird, sich in den kommenden Wahlkampf-Wochen ins rechte Licht zu rücken, daran lässt er bei seinem Besuch keine Zweifel aufkommen. Als einer seiner Leibwächter eine blonde Passantin mit Doris-Schröder-Köpf-Größe schon abgedrängt hat, dreht der Kanzler um und macht die Frau mit einem gemeinsamen Foto glücklich.

Auch im Seehaus im Englischen Garten beim Empfang der Münchner SPD, die per Unterstützerinitiative für Schröders Wiederwahl werben will, nimmt der Kanzler ein fotomotivträchtiges Bad in der Menge, schreibt Autogramme. Prominente Gäste wie Architekt Stephan Braunfels, Schauspielerin Veronika von Quast, Kabarettistin Lisa Fitz oder Schriftsteller Tilman Spengler sind mit dabei. Ebenso die Alt-OBs Hans Jochen Vogel und Georg Kronawitter.

Kurz darauf braust der Kanzler mit seinem Anhang Richtung BR-Studios. Spätestens am 10. September kommt er wieder. Dann wird auch OB Ude auf dem Marienplatz stehen und Wahlkampf machen. Diesmal will er wieder rechtzeitig aus dem Griechenland-Urlaub zurück sein.

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