Glück erhöht Druck auf JU-Chef

- Perlacher Affäre: Rasso Graber soll Amt vorerst ruhen lassen

VON MATTHIAS KRISTLBAUER Der politische Druck auf den Münchner JU-Chef Rasso Graber wächst. In der Affäre um gekaufte Mitglieder und gefälschte Aufnahmeanträge forderte nun auch der Chef der CSU-Landtagsfraktion, Alois Glück, Graber (29) solle sein Amt bis zum Ende der Ermittlungen ruhen lassen. Dabei gehe es um ein Signal der Bereitschaft zur rückhaltlosen Aufklärung, sagte Glück. Seine Forderung sei zwar keine vorzeitige Schuldzuweisung: Graber müsse aber "diesen Beitrag leisten, um Schaden von der CSU abzuwenden".

Glück, der auch Bezirksvorsitzender der oberbayerischen CSU ist, stärkte damit dem JU-Vorsitzenden aus seinem Bezirk, Georg Rohleder, den Rücken. Dieser hatte im Gespräch mit dieser Zeitung als erster seinen Münchner Kollegen dazu aufgefordert, sein Amt ruhen zu lassen. Die Vorwürfe seien nicht mehr nur ein Münchner Thema, stellte Glück fest. Wegen der gemeinsamen Wahlliste sei auch die CSU in Oberbayern "besonders betroffen".

Glück sagte, Hohlmeier habe bei den Ermittlungen die volle Unterstützung der Partei. Zuvor war Kritik laut geworden, die Münchner CSU-Chefin gehe nicht entschieden genug bei der Aufklärung der Affäre vor, weil sie die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten wolle.

Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Graber wegen Verdachts der Urkundenfälschung. Mit den betreffenden Aufnahmeanträgen soll versucht worden sein, parteiinterne Wahlen zu manipulieren. Außerdem sollen Neumitglieder bis zu 450 Euro dafür erhalten haben, dass sie im Sinne der Geldgeber abstimmten. Außer Graber wird auch dem Landtagsabgeordneten Joachim Haedke und Stadtrat Christian Baretti eine solche Praxis vorgeworfen. Kürzlich aufgetauchte Ausdrucke von E-Mails scheinen dies zu belegen. Allerdings ist deren Echtheit noch nicht geklärt.

Auch die Münchner CSU-Chefin Hohlmeier hatte Graber gefragt, ob er die Amtsgeschäfte vorübergehend niederlegen werde. Graber lehnte ab. "Zwingen kann ich ihn ja nicht", sagt die CSU-Chefin. Bis gestern hielt Graber an seiner Meinung fest. Er sehe nach wie vor keinen Grund, sein Amt ruhen zu lassen, betonte er gegenüber unserer Zeitung. Graber hatte am Freitag erklärt, er habe "weder eine Urkunde gefälscht, noch dabei geholfen oder dazu angestiftet". Teile der Münchner CSU werteten die Absage Grabers unterdessen als erste Niederlage Hohlmeiers im Bezirksverband. "Das zehrt an ihrem Macht- und Führungsanspruch", sagte ein CSU-Mitglied. "Jetzt steht die schwarze Domina blöd da."

Auch interessant

Kommentare