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Wo ist das Gold vom Heimgarten ?

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- Eine Legende aus dem Loisachtal

VON CHRISTIANE OLDACH Schlehdorf/Bad Heilbrunn - Keine Legende aus dem Loisachtal ist so vielschichtig wie jene vom Schatz im Heimgarten. Die ersten schriftlichen Überlieferungen von der Suche nach dem Gold finden sich um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Allerdings geht aus den Erzählungen hervor, dass die Legende schon damals über Generationen hinweg Bestand hatte.

Im Prinzip geht es immer wieder um den Reichtum des Klosters Schlehdorf. Wie ist es möglich, so fragten sich die Menschen damals, dass die Mönche soviel Geld haben und so prachtvoll bauen können ? Des Rätsels Lösung hieß für sie: Es muss eine Goldader im Heimgarten geben.

Der Legende nach befindet sich die Goldader nahe bei der Kaseralm (die damals zum Kloster gehörte), und zwar 100 Schritte abwärts in einer tiefen Grube. Dort soll Propst Leonhard (gestorben 1725) jahrelang eine Goldquelle ausgebeutet haben, um die goldene Monstranz zu bauen. Später suchten jahrelang Bauern aus der Umgebung vergeblich nach der Goldader. Nur ein altes Weiblein will einmal Goldstücke gefunden haben.

Die Geschichte von diesem Weiblein hat noch einen anderen Hintergrund: Einmal soll es einen "Ritter von Weichs" gegeben haben, der in Ohlstadt auf einer Burg lebte. Als die Hunnen einfielen, transportierte er seine ganzen Schätze auf den Heimgarten und grub sie dort ein. Das Versteck verrammelte er mit Felsbrocken und ließ dort die Ziffer "V" einhauen. Der Ritter kam niemals wieder, aber das alte Weiblein will, als sie die Goldstücke entdeckte, auf einem Felsen daneben ein "V" gsesehen haben.

Jetzt fingen die Bauern wieder an zu graben. Unter ihnen war auch ein gewisser Joseph Hägle, der ganz besonders arm war. Eines Tages traf er auf einem Friedhof ein altes, sonderbares Männlein, das ihm versprach, mit ihm zur Kaseralm zu gehen und ihm das Gold zu zeigen. Tief im Winter gingen die beiden nachts zur Hütte. Schlag zwölf erschien ein Mann in der Tür, gekleidet wie ein Jäger, und schleuderte wütend Pickel und Schaufel gegen die Wand, dass die Funken stoben. Hägle wurde Angst und Bang, doch das Männlein beruhigte ihn, zeigte ihm am nächsten Morgen die Stelle der Goldader und sagte Hägle, er könne erst im Frühjahr anfangen zu graben. Dann verschwand das Männlein.

Hägle kam im Frühjahr wieder, und zwar mit einem Bekannten, dem Velhäusl aus Heilbrunn. Zu ihnen gesellte sich noch ein Zimmermeister aus Wackersberg. Die drei gruben und gruben und erinnerten sich auch an die Geschichten vom Venediger-Männlein (siehe Kasten), doch sie fanden nichts. 50 Klafter tief soll ihr Stollen gewesen sein, und immer wieder sind ihnen der Legende nach beim Graben Visionen erschienen, die sie ermutigten, weiter zu machen: So soll vor ihren Augen immer wieder eine Kiste aufgetaucht sein, und ein Abt aus einem (nicht bekannten) bayerischen Kloster prophezeite einen Erfolg. Das einzige, was die Männer fanden, war Katzengold (Schwefelkies). Als sie dem Apotheker von Benediktbeuern ihre Ausbeute zeigten, ermunterte der sie sogar noch zum Weitermachen, denn, so sprach der Gelehrte, hinter Katzengold finde sich oftmals richtiges Gold. Doch auch er lag falsch.

Das Ende der drei Gräber ist jämmerlich: Hägle und der Velhäusl sollen verhungert sein, ihre Frauen wurden wahnsinnig. Der Zimmermeister aus Wackersberg musste schließlich betteln gehen, weil er sein Gewerbe zugrunde gehen ließ, nur um nach dem Gold zu jagen.

Die Geschichte vom Gold am Heimgarten hielt sich bis in unsere Tage hinein: 1945 kam ein Sonderkommando von Offizieren der US-Armee und suchte an der Kaseralm intensiv nach Edelsteinen. Sie glaubten, Hitler habe hier einen Teil seines Reichsschatzes versteckt.

Quelle: Aus dem Gemeindearchiv Kochel dank der Hilfe von Max Leutenbauer

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