Die große Trauer um „Stadt, Land, Mord!“

Murnau: - Murnau - „Stadt, Land, Mord!“ hat nun doch ein schneller Tod ereilt. Sat1 wird nach enttäuschenden Zuschauerzahlen keine neuen Folgen der Krimi-Serie mehr produzieren lassen. Eine schlechte Nachricht für das Film-Team – und für den Drehort Murnau.

Sat1-PR-Redakteurin Tina Ziegler bestätigte das Aus, das die Geschäftsleitung des Privatsenders nach der Ausstrahlung der achten Folge in dieser Woche gefällt hatte. Man wolle einem Format eine Chance geben, sagt Ziegler, "aber wir machen das Programm für die Zuschauer. Letztendlich haben sich nicht genügend dafür interessiert." Das Publikum sprach damit das Todesurteil, das Sat1 nun vollstreckte. 2,69 Millionen Menschen sahen am Montag die letzte Folge der zweiten Staffel, bei den drei Filmen davor hatte der Zuschauerschnitt gar nur bei 2,31 Millionen gelegen. Damit erzielte die Reihe nicht einmal einen zweistelligen Marktanteil. Noch in der vergangenen Woche wollte Sat1 die Murnauer Serie indes nicht sofort sterben lassen. Man zog Änderungen -etwa eine Straffung -in Betracht. Statt des Skalpells kam nun doch das Henker-Beil zum Einsatz. Ein Insider erklärt, dass angeblich auch die Produktionsfirma nicht mehr richtig mitgezogen haben soll. Eine Bestätigung für diese Information fehlt: Produzent Ernst von Theumer junior, durch den "Bullen von Tölz" vom Erfolg verwöhnt, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die schlechte Nachricht -den gebürtigen Landsberger Robert Lohr traf sie nicht unerwartet. "Ich habe das ein bissl gerochen", sagt Lohr, der in der Serie den schleimigen Anwalt Josef Frebert spielte. "Man spürt das auch, dass die nicht daran glauben", sagt er -und meint damit "die Senderhaltung". Lohr trauert seiner Figur, die er ausgesprochen gerne mochte, nach -wie der gesamten Reihe. "Das ist super-schade", sagt Lohr. "Wir sind alle wahnsinnig gerne in Murnau und ein gutes Team gewesen." Mit dem Aus habe man aber rechnen müssen. Diskussionen um die Quote "gab es von Anfang an", sagt Lohr.

Andreas Schwaiger traf der Krimi-Tod dennoch wie ein Blitz aus heiterem Himmel. "Für mich kommt das überraschend", sagt der Haunshofener, der die Figur des Polizeibeamten "Schorsch" ausfüllte -seine erste Fernseh-Rolle, für die Schwaiger (39) "aus dem Bekanntenkreis sehr viel positive Rückmeldung" erhielt. Sat1 habe hier neuen Gesichtern eine Chance gegeben. "Natürlich ist das jetzt enttäuschend für mich."

Auch im Drehort a. D. bricht nun die Trauerphase an. "Ich bin über das Aus sehr traurig", bekennt Uwe Prechtl, Leiter der Tourist-Info. "Dass man das so abwürgt, ist bitter." Mittlerweile seien gezielte Rückfragen von Zuschauern eingetroffen, bei denen die Serie Interesse am Ort weckte. Murnau habe von der TV-Präsenz "auf alle Fälle profitiert", meint Prechtl, und zwar "dadurch, wie man die Dialoge und Zwischeneinstellungen mit Landschaftsaufnahmen und dem Ortsbild anlegte -das war ideal."

Die Sympathie beruhte auf Gegenseitigkeit. "Wir haben uns in Murnau wohl gefühlt", sagt Patrick Wosien, der bei vier Folgen als Aufnahmeleiter wirkte. Er hatte auf eine Fortsetzung in veränderter Form gehofft -vergebens. "Da hängen ja auch viele Mitarbeiter dran", sagt Wosien.

Robert Lohr etwa. Der bleibt dem Krimi-Metier wohl treu. Allerdings wechselt Lohr, bisher auf den "Juristen und eher fiesen Typen" abonniert, die Seiten. "Wahrscheinlich", sagt er, werde er nun für einen anderen Sender "den Kommissar spielen".

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