Wo die Großmutter zaubern lernen kann

- VON KATALIN FISCHER Pullach - Wenn die Schauspielerin Marianne Sägebrecht im Kultfilm "Out of Rosenheim" lächelnd "Magic" sagt und den Fernfahrern Münzen oder Blumen aus den Ohren zieht, dann hat dabei Harold Voit Pate gestanden. Der 57-Jährige ist der Begründer von Deutschlands renommiertester Magierschmiede, der Zauberakademie (ZAD) in Pullach (Kreis München). Jetzt feiert die ZAD ihr 25-jähriges Bestehen.

"Nach einem Infotag war für mich klar, das will ich lernen", sagt Magierin Eva. Seit zehn Jahren besucht die 41 Jahre alte Maschinenbauingenieurin regelmäßig die Zauberschule. Nach zwei Jahren Studium absolvierte sie die Abschlussprüfung, die zugleich als Aufnahme in den Magischen Zirkel von Deutschland gilt. Seitdem nimmt sie an den Fortbildungen teil, denn mit ihrer Studienkollegin Birgit, im profanen Leben Krankengymnastin, tritt sie bei privaten Feten und bei Firmenfeiern auf, mit Close-up-Zauberei und Fesseltricks.

Es gibt nicht viele reguläre Zauberschulen. Bis vor wenigen Jahren war die ZAD in ganz Europa einzigartig, doch das Interesse steigt. "Der Markt wird größer", sagt Christiane Havener, studierte Betriebswirtin und Leiterin der ZAD. Vor vier Jahren kaufte die 31-Jährige die Schule ihrem Vater ab und leitet sie jetzt gemeinsam mit ihrem Mann Thorsten, einem Gedankenleser. "Wir machen auch Coachings, und mein Vater ist oft für Theater und Film tätig, wenn es um Zauberei geht."

Leute aller Altersstufen und Berufe studieren die Zauberkunst, sagt die mehrfache magische Preisträgerin: nicht nur Väter und Großmütter, die für die Familie trainieren, sondern auch Manager, die ihre Vorträge abwechslungsreicher gestalten wollen und natürlich Profis, die die Fortbildungskurse der hochkarätigen Dozenten nutzen.

Die Zauberer sind gut organisiert. Ihr Dachverband, der Magische Zirkel, wurde 1912 gegründet. Heute agieren im Land 80 Ortszirkel, deren Mitglieder vom Hobbyzauberer bis zu Weltstars wie Siegfried & Roy reichen. Bis in die 70er Jahre hinein war der Zutritt für Frauen verboten, heute ist ein großer Teil der Studenten weiblich. "Alle drei Jahre veranstalten wir deutsche Meisterschaften", sagt Harold Voit, Vorsitzender des Ortszirkels München. Die drei Gewinner dürfen dann an der Weltmeisterschaft teilnehmen.

"Man braucht schon drei bis vier Jahre, um für die WM zu trainieren", sagt Martin Kaeppel, Absolvent der ZAD und nominiert für die Weltmeisterschaft 2006 in Stockholm. "Die klassische Zauberkunst besteht aus Tricktechnik und Psychologie", verrät der 28-Jährige, denn so viel darf bei aller Geheimhaltung doch verraten werden: "Bei der Mentalmagie handelt es sich aber zu 95 Prozent um reine Psychologie und manchmal ist auch gar keine Tricktechnik dabei."

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