Der gute Geist von Schloss Elmau

- Zum 100. Geburtstag von Marianne Müller

Elmau/Grafrath - Die Kraft in den Beinen lässt nach, und auch mit dem Hören tut sich Marianne Müller schwer. Der Geist jedoch ist hellwach. Ihre kleinen, dunklen Augen funkeln, als sie beginnt, über ihren legendären Vater Dr. Johannes Müller (1864 bis 1949) zu sprechen.

Noch heute durchdringt die Geisteskraft dieses Mannes jede Faser seiner Tochter, die heute im Beisein der riesengroßen Familie auf Schloss Elmau ihren 100. Geburtstag feiert. Jenem signifikanten Gebäude, das Johannes Müller zwischen 1913 und 1916 als Begnungs- und Kulturstätte errichten ließ. "Sein Lebenswerk", meint Marianne Müller, die dort von 1922 bis 1944 als rechte Hand ihres Vaters wirkte.

Heute lebt sie im Alten- und Pflegeheim Marthashofen bei Grafrath, 100 Kilometer von Schloss Elmau entfernt. Doch obwohl sie seit einem Jahr nahe dem Ammersee lebt und nur noch ein einziges Mal seitdem ins Werdenfelser Land gekommen ist, bleibt "Manne", wie sie ihre zahllosen Nichten und Neffen nennen, im Geiste "Elmauerin". Bis zum Lebensende habe sie auf dem Schloss eine Wohnung, "und solange bin ich damit verwurzelt."

Geboren wurde Marianne Müller im unterfränkischen Mainberg, wo ihr Vater, der Theologe und Pholosoph, in dem dortigen Schloss die erste Begnungsstätte gründete. Mutter Marianne Fiedler, eine bekannte Kunstmalerin, starb eine Woche nach der Niederkunft. "Ich hatte eine schwere Kindheit", sinniert Marianne Müller, "weil mir die Mutter gefehlt hat." Sie habe als junges Mädchen viel getrauert, "aber keiner hat`s gemerkt." An der starken Persönlichkeit des Vaters zog sich die spätere Atem-Therapeutin und Indien-Reisende hoch. "Er hat mich zur Selbstlosigkeit erzogen." Und nicht nur das: Trotz mehrerer Avancen blieb die attraktive Marianne Müller unverheiratet und kinderlos. Niemand konnte dem Vergleich mit dem Vater standhalten.

Für ihn, so die Jubilarin, sei es nicht leicht gewesen, als sie ihm 1944 eröffnete, beruflich eigene Wege zu gehen, oder wie sie es sagt: "Von Mensch zu Mensch zu wirken." Johannes Müller hat die Entscheidung seiner Tochter verstanden, "obwohl es ihm schwer gefallen ist."

Heute nun nimmt "Manne" die Glückwünsche ihrer Lieben entgegen und ganz im Geiste ihres Vaters möchte sie "glückliche Menschen" sehen, die aus einer einzigen Quelle schöpfen, "der Herzensquelle".

Christof Schnürer

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