Hammermord: Lebenslange Haft für BND-Agenten

- "Ehefrau stand ihm im Weg"

VON ANGELA WALSER Pullach - Die Zuschauerreihen im Schwurgerichtssaal München I waren dicht besetzt, als Vorsitzender Jürgen Hanreich zu einer seiner beim Stammpublikum hoch geschätzten und stets feuilletonistisch gehaltenen Urteilsbegründungen ansetzte. "Du fehlst mir", zitierte der Richter aus einer Traueranzeige, die der angeklagte BND-Mitarbeiter (45) in einer Tageszeitung aufgegeben hatte, nachdem er bereits des Mordes an seiner Ehefrau überführt worden war. Verachtung klang in der Stimme des Richters mit, als er dieses bislang unbekannte Detail preisgab. Zuvor hatte er Pedro H. wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen schuldig gesprochen und ihn zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

Wie mehrfach berichtet, hatte der Geheimagent im November 2001 seine Frau (36) im Keller des gemeinsamen Hauses in Pullach (Kreis München) mit mindestens zwölf Hammerschlägen getötet. Währenddessen spielte die achtjährige Tochter mit einer Freundin im Obergeschoss.

"Seine Ehefrau stand ihm im Weg", kam der Richter rasch auf das Tatmotiv zu sprechen. Demnach hatte sich der Angeklagte für eine Zukunft mit seiner Geliebten, einer attraktiven BND-Kollegin (30), entschieden. Eine Scheidung kam aber für ihn nicht in Betracht, weil seine Frau ein halbes Jahr vor der Tat einen Ehevertrag abgeschlossen hatte. Durch dessen wirtschaftliche Regelung sah er sich außer Stande, seiner Freundin akzeptable Lebensbedingungen zu ermöglichen. "Der Ehevertrag sollte das Todesurteil für die Ehefrau sein", führte der Richter aus, "der Angeklagte wollte nicht hinnehmen, dass sie mit der Tochter im Haus blieb."

Seinem Plan zufolge sollte die 30-Jährige die Stelle der Hausmutter einnehmen. Aus diesem Grund hatte er die Tochter schon mit der Frau bekannt gemacht. Sie gab dem Kind Reitunterricht. Um sein Zukunftsprojekt zu verwirklichen, täuschte er nach der Bluttat den Raubmord eines Unbekannten vor. Doch der Plan misslang. "So raffiniert er glaubte vorzugehen, der Befragung des Leiters der Mordkommission war er nicht gewachsen", so der Richter.

Die vom Staatsanwalt geforderte Schwere der Schuld wurde nicht anerkannt, weil die Ehefrau zu Lebzeiten ihrem Mann mit einer falschen Anzeige wegen Kindesmissbrauchs gedroht und damit möglicherweise seine Hemmschwelle abgesenkt hatte.

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