1. Startseite
  2. Lokales
  3. Regionen

Handel warnt vor dubioser Werbefirma

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

- VON ANDREAS SEILER Oberammergau - Der Einzelhandelsverband warnt vor den dubiosen Geschäftspraktiken einer Werbefirma aus Speyer. Deren Mitarbeiter sind derzeit in Oberammergau auf Kundenfang unterwegs. Angeboten werden Werbeflächen auf einer Info-Tafel, die im katholischen Pfarrheim kostenlos aufgestellt werden soll. Unter dem Deckmantel dieser scheinbar sozialen Tat werde versucht, die Geschäftsleute mit völlig überhöhten Preisen und unseriösen Verträgen "abzuzocken", warnt Klaus Schwarz, Chef des Kreisverbandes des Bayerischen Einzelhandels.

Mitte Juli schlug die besagte Werbefirma, die "StarLight GmbH", dem Oberammergauer Pfarrer Peter Lederer ein auf den ersten Blick interessantes Geschäft vor: Das Unternehmen stelle auf eigene Kosten im Foyer des Pfarrheims eine Vitrine mit einer großen Info-Tafel auf, auf der dann Vereine und sonstige Gruppen ihre Veranstaltungshinweise und Mitteilungen veröffentlichen könnten, hieß es. Für den Randstreifen auf der Tafel würden Werbepartner gesucht. Der Pfarrei entstünden keinerlei Kosten, im Gegenteil: Sie erhalte sogar noch einen Pachtzins, der - abhängig von der Anzahl der gewonnenen Werbepartner - bis zu 500 Euro pro Jahr betragen könne. "Aus meiner Perspektive hat damals nichts dagegen gesprochen", erklärt Pfarrer Lederer. Also unterschrieb der Geistliche einen entsprechenden Vertrag. Heute bereut er diesen Schritt.

Die Masche der "StarLight GmbH" hat Schreibwarenhändler Klaus Schwarz genau untersucht. Sein Fazit: Die Kunden würden "über den Tisch gezogen". Die "StarLight GmbH" sei im Landesverband des Bayerischen Einzelhandels nicht unbekannt, fährt Schwarz fort. Stets würden soziale, kirchliche oder gemeinnützige Institutionen ausgewählt, die gratis eine Info-Tafel erhalten sollen.

Mit Verweis auf diese Aktion würden dann die Werbekunden geködert. Das Geschäft lohne sich: Auf der Tafel im Oberammergauer Pfarramt hätten 27 Firmenwerbungen Platz. In drei Jahren - so lange laufen die Verträge - könnte die "StarLight GmbH" bei voller Auslastung rund 24 000 Euro einnehmen, rechnet Schwarz vor. Davon müsse sie lediglich 1500 Euro Pacht an die Pfarrei und etwa den gleichen Betrag für die Tafel bezahlen. Unterm Strich bleibe ein fantastischer Gewinn übrig. Die Preise für die Werbeflächen seien die pure "Wucherei", schimpft Schwarz.

Geschäft ohne Widerrufsrecht

Unseriös sei auch der Vertrag. Dort werde - im Kleingedruckten - der Deal als so genanntes "Haustürgeschäft" eingestuft, erklärt der Geschäftsmann. Die rechtliche Konsequenz: Für keinen der Verträge gelte ein Widerrufsrecht. Dies musste auch Pfarrer Lederer, der vergangene Woche die ganze Sache rückgängig machen wollte, zur Kenntnis nehmen. Heute würde er diesen Vertrag freilich nicht mehr unterschreiben, sagt der Geistliche. Klaus Schwarz warnt seine Geschäftskollegen, sich mit der "StarLight GmbH" einzulassen. Leider seien dem Landesverband rechtlich die Hände gebunden, dagegen vorzugehen. Schließlich sei es kein Verbrechen, ein überteuertes Produkt zu verkaufen. Mindestens vier Geschäftsleute aus dem Passionsdorf dürften bereits als Werbepartner aufgesprungen sein.

Die Firma "StarLight GmbH" gab trotz mündlicher und schriftlicher Aufforderung keine Stellungnahme zu der Angelegenheit ab.

Auch interessant

Kommentare