Heimliches Mächtigen-Treffen

- VON MATTHIAS HOLZAPFEL UND BORIS FORSTNER Rottach-Egern - Für Besuche von Königinnen, Staatspräsidenten oder anderen hochrangigen Politikern oder Wirtschaftbossen sind normalerweise hohe Sicherheitsvorkehrungen notwendig. Das trifft noch mehr zu, wenn sich rund 130 solcher Persönlichkeiten für drei Tage an einem Ort treffen. Zwar wurde auch die 53. Bilderberg-Konferenz in Rottach-Egern (Kreis Miesbach) von Sicherheitskräften geschützt, doch dank der traditionell hohen Geheimniskrämerei im Vorfeld drang nichts an die Öffentlichkeit.<BR>

<P>Drei Tage dauern die Bilderberg-Konferenzen, die jedes Jahr einmal stattfinden. Es handelt sich um informelle Treffen von hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Militär, Gewerkschaften, Medien und Hochschulen. Der Name Bilderberg wurde vom ersten Tagungsort aus dem Jahr 1954, dem niederländischen Hotel Bilderberg, übernommen. Führende Köpfe von beiden Seiten des Atlantiks hatten damals befürchtet, dass Nordamerika und Westeuropa nicht so eng zusammenarbeiten, wie es die Probleme erforderten. Die Lösung war die Bilderberg-Konferenz: Auf ihr können sich führende Persönlichkeiten vertraulich austauschen, ohne Angst zu haben, dass etwas an die Öffentlichkeit getragen wird. Die Konferenz findet stets in abgelegenen Hotels statt, dieses Mal wurde die "Überfahrt" am Tegernsee ausgewählt.<P>Was vom Freitag bis Sonntag in Rottach-Egern gesprochen wurde, bleibt streng geheim. Das einzige, was veröffentlicht wurde, ist die Tatsache, dass über die europäisch-amerikanischen Beziehungen, Russland, Iran, Irak, den Mittleren Osten, Asien sowie wirtschaftliche Probleme diskutiert wurde. Außerdem wurde die Teilnehmerliste veröffentlicht, und die liest sich wie ein spannender Roman: Neben Politikern wie EU-Kommissionspräsident Jose Barroso oder dem slowakischen Finanzminister Ivan Miklos kamen Wirtschaft-Größen wie Jürgen Schrempp (Daimler) oder Jorma Olllila (Nokia), Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer traf auf den neuen Weltbank-Chef Paul Wolfowitz, den mächtigen Ex-Berater von Präsident George W. Bush, Richard Pearl, oder Eival Gilady, den Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon. Dazu kamen noch Gässte wie Königin Beatrix der Niederlande oder Königin Sofia von Spanien.<P>CDU-Chefin Angela Merkel und Innenminister Otto Schily (SPD) nahmen auf Seiten der Gastgeber teil, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Ministerpräsident Edmund Stoiber gaben nur eine Stippvisite mit Referaten.<P>

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