Heuschnupfen durch Abgase

- VON SONJA GIBIS Wenn im späten Winter die ersten Sonnenstrahlen wärmen, kitzelt es viele Münchner in der Nase. Denn schon im Februar fliegen die Pollen von Erle und Hasel durch die Luft. Zum Leidwesen der Allergiker. Mehr als 15 Prozent der Deutschen leiden unter Heuschnupfen. Und es werden immer mehr, besonders in den Städten. <BR>

Schuld daran soll unter anderem die Luftverschmutzung sein. Ein Team von Forschern der Technischen Universität München hat jetzt aufgedeckt, warum Autoabgase uns allergisch gegen Pollen machen. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Allergiker deutlich gestiegen. "Das ist unbestritten", sagt Chemiker Ulrich Pöschl. Theorien, warum dies so ist, gibt es viele. <P>Übermäßige Hygiene soll zu Allergien führen <P>Übermäßige Hygiene sei die Ursache, sagen die einen. Das Immunsystem sei unterfordert und stürze sich daher auf harmlose Eindringlinge wie Blütenpollen. Auch Nahrungszusätze sollen Allergien auslösen.<P>Bekannt ist außerdem, dass Abgase eine Rolle spielen. "Statistische Untersuchungen zum Beispiel an Autobahnen haben das gezeigt", sagt Pöschl. Warum verschmutzte Luft allergisch gegen Pollen oder Staub macht, war bisher allerdings ungeklärt. <P>In einer Arbeitsgruppe mit dem Immunologen Michael Weller kam Pöschl dem Mechanismus auf die Spur. Demnach ist eine chemische Reaktion, die so genannte Nitrierung, die Ursache. Die Eiweißmoleküle der Pollen gehen mit dem Stickstoffoxid (NO2) oder Ozon (O3) der Abgase eine Verbindung ein. Dabei nehmen sie ein NO2 Molekül auf. Sie "nitrieren".<P>"Es ist bekannt, dass nitrierte Substanzen unser Immunsystems reizen", sagt Pöschl. Im Labor würde das bereits ausgenützt. Sollen Tiere Antikörper gegen eine Substanz bilden, verabreicht man sie ihnen in nitrierter Form.<P>Eine Allergie aber ist nicht anderes als eine übersteigerte Abwehrreaktion des Körpers. Dass nitrierte Moleküle leichter eine solche übersteigerte Abwehr auslösen, hält Pöschl für "äußerst wahrscheinlich." Hat das Immunsystem aber einmal übersteigert reagiert, erinnert es sich immer wieder daran. Es ist sensibilisiert. Auch "saubere" Pollen machen dann allergisch. "Auf nitrierte Pollen reagiert es aber auch dann stärker."<P>In der Nähe dicht befahrener Straßen finden sich nitrierte Pollen in Massen. Pöschl und sein Team haben Staub aus der Stadt untersucht. 0,1 Prozent der Pollen in der Luft waren nitriert. Bei den Pollen von Birken, die an einer stark befahrenen Straße standen, war es nach ein paar Tagen jedoch zehn Prozent; bei Sommer-Smog sogar 20 Prozent.<P>Für den Umweltschutz sollte die Entdeckung der Münchner Chemiker weitreichende Konsequenzen haben. "Man muss versuchen, die Abgase drastisch zu reduzieren", sagt Pöschl. Doch nicht jeder Filter scheint vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse geeignet. So haben die neu entwickelten Rußfilter für Dieselmotoren einen Pferdefuß. Sie verringern zwar den Ruß, erhöhen aber den Ausstoß von Stickoxiden, den Auslösern für aggressivere Allergene. "Die könnten so mehr schaden als nutzen." <P></P>

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