Hüterin des Volksmusik-Schatzes

- VON ANNEMARIE DONAUBAUER Dachau - Hedi Heres macht ihrer Heimatstadt Dachau alle Ehre. Die 64-Jährige ist verwurzelt mit Tradition und Brauchtum und eine profunde Kennerin der bairischen Volksmusikszene. Bei Hoagärtn, in Rundfunk und Fernsehen ist sie gern gesehene und gehörte Moderatorin. Was ihre Beiträge auszeichnet, ist das Hintergrundwissen, das sich Hedi Heres nicht nur angelesen hat, sondern vor allem aus dem Erlebten schöpft.<BR>

<P>Hedi erlebte die ersten Jahre ihrer Kindheit in einem "Frauenhaushalt". Mit Mutter und Tante, die viel Wert auf Traditionen legten, wuchs sie heran, bis sie sich im zarten Alter von acht Jahren mit einem fremden Kriegsheimkehrer konfrontiert sah, der ihr Vater war: Heinrich Neumaier. Als dieser aus der französischen Kriegsgefangenschaft nach Dachau zurückkam, hatte er es nicht ganz leicht, das Herz seiner Tochter zu erobern. Er entdeckte jedoch bald deren Musikbegabung und verstand es, mit Liedern und Gesang Nähe herzustellen. <P>Hedi erhielt Gesangs- und Klavierunterricht und überhaupt wurde in ihrer Familie "jede Art von Musik gepflegt und ausgeübt". Das ging auch an ihrem Bruder Heinz Neumaier (Gitarrenduo Neumaier) nicht spurlos vorbei. <P>Freundschaftliche Bande gab es zu den Wiederbelebern der Volksmusik nach dem Kriege, zum Kiem Pauli, Wastl Fanderl, zu Annette Thoma, Tobi Reiser, Georg von Kaufmann, die Hedi Heres bei vielen Volksmusikveranstaltungen live erlebte, als die Tochter ihren musikbegeisterten Vater ins Oberland und in die Region zu diversen Volksmusikveranstaltungen begleitete. Im Kreis der Volksmusikanten fühlte sie sich bald "wie daheim". Sie lernte interessante Menschen und eindrucksvolle Bräuche kennen, mit denen sie sich Jahrzehnte später intensiv auseinander setzte - in ihren Sendungen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen. Bei der Recherche nach dem Ursprung von Traditionen kam ihr die hauseigene Bibliothek sehr gelegen: "Zum Glück habe ich einen büchernarrischen Mann", erzählt sie mit einem verschmitzten Lachen. <P>Es ist nicht das einzige Interesse, das die beiden in ihrer 34-jährigen Ehe teilen. Hedi Heres unterrichtete bis zu ihrem Ruhestand 2003 Chemie, Biologie und Geographie am selben Gymnasium wie ihr Gatte, Horst Heres. Beide widmen sich intensiv dem Thema Brauchtum und Heimatgeschichte - Horst Heres lange Zeit als Vorsitzender des Museumsvereins Dachau. <P>Dabei sind die beiden jedoch nicht verknöchert oder vom wirklichen Leben abgerückt. Sie sind jung geblieben in ihrem Erziehungsauftrag, den sie nicht nur an zahlreichen Dachauer Gymnasiasten praktizierten, sondern in erster Linie am Sohn Stephan - heute längst erwachsen und als Arzt in München tätig. <P>Hedi Heres hat nach dem Tod ihres Vaters Heinrich Neumaier dessen Lebenswerk fortgeführt, grad so selbstverständlich, wie das damals "die Szene" von ihr erwartete. Volkstanz, Trachten, Glauben und Aberglauben, die vielen Facetten der Festtagsbräuche, Kulturgeschichte im altbairischen Raum kennt sie von Kindesbeinen an. Ihre Kenntnisse hat sie in vehement betriebenen Nachforschungen vertieft. Über die Jahre hat sie eine ganze Schatztruhe an Wissen angehäuft. Wenn sie deren Deckel öffnet, verknüpft sie das Erlebte mit Personen und Geschichte, gibt den Begebenheiten ein Gesicht und erhält auf diese Weise das Interesse lebendig. <P>Hedi Heres moderiert auch Rundfunk-Sendungen <P>Dies gelingt ihr beim Hoagartn ebenso wie in ihren Rundfunksendungen im Bayerischen Rundfunk, die sie seit 1976 moderiert. Mit "Rosmarin und greane Blattl", einer Sendung über Volkslieder botanischen Inhalts hat für Hedi Heres 1976 eine neue Karriere begonnen. "Am Abend in der Stubn" und die Volksmusikwunschsendung in Nachfolge Wastl Fanderls sowie zahlreiche Fernsehaufzeichnungen folgten. <P>Ihre klangvolle Stimme voll Wärme und Lebendigkeit und die Kenntnisse bayerischer Lebensart und Brauchtums und ihrer Persönlichkeiten machten sie beliebt beim Publikum und den Sendeanstalten. Das breite Echo auf ihre Themen ermutigte sie, ihr Wissen in Büchern und Artikeln festzuhalten. <P>Am liebsten aber ist Hedi Heres noch immer die direkte Begegnung mit Sängern und Musikanten und dem Publikum - bei Veranstaltungen im Münchner Funkhaus, im Prinzregententheater oder im Haus von Ludwig Thoma auf der Tuft`n, sogar im Bayerischen Plenarsaal. In ihrer Heimatregion macht sie sich eher rar, aber beim 1200-jährigen Stadtjubiläum 2005 dürfen sich die Dachauer wieder auf Hedi Heres freuen. <P></P>

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