Wer wissen will, wie Schwaig explodiert: Hier die Szene, als 2019 der Aufstieg in die Bezirksliga perfekt war.
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Wer wissen will, wie Schwaig explodiert: Hier die Szene, als 2019 der Aufstieg in die Bezirksliga perfekt war.

FUSSBALL

„Ich glaube, ganz Schwaig wäre explodiert“

  • Dieter Priglmeir
    VonDieter Priglmeir
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Die erste Entscheidung ist gefallen. Der Bayerische Fußballverband bricht die Saison ab und lässt nun über den Abstieg abstimmen. Die Kellerkinder und Aufstiegsreleganten können also noch hoffen. Fünf Meister dürfen sich aber schon freuen. Glückwunsch an den FC Schwaig, den FC Langengeisling, den SV Wakpertskirchen, den SV Eintracht Berglern und an den TSV Isen.

Landkreis – „Als ich das am Donnerstagabend gelesen habe, konnte ich es noch gar nicht glauben“, sagt Schwaigs Fußballchef Wolfgang Lang. „Aber jetzt ist es wohl offiziell. Wahnsinn, wir sind definitiv in die Landesliga aufgestiegen.“

Die Tabellenersten dürfen tatsächlich nach einer fast zweijährigen Saison jubeln. Die Zweitplatzierten und alle Mannschaften im Tabellenkeller haben zumindest eine Fifty-fifty-Chance auf ein Happyend. Das sind die Ergebnisse aus der außerordentlichen Vorstandssitzung des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV).

Sei Donnerstagabend ist klar: Die Fußballsaison 2019/21 wird nicht annulliert oder verlängert. Sie wird definitiv abgebrochen. Die Tabelle wird gemäß der Quotientenregelung gewertet. Welche Folgen der Abbruch für die Vereine haben wird, sollen diese nun selbst entscheiden. Der BFV lässt zwei Optionen zu: Entweder greift die pandemiebedingt eingeführte Lösung mit Absteiger und ohne Aufstiegsspiele. Oder – und das wäre die Variante zwei – der Abstieg wird ausgesetzt, und die Teams, die auf einem Relegationsplatz stehen, dürfen aufsteigen.

Abstimmung bis zum 18. Mai

Die digitale Umfrage dazu soll vom 14. bis 18. Mai stattfinden. Jeder Mitgliedsverein, der am Erwachsenenspielbetrieb teilnimmt, besitzt laut BFV eine Stimme. „Es genügt eine einfache Mehrheit, also 50+x“, erläuterte der für den Spielbetrieb zuständige BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher am Freitag in einer Online-Konferenz. Das Abstimmungsergebnis sei für den Vorstand bindend, „ansonsten würden wir uns ja unglaubwürdig machen“.

Variante 1 oder 2 – laut Faltenbacher hätten sich zwar sehr viele Vereine beim BFV gemeldet, eine Tendenz könne er noch nicht absehen. „Das hält sich die Waage.“ Außerdem liege es in der Natur der Dinge, „dass die Unzufriedenen immer am lautesten schreien“.

Faltenbacher bestärkte alle Vereine, an der Abstimmung teilzunehmen, schließlich gehe es ja auch um ihre Zukunft. Variante 2 würde ausgedünnte Klassen im unteren Bereich und aufgeblähte Ligen im oberen Bereich bringen, die im Nachgang reduziert werden müssten. „Spätestens 2023/24 wollen wir normale Ligen.“ Konkret bedeute dies statt zwei oder drei Absteiger aus einer Klasse dann bis vier, fünf oder sechs.

Je nach Ausgang der Abstimmung gibt es zwei Wege. Stimmen die Vereine für Variante 1, würde der Vorstand am 18. Mai Abbruch und Wertung formal beschließen. Komplizierter wird es bei Variante 2 (also „nur Aufsteiger, keine Absteiger“). Dann muss ein Außerordentlicher Verbandstag einberufen werden, der wegen der dreiwöchigen Ladungsfrist erst im Juni stattfinden kann. Bei diesem Verbandstag müssten die Vereine die seit August 2020 verbindliche Regelung außer Kraft setzen.

Keine Empfehlung vom Vorstand

Die BFV-Vorstandsmitglieder machten in der Pressekonferenz deutlich, dass sie keine Empfehlung abgeben wollen. Beide Lösungen seien gleichwertig zu betrachten. Im Falle von Variante  2 würde es neue Ligamodelle geben, an denen die Fachleute im BFV bereits sitzen. Es gebe keine Denkverbote. Sowohl mit Ligenteilung als auch als Playoff- und Playdownrunde könnte gespielt werden. Kleinere Ligen seien durchaus auch Modelle für die Zukunft meinte Vizepräsident Robert Schraudner. Für die Attraktivität des Spielbetriebs sei es nicht verboten, „das Modell aus den vergangenen 60 bis 70 Jahren zu überdenken“.

Als ich der Mannschaft in der Whats-App-Gruppe gratuliert habe, kam erst mal gar keine Meldung. Das kann wohl noch immer niemand glauben.

Wolfgang Lang, Fußballcef des FC Schwaig

Den FC Schwaig gibt es sogar noch länger. In seiner 108-jährigen Geschichte hat er aber noch nie in der Landesliga gespielt. Entsprechend groß ist nun die Freude bei Wolfgang Lang, der sogleich mit seinem Vorgänger Toni Scheckenhofer („Er ist der eigentliche Macher dieses Aufstiegs“) und Spielertrainer Ben Held telefonierte. Kurios: „Als ich der Mannschaft in der Whats-App-Gruppe gratuliert habe, kam erst mal gar keine Meldung. Das kann wohl noch immer niemand glauben.“ Lang bedauert, dass der Aufstieg nicht auf dem Rasen erfolgt ist. „Wir durften ja 2019 diese Aufstiegsspiele machen. Da war die Stimmung schon geil. Jetzt, glaube ich, wäre ganz Schwaig explodiert.“

 Als Spieler fühle ich mich nicht als Aufsteiger. Gut, ich habe jetzt die Bestätigung, dass ich künftig eine Liga höher spielen darf. Aber dieses Gefühl des Erfolgs, das ist uns – und natürlich allen anderen Fußballern durch die Pandemie genommen worden.

Maxi Maier, Spieler des Kreisliga-Meisters FC Langengeisling

Kreisliga-Meister FC Langengeisling hat schon eine Idee, wie er den Aufstieg feiert. „Wir planen ein Testspiel gegen den FC Moosburg.“ Dort ist künftig Mario Sinicki Trainer, der in den vergangenen fünf Jahren den FCL gecoacht hat. „Wenn es Corona dann zulässt, werden wir nach dem Spiel mit Mario noch ein bisserl feiern“, sagt Vorsitzender Sepp Kaiser. „Wir freuen uns über den Aufstieg, aber es ist natürlich nicht so wie sonst, wenn das auf dem Platz entscheiden wird.“ Dennoch sei der Erfolg eine Bestätigung der Arbeit, die die Mannschaft und die Funktionäre leisten. Etwas nachdenklich zeigte sich Maxi Maier. „Als Spieler fühle ich mich nicht als Aufsteiger. Gut, ich habe jetzt die Bestätigung, dass ich künftig eine Liga höher spielen darf. Aber dieses Gefühl des Erfolgs, das ist uns – und natürlich allen anderen Fußballern durch die Pandemie genommen worden.“

Quotient hin oder her – wir haben nach 19 Spielen die meisten Punkte gehabt.

Sepp Heilmeier, Trainer des SV Walpertskirchen

Die Fußballer des SV Walpertskirchen hatten sich am Donnerstag zu einer Online-Sitzung getroffen und kritisiert, dass man noch immer in der Luft hänge. „Zehn Minuten später kam die Nachricht vom BFV“, erzählt Trainer Sepp Heilmeier. „Danach ist es natürlich drunter und drüber gegangen.“ So traurig alle Umstände seien: „Dass wir das nun geschafft haben, das macht uns schon stolz auf das Geleistete nach so einer Mammutsaison. Quotient hin oder her – wir haben nach 19 Spielen die meisten Punkte gehabt.“

Für ihn selbst sei es sehr emotional gewesen, gibt Heilmeier zu, „weil ich seit 20 Jahren rund um die Erste als Spieler und Trainer alles mitgemacht habe“. Trotz der Freude sei er aber im Gedanken „bei allen, die unter der Pandemie leiden“.

Es war ein Herzschlagfinale. Schade nur, dass man nicht richtig mit Fans und Mannschaft feiern konnte. Aber das wird nachgeholt.

Manfred Grosse, Fußballchef des TSV Isen

Freude herrscht auch beim TSV Isen. „Es war ein Herzschlagfinale. Wir haben sprichwörtlich in der letzten Minute, genauer gesagt in der 93., mit dem vorletzten Spiel vor dem zweiten Lockdown den Sack gegen den starken direkten Konkurrenten TSV St. Wolfgang zugemacht, 2:1 gewonnen und uns so auf Platz eins geschoben“, sagt Isens Fußballchef Manfred Grosse. „Wie sagt man so schön: Das Beste kommt zum Schluss, und so war es letztlich auch.“ Schade sei nur, dass man nicht richtig mit Fans und Mannschaft feiern konnte. „Aber das wird nachgeholt.“

Und jetzt freuen wir uns auf das Abenteuer Kreisklasse.

Nino Filippetti, Trainer des SVE Berglern

Im Berglern ist schon eine Idee gereift, wie und wann man auf den Triumph in der A-Klasse 8 anstoßen könnte. „Mit viel Abstand am Vatertag, und natürlich nur, wenn das rechtlich möglich ist“, sagt Nino Filippetti, Trainer und Vater des Berglerner Fußballwunders. Vor zwei Jahren beinahe abgestiegen, dominierte dieselbe Mannschaft nun die Klasse nach Belieben. „Deshalb können wir auch sagen, dass wir den Aufstieg auch sportlich verdient haben. Es sind zwei Drittel der Saison gespielt. Und selbst man nur die Vorrunde werten würde, wären wir oben“, sagt der Coach, der am Donnerstag bei diversen Videokonferenzen mit Spielern und Funktionären auf den Aufstieg angestoßen hat: „Und jetzt freuen wir uns auf das Abenteuer Kreisklasse.“

Zurück zum FC Schwaig, der bereits vor ein paar Tagen Zulassungsunterlagen für die Landesliga zugesandt bekam. Man müsse nachweisen, dass man die Voraussetzungen für die Landesliga erfülle. Das bisserl Schreibarbeit dürfte kein Problem werden.

  • Sollte gemäß des Paragrafen 93 gewertet werden (Variante 1), kommt es zu diesen Entscheidungen:
  • Männer:
  • Bezirksliga: Der FC Schwaig hat aus 22 Spielen 48 Punkte geholt, überflügelt damit dank des besseren Quotienten (2,18) den TSV Eching (49 Punkte/24 Spiele/Quotient 2,04) und steigt in die Landesliga auf. Der FC Finsing (11/24,05) muss dagegen zurück in die Kreisliga.
  • Kreisliga: Mit 45 Punkten aus 19 Spielen liegen der FC Langengeisling und der FC Lengdorf gleichauf. Die Geislinger steigen als Erster auf, weil sie im direkten Vergleich nach dem 1:2 im Hinspiel zuhause 2:0 gewonnen haben. Ein Tor entscheidet also über den Aufstieg. Der FC Erding muss eigentlich in die Kreisklasse, obwohl er punktgleich mit dem SC Kirchasch ist, die gleiche Tordifferenz aufweist. Allerdings hat der KSC zwei Tore mehr erzielt. Jedoch zieht sich der FCE sowieso in die A-Klasse zurück.
  • Kreisklasse: Der SV Walpertskirchen (42/19/2,21) steigt auf. Der SC Moosen (41/19/2,16) hatte lange die Tabelle angeführt, allerdings nach dem Re-Start eine kurze Schwächephase. Schade: Die zweite Partie stand noch aus. Der Abstieg des FC Türkgücü Erding (5/19/0,26) war schon früh klar. Auch der VfB Hallbergmoos 2 muss runter.
  • A-Klasse: Der SV Eintracht Berglern hat die A-Klasse 7 beherrscht (47/18/2,61) und steigt auf. Der FC Langengeisling 2 (34/17/2) ist Zweiter. Der FC Schwaig 2 (4/16/0,25) muss runter. Aus der A 8 spielt der TSV Isen (46/15/3,07) künftig in der Kreisklasse. Zweiter ist dank des direkten Vergleichs gegen über St. Wolfgang die DJK Ottenhofen. Der FSV Steinkirchen 2 (8/17/0,45) muss in die B-Klasse.
  • B-Klasse: Rot-Weiß Klettham 2 (37/15/2,47) und der FC Erding 2 (36/15/2,40) aus der B-Klasse haben die Rückkehr in die A-Klasse geschafft. Wie bereits erwähnt, startet der FCE aber ohnehin nur noch mit einer Mannschaft in der A-Klasse. In der Gruppe 6 steigen der SV Wörth 2 (32/14/2,29) und Walpertskirchen 2 auf (33/15/2,2). In die C-Klasse müssen Langenpreising 2 (4/14/0,29) und Grüntegernbach 2 (1/14/0,07).
  • C-Klasse: Nach jeweils 15 Spielen haben der TuS Oberding 2 (38 Punkte) und der FC Inning 2 (33) die meisten Zähler und steigen auf.
  • Frauen:
  • Bezirksoberliga: Der FC Forstern 2 (35 Punkte/15 Spiele/Quotient 2,33) muss als Zweiter dem TSV Murnau (36/13/2,77) den Vortritt lassen.
  • Bezirksliga: Die SG Lengdorf/Hörgersdorf (8/15/0,53) und der TSV St. Wolfgang (7/15/0,47) steigen als Vorletzter und Letzter in die Kreisliga ab.
  • Kreisliga: Der FC Schwaig (25/11/2,27) landet hinter Attenkirchen (32/13/2,46) auf Rang zwei und verpasst somit den Aufstieg.
  • Falls Bayerns Vereine mehrheitlich für Variante 2 votieren, steigen bei den Männern auch noch Eching, Lengdorf, Moosen, Langengeisling 2 und die DJK Ottenhofen auf – und es gäbe keinen Absteiger.

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