"Ich habe doch nichts gemacht"

- Mordfall Harder: Polizei ermittelt gegen einen 38-Jährigen

VON BETTINA LINK Seit eine Zeitung den Münchner Wolfgang S. mit einem falschen Zitat der Polizei als "hundertprozentigen" Mörder der Sprachenstudentin Kristin Harder beschrieben hat, fühlt sich der 38-Jährige "voll neben der Rolle". Der Artikel und dessen Folgen bringen den sonst so ruhigen Wolfgang S. mehr aus der Fassung als die seit Monaten andauernden Ermittlungen der Mordkommission gegen ihn als Beschuldigten. Zumal für eine Festnahme die Beweise fehlen und ihn ein neues DNA-Gutachten entlastet.

Ins Visier der Fahnder geriet der 38-Jährige, weil er das Mordopfer am 12. Dezember 1991 als letzter gesehen hatte: Wolfgang S. lernte Kristin in einer Kneipe kennen. Die beiden unterhielten sich, tranken, lachten, flirteten und zogen weiter. Gegen 1.30 Uhr verabschiedete sich Wolfgang S. Die Studentin entschwand mit den Worten: "Ich gehe jetzt noch ins Schumann`s." Dort kam sie nie an. Wenige Monate später belegten Leichenfunde in einem Wald und einem Isar-Wehr den Tod der jungen Frau.

Am Bein der Toten fanden die Ermittler ein Haar und baten Wolfgang S. zum DNA-Test - mit negativem Ergebnis, wie sich jetzt herausgestellt hat. "Das sollte zu meiner Entlastung beitragen", sagt der 38-Jährige. Und selbst sein Rechtsanwalt Thomas Etzel meint: "Es kann nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Sache eingestellt wird." Doch die Polizei ermittelt weiter, wenngleich Josef Wilfling, Chef der Mordkommission, den Beschuldigten für "nicht dringend tatverdächtig" hält.

Dabei sah sich Wolfgang S. schon in Untersuchungshaft, als er den Zeitungsartikel las. Nach einer falsch zitierten Aussage von Wilfling sei die Polizei hundertprozentig davon überzeugt, dass Wolfgang S. die Studentin umgebracht hat, stand in dem Blatt. "Das hab` ich nicht auf die Reihe gebracht", sagt er, "ich habe doch gar nichts gemacht." Das Missverständnis klärte sich, denn Wilfling hatte vielmehr gesagt: "Selbst wenn wir hundertprozentig sicher wären, dass er der Täter ist, würde dies nichts nützen, weil die Beweise fehlen. Es gilt die Unschuldsvermutung zugunsten des Beschuldigten."

Ein "ständiges Auf und Ab" für Wolfgang S., der nicht einmal nachvollziehen kann, warum die Polizei überhaupt auf ihn als Täter kommt. Er hat das Gefühl, einige Beamte hätten sich an ihm "festgebissen". Von Tag zu Tag wächst seine Angst, er könne womöglich auch ohne Beweise hineingezogen werden in etwas, mit dem er nichts zu tun habe.

"Aggressiv und provokant" hätten sich die Polizisten benommen, ihn schon als Zeugen zwölf Stunden verhört, später seine Wohnung und den Keller durchsucht. Gefunden hätten sie nichts. In Ruhe gelassen aber hätten sie ihn auch nicht. Und dazu sagen könnten sie nichts, aus ermittlungstaktischen Gründen. Nur durch Zufall habe Wolfgang S. erfahren, dass jetzt sogar seine Freunde vernommen würden.

Bekannte und seine Lebensgefährtin halten fest zu Wolfgang S. "Nach dem Artikel, in dem ich hundertprozentig als Täter dargestellt wurde, habe ich aber schon etliche Nachfragen bekommen - auch von meiner Freundin."

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