Islam-Unterricht vor Gericht statt in Schulen

- München - Ein einheitlicher, regulärer islamischer Religionsunterricht an bayerischen Grundschulen ist der Wunschtraum vieler Muslime im Freistaat. Erste Schritte sind getan: Eine "Islamische Religionsgemeinschaft" hat sich als Gegenstück zu Kirchen und jüdischer Gemeinde gegründet und sogar Lehrpläne ausgearbeitet. Doch trotz konstruktiver Vorgespräche hat das Kultusministerium aufgrund erheblicher Bedenken kein grünes Licht gegeben. Dagegen klagt die Gemeinschaft vor dem Verwaltungsgericht München, verhandelt wird am kommenden Montag.

<P>Noch vor zwei Jahren schien ein Konsens in greifbarer Nähe, als der Landtag die Bildung eines Runden Tisches zu dem Thema beschloss. Bislang beschränkte sich die an einzelnen Schulen praktizierte "islamische religiöse Unterweisung" ausschließlich auf staatliche Angebote mit türkischen Lehrplänen. Die im August 2001 gegründete Islamische Religionsgemeinschaft e. V. sollte dagegen künftig als übergreifende Dachorganisation für Muslime in Bayern sprechen und Glaubensinhalte wie auch Lehrpläne definieren. Auch das Kultusministerium signalisierte Wohlwollen.</P><P>Doch den Antrag der Gemeinschaft, nun auch den Unterricht einzuführen, lehnte das Ministerium ab und äußerte eine Reihe von Bedenken: So sei die neue Organisation keine echte Religionsgemeinschaft, sondern nur ein "Zweckbündnis" von Gruppierungen unterschiedlichster Ausrichtung.</P><P>Islam-Unterricht nicht erwünscht?</P><P>Außerdem hegt das Ministerium "Zweifel an der Verfassungstreue" des Vereins, seitdem ein Gründungsmitglied als Funktionär der verbotenen, extremistischen Organisation "Milli Görüs" aufflog. Aus Sicht des Vorsitzenden Tilmann Schaible aus Garching (Kreis München) ist das nur ein Vorwand, zumal der Betroffene umgehend zurücktrat. "Offenbar ist ein von uns Muslimen gestalteter Religionsunterricht gar nicht erwünscht", sagt Schaible, der selbst zum Islam konvertiert ist und in Österreich Religion unterrichtet.</P><P>"Wir haben eine große Verantwortung, wem wir den Religionsunterricht an den Schulen anvertrauen", sagt dagegen Ministeriumssprecherin Brigitte Waltenberger. "Deshalb sind wir da sehr vorsichtig." Stattdessen geht der Freistaat den Weg der kleinen Schritte: In Erlangen ist ab nächstem Schuljahr ein Modellprojekt geplant, das zumindest - als Vorstufe - eine Zusammenarbeit mit der dortigen Religionsgemeinschaft vorsieht.</P><P> </P>

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