Vor 25 Jahren: München bejubelt den Papst

- VON CLAUDIA MÖLLERS München - Heute vor 25 Jahren, am 19. November 1980, fuhr Papst Johannes Paul II. morgens um 9.03 Uhr mit einem Sonderzug aus Altötting in den Münchner Hauptbahnhof ein. Es war der erste Besuch eines Papstes in Bayern nach 198 Jahren. Empfangen wurde er unter anderem vom damaligen Münchner Kardinal Joseph Ratzinger, der sich wohl nicht hatte träumen lassen, 25 Jahre später Nachfolger des Heiligen Vaters zu sein.<BR>

Gut 20 Stunden war Johannes Paul II. zum Abschluss seines ersten Deutschlandbesuches in der bayerischen Landeshauptstadt. Über 600 000 Gläubige jubelten ihm bei einem Gottesdienst auf der Theresienwiese zu. Es war der größte Gottesdienst im Rahmen des Pastoralbesuchs, der von Köln, Bonn und Osnabrück über Mainz, Fulda und Altötting nach München führte. Zehntausende säumten die Straßen, als der noch jugendlich wirkende Pole im Auto zum erzbischöflichen Palais und später zur Residenz gefahren wurde.

Sebastian Anneser (66), heute Erzbischöflicher Finanzdirektor, war von kirchlicher Seite für die Koordinierungsaufgaben in allen Bereichen zuständig, wie auch beim Papstbesuch sieben Jahre später. Ein dreiviertel Jahr dauerten die Vorbereitungen - mit unzähligen Absprachen mit dem Vatikan, Auswärtigem Amt, Deutscher Bischofskonferenz, Ministerien, Stadt und Polizei. "Wir waren damals sehr unsicher, wie viele Menschen zum Gottesdienst kommen würden. Werden es 200 000? Es könnte auch eine Million werden. Großer Gott, wir waren fürchterlich am Schwimmen", erinnert sich Anneser.

Neben allen hochwichtigen Fragen, die geklärt werden mussten (mit welchen Gruppen trifft der Papst zusammen, wie wird der Gottesdienst gestaltet, wer darf sprechen, wo verlaufen die Fluchtwege, wie viele Sanitäter werden benötigt?), durfte sich Anneser damals auch mit kuriosen Fragen befassen. Vom Gesundheitsamt wurde ihm vorgeschrieben, pro 2000 Besucher eine Toilette auf der Theresienwiese aufzustellen. "Da hätten wir die Theresienwiese mit Toiletten zupflastern müssen!", sagt er rückblickend. Wie viele dann aufgestellt wurden, verrät er nicht: "Ich müsste befürchten, noch rückblickend belangt zu werden", schmunzelt er.

"Hochbrisant" auch die Fragen des Protokolls. "Dabei war es wichtig, die einzelnen Personen so zuzuordnen, dass keiner pikiert ist. Es darf ja nicht sein, dass ein Mitarbeiter aus der dritten Reihe plötzlich einen Platz vor seinem Chef hat." Trotzdem gab es solche "Pannen", doch Namen nennt Anneser nicht: "Da schweigt des Sängers Höflichkeit."

Wurde vor dem Papstbesuch angesichts einer kritischen Berichterstattung in den Medien noch befürchtet, der polnische Pontifex werde von unterkühlten Deutschen nur reserviert empfangen, zeigten sich die deutschen Bischöfe zum Abschluss des Papstbesuchs am Abend des 19. November erleichtert über den triumphalen Empfang und die Begeisterung der Menschen.

Eklat bei Messe war Protokollfehler

Trotzdem hatte es in München während des Gottesdienstes einen Eklat gegeben, als die damalige Diözesanvorsitzende des Bundes der deutschen katholischen Jugend, Barbara Engel, den Heiligen Vater mit kritischen Fragen der Jugend konfrontierte. Sie beklagte zu viele Verbote der Kirche auf dem Gebiet von Sexualität, wandte sich gegen den Zölibat und fragte nach glaubwürdigen Gesprächspartnern für die Jugend.

Ein Eklat, der laut Anneser eher auf protokollarische Probleme zurückzuführen ist. Die Fragen sollten zunächst zu Beginn des Gottesdienstes gestellt werden - denn der Papst, dem die Themen bekannt gewesen seien, ging in seiner Predigt darauf ein. Das Protokoll verlangte aber kurzfristig, dass die Jugendvertreter erst am Ende des Gottesdienstes zur Wort kommen sollten. "Die Jugend konnte ihren Text nicht aus dem Stehgreif umformulieren", zeigt Anneser Verständnis. Für viele Zuhörer klang es aber so, als hätten die Jugendlichen dem Papst in der Predigt nicht zugehört und wollten sich nur selber hören: "Dabei war es eigentlich ein Regiefehler."

Ein Hochgefühl verspürte Anneser aber, als der historische, rundum gelungene Besuch beendet war. Im kommenden Jahr wird Johannes Pauls Nachfolger Benedikt XVI. nach Bayern kommen - sicher auch nach München, wahrscheinlich im September. Sebastian Anneser wird diesmal nicht das Koordinierungsteam leiten. Er kann den Papstbesuch einfach nur genießen. Doch diesmal wird die Vorbereitung noch diffiziler, weiß der Prälat: "Inzwischen gibt es derartige Formen der Beeinträchtigung der Sicherheit, dass es ungleich schwieriger ist, eine solche Reise vorzubereiten."

Auch interessant

Kommentare