Jahrtausend-Chance für Wallgau?

- Wallgau – Die Wallgauer Dorfplatz-Debatte geht in die nächste Runde. Eingeläutet hat sie Dr. Ludger Goppel. Der CSU-Gemeinderat forderte am Montag gegenüber dem Tagblatt Bürgermeister Georg Jennewein (Junge Mitarbeiter) und seine Kollegen auf, das Anwesen „Kirchenböbl“ der Raiffeisenbank abzukaufen. Verhandlungen hierzu sollten umgehend aufgenommen werden.

von christof schnürer <P>Schon einmal habe die Gemeinde eine historische Chance vergeben, den Dorfplatz zu einem echten Juwel zu machen, findet Goppel. Und zwar im Jahr 1971, als der Gasthof &#8222;Isartal&#8220; abgebrannt war. Damals wollte der &#8222;Neuwirt&#8220; den Neubau ein Stück weit von der Bundesstraße zurücksetzen &#8211; und fiel bei den Volksvertretern prompt durch. &#8222;Das war die einmalige Möglichkeit, den Platz nach Süden hin zu öffnen&#8220;, bemerkt der 67-Jährige. So aber blieb das denkmalgeschützte Ensemble (Anwesen Möhrlein und Hotel Post) weiterhin hinter dem Gasthof &#8222;Isartal&#8220; versteckt. <P>Für Goppel, der als Dorfplatz-Bewohner im Gemeinderat befangen ist und kein Stimmrecht hat, bietet sich nun eine zweite Chance, &#8222;eine Jahrtausendchance&#8220;, wie er meint. Der CSU-Bürgermeisterkandidat von 2002 ist der felsenfesten Überzeugung, dass durch den Kauf des ehemaligen Bauernhauses &#8222;Kirchenböbl&#8220; die Gemeinde eine weitere Option zur Verschönerung des Dorfplatzes erhielte. Würde nämlich anschließend das Anwesen abgerissen werden, rücke die dahinter liegende Pfarrkirche St. Jakob in den Mittelpunkt. Ein Vorstoß, der bereits CSU-intern erörtert wurde, aber offenbar auf wenig Gegenliebe gestoßen war. &#8222;Der Ansatz ist nicht verkehrt&#8220;, so Ortsvorsitzender Hansjörg Zahler, &#8222;aber eine solide Berechnung gehört eben auch dazu.&#8220; Damit spielt der Zweite Bürgermeister auf die miserable Etatlage der Kommune an. Ein Argument, das Parteifreund Goppel auf die Palme bringt: &#8222;Mich kotzt langsam das Glaubensbekenntnis an, dass wir kein Geld haben.&#8220; <P>Für die Raiffeisenbank, die die immerhin die Interessen von 870 Kunden aus Wallgau, Krün und Umgebung vertritt, kommt die Goppel-Idee völlig überraschend. &#8222;Die Gemeinde ist natürlich immer unser Ansprechpartner&#8220;, versichert Geschäftsstellenleiter Peter Reindl, &#8222;aber an einen konkreten Verkauf denken wir nicht&#8220;. <P>1997 hatte die Raiffeisenbank den 1896 erbauten &#8222;Kirchenböbl-Hof&#8220; für einen Millionenbetrag (Mark) erworben. Seit 2000 versucht das Geldinstitut, das 2000-Quadratmeter-Areal, das direkt an den Dorfplatz angerenzt, mit einem Geschäftshaus zu bebauen. Die Gemeinde ebnete dafür vor über drei Jahren nach kontroversen Debatten via Bebauungsplan-Änderung den Weg dafür. &#8222;Der Quatsch hat uns 20 000 Euro gekostet&#8220;, rechnet Goppel vor. <P>Ein neues Gebäude steht beim &#8222;Kirchenböbl&#8220; bis heute nicht. Der Grund: Die Raiffeisenbank fand trotz intensiver Gespräche mit rund 20 Interessenten keinen Mieter für ihr Geschäftshaus. &#8222;Sie alle scheuten die Auflagen und Investitionen&#8220;, teilt Reindl mit. Solange aber beim &#8222;Kirchenböbl&#8220; nichts passiert, könne auch nicht eine Dorfplatz-Sanierung umgesetzt werden, so die allgemeine Sprachregelung im Gemeinderat. <P>Auch Bürgermeister Jennewein hat sich diese Floskel zu eigen gemacht. Goppels Vorschlag bezeichnet er als &#8222;Wunschgedanken&#8220;, fern jeglicher Realität. &#8222;Wir haben das finanziell doch gar nicht im Kreuz.&#8220; Außerdem gehöre der &#8222;Kirchenböbl&#8220; zum Ensemble. Zu Verkaufsverhandlungen mit der Raiffeisenbank werde er im Gemeinderat &#8211; er tritt am Donnerstag zusammen &#8211; jedenfalls keinen Anstoß geben. <P>

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