JU-Chef Graber tritt nach Affäre nicht mehr an

- Neuwahlen auf März verschoben

VON MATTHIAS KRISTLBAUER Der wegen einer Affäre um gefälschte Aufnahmeanträge unter politischen Druck geratene Münchner JU-Chef Rasso Graber räumt endgültig seinen Posten. Der 29-Jährige, dem ein Strafbefehl wegen Urkundenfälschung droht, werde bei der Wahl des Bezirksvorstands im März nicht mehr kandidieren, teilte der kommissarische Vorsitzende Alexander Dietrich mit. Man wolle nun "zu einer normalen politischen Jugendarbeit zurückkehren".

Graber hat auf Drängen von Unionsspitzen seit August sein Amt vorläufig ruhen lassen, nachdem er in der Perlacher CSU-Affäre ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten war. Der JU-Chef soll zusammen mit Stadtrat Christian Baretti und drei weiteren Helfern Aufnahmeanträge gefälscht haben, um parteiinterne Machtverhältnisse zu manipulieren.

Gegen die fünf Beschuldigten hat die Staatsanwaltschaft Strafbefehle beantragt, über die das Amtsgericht in den nächsten Tagen entscheiden wird. Unter Umständen kommt es sogar zur Verhandlung.

"Es ist nicht damit zu rechnen, dass das Strafverfahren bis Ende März abgeschlossen ist", sagte Dietrich, der am Freitag in einem Brief an die JU-Mitglieder die Entscheidung bekannt gab. Ursprünglich hätte die Bezirkswahl schon im November stattfinden sollen. Wegen der CSU-Affäre aber wurde sie verschoben. Graber habe die Ermittlungen wohl aussitzen wollen, heißt es in Unionskreisen. Doch im März endet die Frist für Neuwahlen.

Weil der Ausgang des Verfahrens offen ist, erschien der JU vermutlich auch das Risiko zu groß, Graber wieder zu wählen. Denn Bayerns JU-Chef Manfred Weber hatte bereits mit Ausschlussverfahren gedroht, sollten gegen JU-Mitglieder Strafbefehle erlassen werden.

Spätestens im Februar werde sich die JU auf einen neuen Kandidaten verständigt haben, sagte Dietrich. Als Grabers Nachfolger werden der bisherige Stellvertreter Martin Kupka und JU-Geschäftsführer Tobias Weiss gehandelt. "Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte Kupka unserer Zeitung. Konkurrent Weiss war indes für eine Stellungnahme nicht zu erreichen - wie auch Rasso Graber.

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