"Katsche" Schwarzenbeck schließt nach 28 Jahren seinen Schreibwarenladen in der Au

München - Am Samstagmittag ist es still geworden in dem kleinen Geschäft an der Ohlmüllerstraße 9. Hans-Georg "Katsche" Schwarzenbeck hat seinen Laden aufgegeben.

"Er hat sich nicht mehr rentiert", sagt er.

Aufhebens hat der 60-Jährige um die Schließung nicht gemacht - wie er auch früher nie Aufhebens um sich gemacht hat: 1974, als der beinharte Vorstopper mit den Bayern-Legenden Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Paul Breitner und Uli Hoeneß Fußball-Weltmeister wurde; 1972, als er Europameister wurde; in all den Jahren beim FC Bayern München, in denen der "Katsche" fünf Mal die Deutsche Meisterschale und drei mal den Europapokal der Landesmeister (heute Champions League) in Händen halten durfte.

Nach seiner Fußballerkarriere war Schwarzenbeck 1980 bei seinen Tanten ins Schreibwarengeschäft eingestiegen und hatte es drei Jahre später übernommen. Bis zum Schluss hieß der Laden "Schreibwaren Nitzinger", benannt nach Schwarzenbecks Tante.

Schon länger sei der Laden in der Münchner Au aber nicht mehr so gut gelaufen, berichtet Schwarzenbeck. Die Konkurrenz durch Großhandel und Internet sei zu stark geworden. Mit diesen Problemen steht er nicht allein da, wie Bernd Ohlmann vom Landesverband des Bayerischen Einzelhandels erklärt. "In ganz Bayern kommen die kleinen Geschäfte unter Druck. Das ist auch für München typisch."

Jeden Werktag von 6 bis 12 und 13 bis 18 Uhr stand Hans-Georg Schwarzenbeck in seinem Laden "und hoffte, dass was geht. Das war nicht immer lustig." Sein Glück war, dass er den FC Bayern als Großkunden hatte. "Die Lieferungen haben mich über Wasser gehalten", sagt er.

Den Club wird er auch weiterhin beliefern, "so lange Bayern das will." Das Geschäft erledigt Schwarzenbeck dann von zu Hause aus.

Seinen Laden hat Schwarzenbeck mit einem weinenden und einem lachenden Auge geschlossen: "Es war eine schöne Zeit". Eine Zeit, in der der gelernte Buchdrucker sich von seinen Tanten zeigen ließ, wie man einen Laden führt. Eine Zeit, in der der "etwas mundfaule Fußballspieler", wie er von sich selbst sagt, lernen musste, sich mit Leuten zu unterhalten. Eine Zeit, in der Kindergartenkinder und Rentner zu ihm kamen, um Hefte, Stifte und Zeitschriften zu kaufen, über Fußball zu reden und zu fragen, ob er nicht etwas gegen Knieschmerzen wüsste. Von seinen Stammkunden waren viele "sehr betroffen", als er ihnen sagte, dass er aufhören würde, erzählt er.

Trotz der schönen Erinnerungen freut sich Schwarzenbeck, jetzt endlich mehr Freizeit zu haben, auch wenn er sich "zusammenreißen und erst ein bisschen üben" muss, mit der neuen Ungebundenheit umzugehen. Er will im Garten arbeiten, basteln, mit seiner Frau ins Theater gehen.

Zuvor muss er aber noch seinen Laden fertig ausräumen. Der letzte Akt eines langen Lebensabschnittes.

Susanne Klaiber

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