Kinderfestzug, eine Dachauer Besonderheit

- Vor 50 Jahren ins Leben gerufen, überlebte er eine 19-jährige Zwangspause

VON ANNEMARIE DONAUBAUER Der erste Kinderfestzug wurde im Jahre 1953 durchgeführt. Margarete Kron, Inhaberin des Schreibwarengeschäfts Zauner und Tochter des damaligen Bürgermeisters Hans Zauner, hat mit großem Engagement und vielen Helfern und Freunden die Dachauer Traditionsveranstaltungauf den Weg gebracht.

Aus der Geschichte des Kinderfestzugs

Anfangs wurde das Spektakel, an dem sich Kinder, Künstler, Schausteller, Vereine, Musikgruppen etc. beteiligten, alle Jahre durchgeführt. Der erste Kinderfestzug fand übrigens an einem Mittwochnachmittag statt. Vor dem Rathaus war eine Tribüne aufgebaut, von wo aus eine Jury die schönsten (Märchen-)Bilder beurteilte. Schon bald pendelte sich wegen des enormen Arbeitsaufwandes ein Zwei-Jahres-Rhythmus ein.

1970 wurde jäh ein Schlusspunkt unter das liebgewonnene und von der ganzen Region beobachtete Ereignis gesetzt. Heftige Regengüsse hatten den Großteil der farbenprächtigen Kostüme irreparabel zerstört. Für einen Neuanfang fehlte das Geld und wohl auch die Kraft. Viele der altgedienten Helfer standen nicht mehr zur Verfügung. Und in den großen Ferien blieben nicht mehr gar so viele Kinder daheim: Durch den wirtschaftlichen Aufschwung konnten sich immer mehr Familien eine Urlaubsreise leisten.

Geglückter Neustart im Jahr 1989

Die treibende Kraft beim Kinderfestzug, der Motor des Ganzen, die Kron-Maus war am 3. Juni 1987 verstorben. Dennoch ist "ihr Lieblingskind", der Kinderfestzug heute lebendiger denn je. Nicht zuletzt wohl auch um das Andenken der großartigen Kulturförderin hochzuhalten, legte sich Heidi Fitzthum ins Zeug. Sie, die mit Margarete Kron Hand in Hand gearbeitet hatte, gründete mit Gleichgesinnten den Kinderfestzug Dachau e.V. und startete 1989 neu durch. Im Schlepptau des traditionellen Wiesn-Einzugs marschierten 190 Kinder mit, zwei Jahre später waren es schon 250 - der beste Beweis dafür, dass die alte charmante Idee jung geblieben war! Der Neuanfang nach 19 Jahren war zunächst kein leichtes Unterfangen, aber man hielt durch und konnte schon 1995 mit 400 Kindern wieder mit einem separaten Umzug am ersten Wiesnsonntag auf den Plan treten, nunmehr im bewährten Zwei-Jahres-Turnus.

Jubiläumszug am kommenden Sonntag

In diesem Jahr startet der Jubiläumszug mit rund 600 Teilnehmern, es ist der 10. Festzug seit Neubeginn. 54 Gruppen, die verschiedene Märchen und Bilder darstellen - zu Fuß oder auf imposanten Wagen - farbenprächtig kostümiert und mit Blumenschmuck ausgestattet, werden von elf Musikkapellen begleitet. Welches Mädchen möchte nicht einmal Prinzession sein oder in ein Biedermeierkleid schlüpfen, welcher Bub schwingt nicht gern mit Ali Baba den Säbel oder als kampferprobter Ritter das Schwert? Jeder Kinderfestzug ist ein Unikat und keinesfalls ein Abklatsch des vorherigen. Heidi Fitzthum entwickelt immer wieder neue Ideen, die altbekannten Märchen interessant und gefällig darzustellen. Und Neuheiten sind keine Ausnahme. In diesem Jahr zum Beispiel sind erstmals "Wicki und seine starken Männer" mit von der Partie. Und "1001 Nacht" und die Blümchen von der "Blumenwiese" rücken in neuen Kostümen aus. Und noch eine Besonderheit: "Rapunzel" wird von Kristina, einer kleinen Schwedin aus Lund dargestellt, die mit ihrer Familie bei Oma Marianne Witzgall zu Besuch weilt. Ihr Bruder Karl versucht sich als Wikinger.

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