Kommissar am einstigen Tatort

- Wachtveitl besucht seine frühere Schule, das Michaeli-Gymnasium

"Vor 25 Jahren habe ich fast an der gleichen Stelle mein Abiturzeugnis bekommen", sagt Udo Wachtveitl und grinst spitzbübisch. Er steht in der Turnhalle des Michaeli-Gymnasiums auf einer kleinen Bühne und sieht im Publikum ehemalige Lehrer und Mitschüler. Nach dem Abschlusszeugnis machte der Abiturient Karriere. Als Schauspieler. Er wurde Fernseh-Kommissar im Münchner "Tatort". Nun steht er wieder hier, allerdings nicht als Schüler: In der Turnhalle liest Wachtveitl zugunsten der Schule aus den Romanen Robert Hültners über das "Mörderische München" der 20er Jahre.

"Es ist schön, wieder hier in meiner alten Schule zu sein", sagt der Schauspieler. Und mit einem Augenzwinkern bemerkt er: "Natürlich gibt es stimmungsvollere Orte." Zwischen Basketballkörben und Sprossenwänden lässt Wachtveitl die Revolution von 1918/19 und die Münchner Räterepublik wieder aufleben. Das Repertoire der Todesfälle reicht vom Attentat auf den ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner bis hin zum ungeklärten Drogentod einer jungen Bardame am Sendlinger Tor.

Während Wachtveitl in das München alter Zeiten eintaucht, holt ihn auch seine eigene Vergangenheit wieder ein. Stolz erinnert sich der 44-Jährige an seine wilden Auftritte als Gitarrist bei den Schulpartys und die heißen Sommer im Michaelibad. "Es war eine unbeschwerte Vorstadtjugend", sagt er zufrieden. Mit seinem Mofa fuhr Wachtveitl schließlich raus aus dem Stadtteil Berg am Laim und tauchte ein ins Münchner Großstadtleben.

"Udo war damals als Model in der Bravo", erinnert sich Joachim Klein, ehemaliger Klassenkamerad und heute Sprecher des Fördervereins des Michaeli-Gymnasiums. "Wir waren nicht die engsten Freunde, aber ich weiß, dass er schon damals kleine Rollen gespielt hat und Synchronsprecher war", sagt er. Auch Elmar Meder, ehemaliger Direktor des Michaeli-Gymnasiums, ist gekommen, um seinen früheren Schüler zu sehen. Besonders Wachtveitls Auftritt als Nikolaus hat Meder besser als jede gute Note in Erinnerung: "Am 5. Dezember wummerte Udo verkleidet gemeinsam mit einem Knecht Ruprecht an meine Bürotür und hat mir die Leviten gelesen."cgo

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