Kreuze auf NS-Friedhof bleiben

- Namensschilder von Kriegsverbrechern werden aber entfernt

Landsberg (dw/lby) - Die Kreuze auf dem Spöttinger NS-Kriegsverbrecher-Friedhof in Landsberg bleiben vorerst erhalten. Allerdings würden die Namenstafeln auf den Kreuzen umgehend entfernt "und damit das öffentliche individuelle Totengedenken aufgegeben", erklärte Justizminister Manfred Weiß (CSU) nach einer Expertenrunde in seinem Ministerium. An der Besprechung nahmen neben Weiß auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, die örtlichen Stadtpfarrer sowie einzelne Politiker wie etwa CSU-Generalsekretär Thomas Goppel (Landsberg liegt in seinem Wahlkreis) teil.

Mit der Entfernung der Namensschilder sollen offenbar Kranzniederlegungen von Alt- und Neonazis verhindert werden. Die Aufmärsche gibt es immer wieder. Erst an Allerseelen "sind 30 Glatzen aufmarschiert und haben Kränze niedergelegt", berichtet Anton Posset, der Vorsitzende der Geschichtsinitiative "Landsberg im 20. Jahrhundert". Auf dem Friedhof sind einige der brutalsten NS-Täter begraben. Unter anderm liegt hier Martin Gottfried Weiss, Kommandant des Vernichtungslagers Majdanek und des KZ Dachau. Auch Oswald Pohl, der Leiter des SS-Wirtschaftshauptamtes, ist auf dem Friedhof beigesetzt.

Auch eine Geschichte des Spöttinger Friedhofs existiert bislang nicht. Sie soll jetzt das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) erstellen, beschloss die Expertenrunde, nachdem sich auf Antrag der Grünen der Landtag dafür ausgesprochen hatte. Das IfZ wird klären müssen, ob es stimmt, dass auf dem Friedhof auch NS-Opfer beerdigt sind.

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