Künstler schneidet SS-Gedenkschleife ab

- Wegen Sachbeschädigung ist der Münchner Künstler Wolfram Kastner am Montag gerichtlich verwarnt worden. Er hatte in Salzburg eine Gedenkschleife an einem Grab-Kranz abgeschnitten. Sie sollte an gefallene Mitglieder der Waffen-SS erinnern.<BR>

Der Hintergrund: Ende der 80er-Jahre bezog Wolfram Kastner ein Gast-Atelier in Salzburg. Dort wurde er auf eine jährliche Gedenkveranstaltung aufmerksam, die die Waffen-SS-Kameradschaft gemeinsam mit der FPÖ, Burschenschaftlern und dem Bischof feierte. Dazu spielte Blasmusik für "unsere gefallenen Kameraden der Waffen-SS". Kastner sah in der Veranstaltung die Verharmlosung von Nazi-Gräueln. 1994 schnitt er als Zeichen seines Protestes erstmals die Schleife des Grab-Kranzes ab. <P>1999 wiederholte er die Aktion und schickte die Schleife an den damaligen österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil. Der antwortete, seine Behörden würden alles tun, um eine Wiederbelebung von Nazi-Terror zu verhindern. <P>Eine Aussage, mit der sich Kastner nicht zufrieden gab. Auch 2003 schnitt er die Gedenkschleife ab - und bekam dafür eine Anzeige, die die Salzburger Behörden an ihre Münchner Kollegen weitergaben. Kastner erhielt einen Strafbefehl über 750 Euro wegen Sachbeschädigung. <P>Kastners Anwalt Jürgen Arnold plädierte vor dem Münchner Amtsgericht auf Freispruch. Er bezeichnet das Handeln seines Mandanten als "private Kunstaktion gegen den braunen Spuk", die unter den Schutz der Freiheit der Kunst falle. <P>Der Staatsanwalt sah die Dinge anders. Er wiederholte den Vorwurf der Sachbeschädigung und forderte eine Geldstrafe von 600 Euro. <P>Die Richterin sprach Wolfram Kastner schuldig, beließ es aber in Anerkennung seines "antifaschistischen Engagements" bei einer Verwarnung. Sollte der Künstler sich allerdings in den nächsten zwei Jahren etwas zu Schulden kommen lassen, muss er 100 Euro zahlen. <P>Kastner kündigte indessen an, in die Berufung zu gehen. Unterstützung bekommt er von Bertolt Brechts Tochter Hanne Hiob, die als Zuschauerin im Gerichtssaal saß. Christiane Pütter <P><P></P>

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