Kulturschock Karl Valentin

unterhält sich mit den Menschen in der Stadt und

Ilse Petri ist vermutlich die letzte noch lebende Darstellerin, die mit Valentin gedreht hat. Und auf dem Balkon ihrer Wohnung in Bogenhausen erzählt sie mir davon. „Er war so skurril! Ich hatte ein bisschen Angst vor ihm.“ Sie war damals 18, am Anfang ihrer Karriere und lebte in Berlin. Für den Film „Donner, Blitz und Sonnenschein“ mit Valentin und Liesl Karlstadt wurde sie 1936 nach Bayern eingeflogen. Ein Kulturschock: „Ich konnte nicht mal bairisch! Ich habe Valentins Humor nicht begriffen.“ Die Christl von der Post, Tochter des Schneiders Huckebein, spielte sie. Sie lacht. „Ich musste ein Dirndl tragen und grüß Gott sagen.“

Doch sie sollte noch die Chance kriegen, die Münchner Lebensart lieben zu lernen. Nur wenige Jahre später machte die Weltgeschichte Valentins Heimat zu ihrer.

Dabei ging Petris Stern gerade in Berlin auf. Als junge Frau drehte sie Filme mit Stars wie Alfred Abel und Max Gülstorff. Doch 1939 geriet ihre Karriere abrupt ins Stocken. Der Grund: Hitler hatte sie zu einem Empfang geladen – und Petri gab ihm einen Korb. „Ich war schwanger, wollte meinen Bauch nicht zeigen. Ich hab’ abgesagt.“ Ein Jahr lang gab es danach keine Rollen mehr für sie. Doch es kam noch schlimmer. Es kam der Krieg.

1945: Vor der Roten Armee muss Petri Hals über Kopf aus ihrer Wohnung aufs Land fliehen. 1948 wird sie mit der Luftbrücke in den Westen geflogen. Sie landet in München. „In einer winzigen Wohnung ohne fließend Wasser. Plötzlich hatte ich nichts mehr.“

Aber Petri kann kämpfen. „Mit Kabarett habe ich in München angefangen.“ Um Geld zu verdienen, synchronisiert sie US-Filme. Und schon 1951 gelingt ihr der zweite Durchbruch: In der Komödie „Fanfaren der Liebe“. „Die ist eingeschlagen!“ So sehr, dass Hollywood aufhorcht und Billy Wilder den Film nachdreht. Er nennt seine Version: „Manche mögen’s heiß.“

Der Rest ist Erfolgsgeschichte: Petri spielt noch 20 Jahre. Bis ihr Mann, der Fotograf Joe Niczky, lungenkrank wird. Sie pflegt ihn 14 Jahre lang, bis zu seinem Tod. „Danach habe ich nie mehr richtig angefangen.“ Aber dafür fühlt sie sich in München heute pudelwohl. „Das ist meine Heimat.“ Die 90-Jährige schmeißt ihren Haushalt noch selbst und fährt mit dem Auto einkaufen. „Ich bin stolz, dass ich die grüne Plakette bekommen habe!“ Und Schneider Huckebein? Mit dem hat sie längst ihren Frieden gemacht. „Heute kann ich mich über Karl Valentin kringelig lachen.“

Ilse Petri und Karl Valentin

kann man am 17. November, 14 Uhr auf der Leinwand sehen. Karlstadt-Nachlassverwalter Walter Fiedler zeigt den Film „Donner, Blitz und Sonnenschein“ im Alten- und Service-Zentrum Schwabing, Hiltenspergerstraße 74. Der Eintritt ist frei.

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