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Fußball-Training auf Kunstrasen: Tausende Vereine in Deutschland fürchten um ihre Spielstätten. 

EU prüft Verbot - Institut rudert mit Studie zurück

Kunstrasen-Zoff: Studie zu Mikroplastik-Emissionen in der Kritik

Um Mikroplastik einzudämmen, erwägt die EU ein Verbot für Gummi-Granulat auf Kunstrasen-Plätzen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts befeuerte die Diskussion zusätzlich und sorgt für Verunsicherung bei Vereinen. Jetzt aber rudert das Institut zurück. Der Grund: Die angegebenen Zahlen entsprechen nicht der Realität.

München – Werden Kunstrasen-Plätze bald verboten? Bei tausenden Vereinen in Deutschland ist die Sorge um die Zukunft groß. Ein Kunstrasen-Platz kostet mehr als 500 000 Euro, eine solche Investition einfach zu ersetzen, das können sich weder Vereine noch Kommunen so einfach leisten. Wo aber sollen die Spieler künftig dann spielen und wo trainieren?

Die Sorge der Vereine ist berechtigt. Im Kampf gegen Mikroplastik hat die Europäische Chemikalienagentur (Echa) auch die Kunstrasen-Plätze im Visier. Dabei geht es jedoch nicht um den Kunstrasen, sondern ausschließlich um das Granulat, mit dem der Rasen aufgefüllt wird. Im Raum steht derzeit ein EU-Verbot für dieses Granulat ab dem Jahr 2022.

Fußballvereine ziehen Kunstrasen echtem Rasen vor

Der auch für den Sport zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) warb für den Fall des Verbots für eine Übergangsfrist von sechs Jahren für bestehende Kunstrasenplätze. „Viele tausend Sportanlagen in deutschen Vereinen wären sonst von der Schließung bedroht“, sagte er der „Welt am Sonntag“.

Rund 6000 Kunstrasenplätze gibt es in Deutschland. Dem Bayerischen Fußball-Verband sind 349 Plätze im Freistaat gemeldet. Seit 2014 sind in Bayern 35 dazugekommen. Der Trend geht – trotz der Kosten – zum Kunstrasen. Die Vereine schätzen die Vorteile, die dieser Rasen bietet. Er ist strapazierfähiger als Naturrasen, der Spielbetrieb ist praktisch das gesamte Jahr über möglich.

Kunstrasen-Hersteller bezweifelt Ergebnisse von Studie

Ob ein Verbot tatsächlich kommt, ist unklar. Zurzeit stützt sich die Echa in dieser Frage vor allem auf eine Studie des Fraunhofer-Instituts „Umsicht“ in Oberhausen. Die Studie benennt das Plastikgranulat, respektive „Verwehungen von Sport- und Spielplätzen“, als eine der größten Quellen für Mikroplastik in Deutschland. Jährlich zwischen 8000 und 11 000 Tonnen Granulat sollen von den Spielstätten in die Umwelt gelangen.

„Diese Zahlen haben mit der Realität nichts zu tun“, sagt hingegen Tobias Müller, Leiter für Marketing und Kommunikation der Polytan GmbH in Burgheim bei Ingolstadt. Das Unternehmen ist Marktführer in Deutschland für Kunstrasen-Plätze und Spielbeläge. „Es wird Zeit, die Debatte wieder zu den Fakten zu führen“, sagt er.

Und zu diesen Fakten gehöre, dass man nicht wie das Fraunhofer-Institut europäische Durchschnittswerte auf Deutschland übertragen könne. „In Deutschland gilt ein anderer Standard“, sagt Müller und nennt ein Beispiel. Das Fraunhofer-Institut gehe in seiner Berechnung davon aus, dass zwölf Kilogramm Granulat pro Quadratmeter ausgebracht würden. Tatsächlich aber kämen sogar ältere Plätze mit nur fünf Kilogramm pro Quadratmeter aus. Moderne Rasen benötigten sogar nur 1,7 Kilogramm.

„Nicht richtig ist außerdem, dass der Großteil des Granulats in die Umwelt gespült wird“, sagt Müller. Das Gegenteil sei der Fall. „Durch Abwasserfilter, Abstreifmatten und Einfriedungen wird ein Großteil des Granulats aufgefangen und gelangt eben nicht in die Umwelt.“ Unterstützung erhält Müller vom Obmann des zuständigen DIN-Normenausschusses, Heinz Schomakers. „Die Datenbasis ist einfach falsch“, sagt er der „FAZ“.

Renommiertes Forschungsinstitut räumt Fehler bei Kunstrasen-Studie ein

Das Fraunhofer-Institut räumt mittlerweile ein, dass sich die Studie nicht auf konkrete Daten, sondern auf Schätzungen bezieht. Man habe ein „Worst-Case-Szenario“ abgebildet, um für das Thema zu sensibilisieren. Ziel jetzt müsse es aber sein, zu realistischen Szenarien zu kommen. Wie viel Granulat gelangt vom Kunstrasen tatsächlich in die Umwelt? Das Institut will mit einer neuen Studie die Mikroplastik-Emissionen von Kunstrasen-Plätzen „konkreter quantifizieren“ und so zur „Versachlichung der Thematik“ beitragen.

Auch in der Politik ist man bemüht, die Wogen zu glätten. „Ob die EU-Kommission ein Verbot vorschlagen wird, steht noch längst nicht fest“, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums. Die Echa sei erst in einer frühen Phase der Meinungsbildung.

BEATRICE OSSBERGER

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Deutschland ist einer der größten Mitverursacher für immer mehr Plastikmüll in den Weltmeeren und daher in der Verantwortung. Dagegen haben zwei Frauen aus dem Allgäu ihren eigenen Weg gefunden, um Plastikmüll zu vermeiden. Sie stellen umweltfreundliche Verpackungen aus Bienenwachs her - und die sind sehr gefragt.

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