Landesamt soll Gestank messen

- VON MICHAEL GRETSCHMANN Schongau - Nach wie vor verhärtet sind die Fronten im Streit um die Geruchsbelästigung durch das Biomasse-Heizkraftwerk im Westen Schongaus. "Wir werden permanent mit Gestank überzogen. Das schränkt unsere Lebensqualität ein", schimpfen Forchet-Bewohner wie Willi Kirchdorfer. Kraftwerks-Geschäftsführer Siegfried Schuster will sich solche pauschalen Anschuldigungen jedoch nicht in die Schuhe schieben lassen. Beim gestrigen Gespräch mit Bürgermeister und Betroffenen kündigte er an, das Landesamt für Umweltschutz einzuschalten und Messungen zu veranlassen.<BR>

Fast zwei Stunden lang saßen sich gestern Schuster und eineinhalb Dutzend Bewohner aus dem Westen Schongaus bei einem "Meinungsaustausch" gegenüber. "Welche Sorge treibt Sie mit so vielen Bürgern zu uns?", wollte Schuster eingangs von Bürgermeister Dr. Friedrich Zeller wissen.

Der Rathaus-Chef kam direkt zur Sache: der Gestank im Westen Schongaus habe in den vergangenen Monaten stark zugenommen, und in der Bevölkerung sei Befürchtung vorhanden, dass durch die Verkoksung des gelagerten Materials zudem auch Gifte freigesetzt würden, die womöglich nicht riechbar seien. Und überhaupt sei - so Zeller - der Standort für das Biomase-Heizkraftwerk falsch gewählt, und es erfolge zudem keine Wärmeauskoppelung.

Auch dem Schongauer Stadtförster Klaus Thien ist der Gestank nicht ganz geheuer. "Es ist ein Geruch, der mit verbranntem Holz nichts zu tun hat", erklärte er. Vor allem in Kellern und Senken würden sich gelegentlich diese Gerüche absetzen und Kopfweh (bis hin zu Brechreiz) auslösen.

"Uns geht`s darum, ob wir hier gesund leben oder ungesund", stellte Dr. Christian Löffler, Anwohner in der Zugspitzstraße, in den Vordergrund. Als ehemaliger Kraftwerksbauer wisse er, wovon er spreche. Das Trockenholz sei nicht das Problem. Es gehe um den typischen muffligen Verrottungsgeruch und um schadstoffbelastetes Material. "Sie machen ein gutes Geschäft mit Biostrom, aber wie steht es mit der Verantwortung gegenüber der Umwelt und den Bürgern?", so Dr. Löfflers Frage an Geschäftsführer Schuster.

"Was glauben Sie, wie überwacht man heutzutage wird!", konterte Siegfried Schuster. Er habe im vergangenen Jahr mit Investitionen in Höhe von neun Millionen Euro die Anlage ertüchtigt und den neuen Richtlinien angepasst. "Wir liegen sehr gut mit unseren Emmissionswerten", klärte der Kraftwerksbetreiber auf. Bei den Staubemmission liege man sogar weit drunter, "dass wir stolz darauf sein können".

Schuster räumte allerdings ein, dass nicht alles planmäßig gelaufen sei. Die Umbauphase habe fünf anstatt zweieinhalb Monate gedauert. Dadurch hätte sich weit mehr Material auf dem Gelände angesammelt, das sich dann infolge der langen Lagerung so stark erwärmt habe und zum Glühen gekommen sei. "Das ist höhere Gewalt", verteidigte sich Schuster.

Um den Gestank zu unterdrücken, habe man Wasser eingesetzt. "Bei Westwind sind die Arbeiten meistens eingestellt worden", so Schuster, der auch ein Konzept vorlegen will, welches Material und in welcher Mischung zum Einsatz kommt.

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