Landrat Gustav Hilger - der Wendehals

- Zum Artikel "Diskussion um die Nazi-Vergangenheit" in der Ausgabe vom Dienstag, 27. Juli:<BR>

<P>Seit dem Ende der DDR wissen wir was Wendehälse sind. Früher nannte man sie Opportunisten oder einfach nur Menschen, die ihre Fahne in den jeweils vorherrschenden Wind hängen.<P>Der von vielen Schongauern und Weilheimern hochgeschätzte Gustav Hilger war ein solcher Mensch. Wie es möglich war, in zwei so gegensätzlichen Staatssystemen einen derartigen Erfolg wie Hilger zu haben, deutet auf eine Persönlichkeit hin, die ohne Skrupel und Bedenken seinen Weg ging. Dass es nicht einfach ist, eine heile Welt aufzugeben und statt dessen den Tatsachen ins Auge zu sehen, zeigte die Kreisausschusssitzung, die sich noch einmal mit der NS-Vergangenheit Hilgers auseinander setzte. Dabei wird auch mein Beitrag für das Gedächtnisbuch des KZ Dachau, in dem Einzelschicksale ehemaliger Häftlinge nacherzählt werden, erwähnt und von Helmut Schmidbauer als "nicht professionell aufbereiteter Tendenzbericht" bezeichnet.<P>In meinem sachlich gehaltenen Aufsatz geht es jedoch ausschließlich um das Schicksal des Landwirts Ludwig Wittmann. Hilger selbst wird mit keinem Wort erwähnt. Trotzdem muss ich in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass Schmidbauer bewusst oder unbewusst die Unwahrheit sagt, wenn er erklärt, Hilger habe von einer Drohung bezüglich Einweisung in ein KZ nichts gewusst und er sei auch nicht für die Verhaftung verantwortlich gewesen. Das Gegenteil ist der Fall. Mir liegt eine Kopie des Originals des besagten Schreibens vor und hier ist Hilgers Unterschrift eindeutig zu entziffern. Zudem war die Verhaftung hauptsächlich vom Landratsamt Hilpoltstein und damit von Landrat Hilger vorangetrieben worden, wie die lückenlos vorliegenden Schreiben im Staatsarchiv Nürnberg beweisen.<P>Der Landkreis Hilpoltstein war während des Dritten Reichs kein weißer Fleck in der Landkarte. Auch hier wurden Juden, Zigeuner, politisch Andersdenkende und "Asoziale" wie Ludwig Wittmann verhaftet und verschleppt. Hilger war als Nazi-Landrat daran beteiligt, so wie jemand eben, der an der Spitze eines Landkreises mitten in Nazi-Deutschland stand.<P>Allerdings wird es niemanden geben, der Hilger in irgendeiner Art und Weise verurteilen könnte, zudem er sich selbst nicht mehr zu den Vorwürfen äußern kann, freisprechen kann ihn bei den vielen konkreten Hinweisen jedoch auch niemand.<P>Norbert Herler Laibstadt 95 91180 Heideck

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