Landrat macht das Licht aus

- Ende einer Ära - Vor 25 Jahren ging Remigius Streibl in Ruhestand

VON ROBERT LANGER Landkreis - Ein Landrat, der seine Mitarbeiter anweist, Aktenpapier aus Sparsamkeitsgründen auf zwei Seiten zu beschreiben oder ein Hausherr, der Abends durch die Räume geht und überall das Licht ausdreht, um keinen Strom zu verschwenden: Heute kann man darüber lächeln, vor 50 Jahren bekam Remigius Streibl für seine Umsichtigkeit viel Lob.

Der Begriff Ära wird in unserer Zeit schon beinahe inflationär verwendet. Aber der Zeitabschnitt, der im März vor 25 Jahren zu Ende ging, kann wirklich als Ära bezeichnet werden. Remigius Streibl kandidierte 1978 nicht mehr als Landrat. 26 Jahre lang war er der Chef im Landratsamt.

1952: Der parteilose Remigius Streibl, nominiert von der damals sehr starken Bayernpartei und dem Bund der Heimatvertriebenen, gewinnt mit 51,98 Prozent überraschend die Kommunalwahlen. Er siegt gegen den von der amerikanischen Besatzungsmacht provisorisch eingesetzten Dr. Keßler. Streibl, promovierter Jurist und zuvor Regierungsrat bei der Regierung von Oberbayern, gehört keiner politischen Gruppierung an. Und so blieb das auch in den kommenden Amtsjahren. Wohl einer der Gründe für das große Vertrauen, das in ihn gesetzt wurde. Ausdruck fand dies in überragenden Wahlergebnissen. Schon 1958, als er sich erneut um das Amt bewarb, erreichte er 97,6 Prozent der Stimmen. 1964 waren es 99 Prozent.

Der geborene Ebersberger ist Spross einer Konditorfamilie. In seiner Referendarzeit in den frühen 30er Jahren war er unter anderem am Amtsgericht der Kreisstadt tätig. Nach Kriegseinsatz und Gefangenschaft kehrte er 1949 heim und wurde in den höheren Verwaltungsdienst übernommen.

In Streibls Ebersberger Amtszeit fiel der Aufschwung im Landkreis, von manchen Einheimischen argwöhnisch beäugt. Die erste große Entscheidung war der Bau des Kreiskrankenhauses in Ebersberg. Um Standort und Finanzierung hatte es monatelang Streit gegeben. Es folgten Pläne für den Ausbau der B 12 und auch zwischen den Landkreisgemeinden wurden aus den Schotterstraßen mehr oder weniger glatte Asphaltpisten. Die Pläne für einen Autobahnbau oder einen Protonenbeschleuniger im Forst schreckten auf. Das Landratsamt zog von den anfänglichen Unterkunft im Schloss in den Neubau gegenüber des Bahnhofs um.

Schwere Zeiten durchlebte Streibl Anfang der 70er Jahre, als der Landkreis Ebersberg geteilt werden sollte. Kritik gab es damals vor allem an der CSU und der Landesregierung in München. Denn von dort stammten die Pläne. Neben Remig Streibl war vor allem Bauernbaron Otto von Feury ein Verfechter des Grenzerhalts. Ende Mai 1971 dann Entwarnung.

In der Amtsführung behielt Streibl einen großen Teil Unabhängigkeit bei und gab die Losung "bürgernah" aus, nicht immer im Sinne der Aufsichtsbehörden.

Mit Erreichen der Altersgrenze endete die politische Karriere 1978. Nachfolger Streibls wurde sein langjähriger Stellvertreter Hermann Beham, zuvor Geschäftsführer der CSU-Landtagsfraktion in München. Das Traumergebnis Streibls konnte der Christsoziale Beham nicht erreichen. Immerhin waren es 66,9 Prozent. Gegenkandidat Friedhelm Haenisch (SPD) kam auf 25,5 Prozent, Max Kraft (FDP) auf 5,1 und Michael Prötzl (KPD) auf 0,7 Prozent.

Nach und nach wurde es stiller um den Altlandrat. Er genoss seinen Ruhestand, beobachtete die Politik. Die Trauer war groß, als er am 5. Januar 2000 auf dem alten Ebersberger Friedhof 89jährig zur letzten Ruhe gebettet wurde.

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