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Das Leben der Wilhelmina B., der letzten "Queen of Bavaria"

- Literarischer Herbst: Lesung in der Bücherjolle - Riesenandrang

VON FREIA OLIV Starnberg - 600 Hektar Grund bei Bernried samt Schloss und ein Teehaus, das erste Automobil 1911, eine Yacht, rund 150 Angestellte und eine weiße Zwergbulldogge: die Besitztümer der Wilhelmina Busch. Kein Wunder, dass sie die letzte "Queen of Bavaria" genannt wurde. Peter Wiede taufte sie um zur "Dollarkönigin vom Starnberger See" und widmete dieser glamourösen Gestalt in stets weißen Roben sein neustes Buch. Die Eskapaden und die verworrenen Familienverhältnisse der Wilhelmina boten bei einer Lesung in der Bücherjolle Starnberg so viel Stoff, dass Wiede genau auf die Uhr schauen musste, um nicht allzu sehr ins Erzählen zu kommen.

Die Neugier trieb Wiede vor zehn Jahren zu den Recherchen: Er radelte durch den Bernrieder Park, las das Schild, dass das Areal von Wilhelmina gestiftet worden sei - und fing an zu fragen. Dann wurde es "anstrengend", Telefonate, Archive durchforsten, um Unterlagen in Privathaushalten (teils vergeblich) bitten. Dabei entdeckte er eine Geschichte mit Märchencharakter. Wilhelminas Vater Adolphus wanderte 1854 nach Amerika aus. Der 18-Jährige hatte keine Ahnung vom Brauen und sollte doch 20 Jahre später der Weltbierkönig sein. Sein 13. und letztes Kind, eben Wilhelmina, wuchs also in einer reichen und weithin für ihre Feste berühmten Familie in Missouri auf. Die Verehrer standen bald Schlange. Das Rennen machte Eduard Scharrer.

Die Ehe aus Liebe endete weniger glücklich. 1914 stand Scharrer mit seinen 20 Millionen zwar noch an achter Stelle der deutschen Millionäre, hatte zwei Millionen Jahreseinkommen - doch haushalten konnte die Familie nicht. Geldsorgen und dann noch die Untreue des Mannes Drei Ehemänner

brachten das Fass zum Überlaufen. Wilhelmina wollte sich scheiden lassen, doch Scharrer starb kurz davor. Die "gnädige Frau" kam nicht zur Beerdigung.

Die Lady war exzentrisch, hatte höchste Ansprüche, leistete sich eine Yacht, nur um zweimal zur Roseninsel und hin und wieder zum Teehaus zu fahren. Sie feierte rauschende Feste. Ob sie aber ein Verhältnis mit dem Charmeur und Chauffeur hatte, ob sie vor 50 Jahren an Krebs, Nierenversagen oder Herzproblemen gestorben ist, das weiß man nicht: Die ehemaligen Bediensteten und Nachfahren blieben verschwiegen treu.

Dennoch wollte das Starnberger Publikum vor allem eines wissen: Was war mit den anderen Ehemännern? Dr. Borchard, den zweiten Mann, kannte Wilhelmina schon zu Lebzeiten ihres ersten Gatten. Die dritte Ehe war eine nüchterne: Der Züricher US-Genralkonsul Samuel Woods heiratet das Geld und die Bernrieder Ländereien, Wilhelmina wegen der politischen Sicherheit. Finanzielle Gründe lagen teils auch dem Entschluss zugrunde, 1949 den Bernrieder Park zu stiften. Trotzdem hat Bernried damit ein großes Erbe - und ist am Überlegen, ob man einen Wilhelmina-Platz einrichten oder gar die Begräbnisstätte kaufen soll.

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