Lehreraustausch zum Wohl der Schüler

- VON INGRID MÜLLER Östlicher Landkreis - Am ersten Schultag im Gymnasium ist alles neu: das Schulhaus, der Stundenplan und die Lehrer. Um die Schüler besser auf die neuen Anforderungen vorzubereiten und ihnen damit den Übergang zu erleichtern, findet auf Initiative des Brucker Schulamts, ein Austausch zwischen Grundschul- und Gymnasiallehrer im Hinblick auf Lehrpläne und Unterrichtsmethoden statt. Die Initiative "Zwei Schularten begegnen sich" scheint bayernweit einmalig zu sein, sagt Schulamtsdirektorin Henriette Lemnitzer.<BR>

<P>Mit dem Ausschluss der Grundschullehrer vom Probeunterricht am Gymnasium war die letzte Möglichkeit des gegenseitigen Austauschs vertan. Da das Schulamt den Übertritt aber als wichtige Schnittstelle ansieht, entstand 2004 die Idee, sich an einen Tisch zu setzen und über Lehrpläne und Methodik an den Schulen zu reden.<P>In Expertenteams für Deutsch, Mathematik, Englisch und Heimat- und Sachkundeunterricht tauschten die Lehrer Schulaufgaben, Bücher und Arbeitsblätter aus. "Uns wurde erklärt, was in der 5. Klasse passiert", berichtet Simone Kondler, Lehrerin an der Volksschule Eichenau, aus dem Expertenteam Englisch. Seit zwei Jahren gehört die Fremdsprache an der Grundschule fest zum Lehrplan. "Im Gymnasium wird schon mit Büchern gearbeitet, bei uns spielerisch und mit Arbeitsblättern", erzählt Kondler. Die Gymnasiallehrer habe interessiert, wie viel Englisch die Kinder beim Übertritt sprechen und verstehen können. "In Olching greifen die Lehrer dieses Wissen im ersten Lehrkapitel auf."<P>Um den Unterricht der anderen Schulart besser zu verstehen, wurden gegenseitige Hospitationen angeregt. So gingen Lehrer des Gymnasiums Gröbenzell einen Vormittag an die Grundschulen im Umkreis. "Wir waren von den Riten, dem Stuhlkreis und den schüleraktivierenden Methoden beeindruckt", berichtet Rektor Winfried Bauer. "Die Grundschüler halten schon tolle Referate." Einen Schritt weiter ist sein Kollege Ralf Kaulfuß vom Olchinger Gymnasium: "Wir laden seit acht Jahren zum Halbjahr Lehrer der Grund-, Real- und Hauptschulen zu uns ein." Beim Hospitieren sehen die Grundschulpädagogen die Lernentwicklung der Fünftklässler.<P>Übertritt ans Gymnasium soll erleichtert werden <P>Im Dezember 2005 wurde die Initiative den oberbayerischen Schulämtern vorgestellt. "Es ist ein guter Weg, sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer", bilanziert Lemnitzer. "Der Übertritt ist nahtloser, die Schüler können da abgeholt werden, wo sie am Ende der 4. Klasse stehen." Nachahmer gebe es - mit Ausnahme von Einzelaktionen - aber noch nicht.<P>Alle beteiligten Lehrkräfte äußern sich positiv: "Es war ein sehr fruchtbarer Austausch", meint Simone Kondler. Deshalb soll das Konzept im Landkreis auch auf Real- und Hauptschule ausgeweitet werden. Winfried Bauer plant, einige Erkenntnisse umzusetzen - allerdings erst zum neuen Schuljahr. Dann ist auch ein Gegenbesuch der Grundschullehrer am Gymnasium vorgesehen: "Sie wollen sehen, wie es ihren ehemaligen Schützlingen in der 5. Klasse ergeht."<P>

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