Der letzte barocke Priester Bayerns

- VON PAUL BRANDT Dachau - "Er war der letzte barocke Priester Bayerns", sagte der ehemalige Staatsminister Dr. Heinrich Junker über den Mann, dessen Geburtstag sich am heutigen Donnerstag zum 125. Mal jährt: Friedrich Pfanzelt. Noch heute verbinden sich in und um Dachau viele Erinnerungen mit Prälat Pfanzelt, der 28 Jahre in Dachau wirkte. In diesen fast drei Jahrzehnten wurde Pfanzelt zu einer der markantesten Persönlichkeiten der Stadt.<BR>

Viele Dachauer erinnern sich noch gut an Friedrich Pfanzelt. Zum Beispiel Oberbürgermeister Dr. Lorenz Reitmeier: "Er war eine umfangreiche Persönlichkeit, nicht nur in körperlicher Hinsicht. Er war vieles in einem, wobei die Kennzeichnung ,barock` im landläufigen Sinne vielleicht das Wesentliche trifft: Pfanzelt war Pfarrherr in einem früheren Sinne; er war donnernder Befehlshaber seiner Kirche; er war sanftmütiger Kinderfreund, solange ihn niemand reizte; er war zartfühlender Bereicherer der Liturgie; er war außerhalb der Kirche, wie man hörte, ein äußerst guter Gesellschafter, er war eifriger Helfer in der größten Not; er war fast ein Kirchenfürst en miniature mit einer kleinen Schwäche fürs Kardinalrot des Prälaten - bis hin zu den Schnürsenkeln."<P>Am 24. August 1881 wurde Friedrich Pfanzelt als elftes von 13 Kindern des Hauptlehrers Michael Pfanzelt in Moosen (Landkreis Erding) geboren. Nach seinen Volksschuljahren besuchte er das Gymnasium und Priesterseminar in Freising. Am Peter-und-Paul-Tag 1907 erhielt er im Dom zu Freising von Erzbischof Pranz Josef von Stein die Priesterweihe. <P>Nach mehreren Kaplanstellen kam er 1913 als Koadjutor nach Olching, wo sein Bruder Michael ein Jahr zuvor Pfarrer geworden war. Markantes Kennzeichen des neuen Kooperators war ein mächtiger roter Vollbart. Während des Ersten Weltkriegs wirkte Pfanzelt einige Zeit als Feldgeistlicher, brachte es immerhin zum Divisionspfarrer und zu einigen Orden. In dieser Zeit musste er sich auch die militärischen Töne angeeignet haben, mit denen er später als "alter Fritz" Untergebene, Schulkinder und ganze Prozessionen herumkommandierte. <P>Als Bruder Michael 1917 im Alter von nur 44 Jahren starb, wurde Friedrich Pfanzelt Pfarrer in Olching. Wegen seines Engagements war er im Graßlfinger Moos und in Olching sehr beliebt. Und wegen seines roten Bartes erhielt der den Spitznamen "Rotschwanzl".<P>1930 starb der Dachauer Pfarrer Franz Xaver Taubenberger, Pfanzelt wurde sein Nachfolger. Zur Verblüffung der Dachauer tauchte er glatt rasiert auf.<P>Eine leichte Aufgabe hatte er damals gewiss nicht zu übernehmen, als Arbeitslosigkeit und Elend in Deutschland herrschten und die politischen Gegensätze besonders groß waren.<P>1933 wurde das KZ eröffnet, und anfangs konnte Pfanzelt dort noch Messen abhalten. Ab 1936 versperrte das NS-Regime solche Kontakte. Pfanzelt setzte sich dennoch für die KZ-Häftlinge ein. Er erleichterte deren Los, indem er mit anderen heimlich Lebensmittel ins Lager schmuggeln ließ. 1946 wurde Pfanzelt wegen dieses Einsatzes für die Häftlinge zum päpstlichen Hausprälaten ernannt.<P>Pfanzelt regierte seine Schäflein gewissermaßen wie ein Pfarrfürst. Im kirchlichen Bereich setzte er auf Prachtentfaltung mit Prunkmessen und großen Prozessionen. Im weltlichen Bereich mischte er ab 1946 als Kreisrat mit und kümmerte sich besonders um die Krankenhausbelange. Sein Wort, stets mit mächtiger Stimme vorgetragen, hatte immer Gewicht. Aber er feierte auch gern und ließ sich gerne feiern. In klerikalen Kreisen witzelte man in Anlehnung an den Werbespruch eines Lebensmittelgeschäfts: Keine Feier ohne Meyer, kein Empfang ohne (Abt) Hugo Lang, kein Lätizl (Freudenfest) ohne Fritzl.<P>Während der Nazizeit brachte es Pfanzelt sogar fertig, in Dachau zwei neue Kirchen zu bauen, 1933 St. Johann im unteren Markt und 1939 St. Peter in Augustenfeld. In seiner Amtszeit entstand 1956 auch noch Mariä Himmelfahrt in Dachau-Süd. In St. Jakob ließ er Renovierungen vornehmen.<P>Aus Pfanzelts Eitelkeit mit dem Hang zum Prälatenrot und seiner Vorliebe, stets im Mittelpunkt zu stehen, resultieren eine Menge Schmunzelgeschichten und Anekdoten. In seinen letzten Lebensjahren konnte Pfanzelt mehrere Jubiläen feiern und Ehrungen entgegennehmen. 1952 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1955 wurde er Dachauer Ehrenbürger, 1956 feierte er groß seinen 75. Geburtstag und 1957 das Goldene Priesterjubiläum.<P>In der Nacht vom 8. auf den 9. September 1958 starb Friedrich Pfanzelt an einem Schlaganfall. Am Abend war er noch mit polnischen Priestern beisammen gewesen. Der Tod des Prälaten war für die Stadt ein Schock. Das Begräbnis, das die Dachauer ihrem Ehrenbürger bereiteten, war seiner würdig.<P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Seit Heim-WM ständiger Begleiter - DFB-Umbruch fordert beliebtes Opfer
Nationalmannschaft: Oliver Pochers Stadion-Hymne „Schwarz und Weiß“ ist nach zwölf Jahren nicht mehr das DFB-Lied. Im neuen National-Elf-Song geht es um die Liebe.
Seit Heim-WM ständiger Begleiter - DFB-Umbruch fordert beliebtes Opfer

Kommentare